05.02.2015, 13:02 Uhr | 0 |

Psychologische Kriegsführung Britische Armee rüstet auf – mit 1500 Facebook-Kriegern

Die britische Armee rüstet ihre psychologische Kriegsführung auf. Ab April 2015 wird es mit der 77. Brigade eine neue Spezialeinheit geben, in der rund 1500 Soldaten den „Kampf im Informationszeitalter“ über Facebook und Twitter aufnehmen.

Homepage der British Army
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Rüstet sich für den Kampf im Informationszeitalter: Die britische Armee hat ab April 2015 mit der 77. Brigarde eine neue 1.500 Mann starke Spezialeinheit von Facebook-Kriegern. 

Foto: army.mod.uk

Für die britische Armee sind die Sozialen Medien kein Neuland. Auf Facebook hat die offizielle Seite der Army knapp 1,3 Millionen Likes und auch auf anderen Kanälen wie Twitter, YouTube, Instagram, tumblr, google+ oder Pinterest wird gepostet und kommentiert. (Zum Vergleich: Die deutsche Bundeswehr hat auf Facebook gut 320.000 Likes.)

Ab April dieses Jahres wird es eine neue Spezialeinheit geben, die vermutlich keine eigene Facebook-Präsenz bekommt. Die 77. Brigade, stationiert nahe der Kleinstadt Newbury rund 100 Kilometer westlich von London, soll für psychologische Operationen im Informationszeitalter zuständig sein.

Auf modernem Schlachtfeld geht es nicht notwendigerweise gewalttätig zu

Rund 1500 bis 2000 Soldaten werde die neue Einheit haben, berichten britische Medien wie der Guardian oder The Independent. Im Frühjahr soll die Rekrutierung innerhalb der Armee beginnen. Gesucht werden Soldaten mit journalistischer Erfahrung, die außerdem vertraut sind mit den modernen sozialen Netzwerken. Ziel sei es, vor dem Hintergrund von Nachrichten rund um die Uhr, von Smartphones, Facebook und Twitter, die Erzählperspektive mitzubestimmen.

ARCHIV - Ein junger Mann trägt am 23.08.2014 in Markgröningen (Baden-Württemberg) ein T-Shirt mit der Aufschrift "like us on Facebook". Foto: Sebastian Kahnert/dpa (zu dpa "Die Zehnerjahre sind halb vorbei" vom 29.12.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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1500 britische Soldaten werden ab April in der Spezialeinheit 77. Brigade für psychologische Operationen im Informationszeitalter zuständig sein. In den Medien werden sie auch Facebook-Krieger genannt. 

Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Der Guardian zitiert einen Armeesprecher: „Die 77. Brigade soll vorhandene und neue Möglichkeiten bündeln, um die Herausforderungen moderner Konflikte und Kriegsführung zu meistern. Auf dem modernen Schlachtfeld muss der Einfluss, den man auf Andere hat, nicht notwendigerweise mit Gewalt zu tun haben.“ „Psychologische Operationen“ und die Interaktion mit Sozialen Medien und der Presse sollen die Hauptaufgaben der Truppe sein.

Antwort auf russische Propaganda und Aktivitäten des IS

Die Neugründung der 77. Brigade sei zum Teil ein Ergebnis der Erfahrungen, die bei der Bekämpfung von Aufständen in Afghanistan gesammelt worden seien, berichtet der Guardian weiter. Es sei aber auch eine Antwort auf die Ereignisse des letzten Jahres, insbesondere auf Russlands Verhalten in der Ukraine und der Übernahme großer Landstriche in Syrien und dem Irak durch den Islamischen Staat IS. In der Ukraine seien Unruhen entstanden, weil Russland Truppen in das Land geschickt habe, die sich als lokale Milizen getarnt hätten. Und der IS habe die Sozialen Medien sehr geschickt für sich genutzt, um Kämpfer aus allen Teilen der Welt anzuziehen.

Israelische Armee und die britische Guerilla-Einheit der Chindits als Vorbilder

Vorbild für die neue britische Spezialeinheit könnte die Israelische Armee sein, die bereits seit einigen Jahren ihre militärischen Einsätze entsprechend begleitet und mittlerweile auf 30 Plattformen, darunter Twitter, Facebook, YouTube und Instagram und in sechs Sprachen aktiv ist. Während des letzten Krieges vergangenen Sommer in Gaza hätten sowohl die israelische Armee als auch der militärische Flügel der Hamas ausgiebig getwittert – manchmal sogar direkt miteinander, so der Guardian.

Die 77. Brigade hat aber auch noch ein weiteres Vorbild. Die legendären Chindits waren eine britische und indische Guerilla-Einheit, die während des Zweiten Weltkrieges in Burma gegen die Japaner kämpfte. Offiziell hieß die Truppe 77. Indische Infanteriebrigade, bekannt aber wurden sie als Chindits, dem Namen für die burmesischen löwenähnlichen Wächterfiguren vor den Tempeln. Unter Lieutenant Colonel Orde Wingate, der Erfahrung im Guerilla-Kampf hatte, wurden die Chindits berühmt für ihre erfolgreichen, unorthodoxen und bisweilen auch umstrittenen Taktiken, mit denen sie in japanisches Territorium vorrückten und dort Verwirrung und Chaos stifteten.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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