08.02.2017, 11:09 Uhr | 0 |

20 % sind geblockt Anonymous-Hacker legt Teile des Darknet lahm

Das Darknet, diesen geheimen Tummelplatz im Internet für Kriminelle und Zwielichtige, hat ein Hacker der Gruppe Anonymous ins Licht gezerrt. Der IT-Spezialist hat etwa 20 % des Darknet gehackt, die Seiten blockiert und Inhalte veröffentlicht – damit man sich die Schmuddelseiten anschauen kann.

Ein Aktivist mit einer Guy-Fawkes-Maske, dem Erkennungszeichen der Hackergruppe Anonymous
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Ein Aktivist mit einer Guy-Fawkes-Maske, dem Erkennungszeichen der Hackergruppe Anonymous: Ein Hacker der Gruppe hat über 10.000 Seiten im Darknet blockiert, das sind etwa 20 % aller Seiten in dem geheimen Teil des Internets.

Foto: Marc Tirl/dpa

Die Behörden sollten schon fleißig dabei sein, das Material zu sichten, das ursprünglich auf der Servern des Providers Freedom Hosting II lag. Denn der Hacker, der jetzt über 10.000 versteckte Seiten blockiert hat mit der Nachricht „Hello, Freedom Hosting II, you have been hacked", hat die Inhalte im Netz verfügbar gemacht, um die Täter zu verfolgen.

Der Hacker, der mit der Gruppe Anonymous verbunden sein soll, bestätigt im Online-Magazin Motherboard, dass er die Server des Providers mit dem unglaublichen Namen Freedom Hosting II gehakt hat.

 

Wo die Server stehen, wissen wohl nur Hacker und Geheimdienste. Immerhin führten Spuren des Vorgänger-Providers Freedom Hosting nach Osteuropa. 2013 war der Betreiber Eric Eoin Marques in Dublin verhaftetworden. Er hatte Geld nach Osteuropa verschoben.

Auch auf Freedom Hosting II gibt es kriminelle Inhalte

Marques hat die irische und die amerikanische Staatsbürgerschaft. Der 30-Jährige ist seit 2013 in Haft, die USA haben seine Auslieferung verlangt. Im Dezember hatte Marques in letzter Instanz eine Klage gegen seine Auslieferung verloren, so dass bald mit seiner Überstellung an das FBI gerechnet wird. Wer den Nachfolger Freedom Hosting II betreibt, ist zumindest in der Öffentlichkeit nicht bekannt. Auch nicht, wo diese Server stehen.

ARCHIV - ILLUSTRATION - Ein Passwort wird am 25.08.2014 in Köln (Nordrhein-Westfalen) auf einem Laptop über eine Tastatur eingegeben. Foto: Oliver Berg/dpa (zu dpa "Kaspersky warnt vor Angriffen auf kritische Infrastrukturen" vom 11.07.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Das Dark Net erschließt sich nur mit spezieller Software. Dort im Dark Net gibt es aber nicht nur freie Diskussionsportale, sondern auch kriminelle Bereiche wie Waffen- und Menschenhandel.

Foto: Oliver Berg/dpa

Als der bislang unbekannte Hacker auf den gehosteten, versteckten Seiten bei Freedom Hosting II massenhaft auf Kinderpornographie stieß, entschied er sich, die Seiten auf den Servern zu blockieren. Angesichts der Fülle und großen Menge illegaler Daten müsse der Provider auch von der Kinderpornographie gewusst haben.

Der Hacker hat nach eigenen Angaben die Systemdateien des Providers veröffentlicht und die illegalen Inhalte gespeichert. Er will sie über einen Sicherheitsforscher an die Behörden weiterleiten, um ihnen die Chance zu geben, die Täter und Nutzer zu finden. Insgesamt sollen die Dateien 74 Gigabyte ausmachen, die Nutzerdaten 2,3 Gigabyte. Dabei handelt es sich um Nutzernamen, E-Mail-Adressen und die verschlüsselten Passwörter.

Ermittler versuchen mit Malware die Täter aufzuspüren

Gefallen wird dieses Vorgehen den Geheimdiensten aber nicht. Meist versuchen die Ermittler, die Anbieter und Nutzer im Darknet über Spionageprogramme zu finden. So versuchen die Dienste die IP-Nummern derjenigen zu finden, die illegale Angebote im Darknet nutzen. Und das tun sie unbemerkt per Malware. Ob das jetzt noch klappt?

 

Laut Motherboard waren auf Freedom Hosting II etwa 20 % des Darknet gespeichert. Die betroffenen Seiten sind nur mit erheblichem technischen Aufwand über das Anonymisierungsnetzwerk Tor zugänglich.

Die dezentrale Hackergruppe Anonymous hat schon viele spektakuläre Angriffe gestartet. So hat sie 2015 der Terrororganisation Islamischer Staat im Internet den Krieg erklärt.

Zudem hatte Anonymous nach dem Terroranschlag von Paris erklärt, die Kommunikation der IS-Terroristen untereinander zu stören.

Allerdings gelingt es den Islamisten bis heute, ihre Botschaften und Terrorvideos über das Internet zu vertreiben und Kämpfer zu rekrutieren. 

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Von Axel Mörer-Funk
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