22.12.2015, 15:02 Uhr | 0 |

Aus 403 wird 451 451 ist der neue HTTP-Code für Zensur im Internet

Zensur hat einen Namen: 451. Internetseiten, die wegen staatlicher Eingriffe blockiert sind, werden künftig mit dem Hinweis „451 Unavailable For Legal Reasons“ gekennzeichnet. Bislang gaben Webserver in solchen Fällen den Code „403 Forbidden“ aus. Code 451 soll Surfern nun explizit anzeigen, dass Inhalte aus rechtlichen oder politischen Gründen blockiert wurden.

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Mit dem Fehlercode 451 werden künftig Seiten gekennzeichnet, die aufgrund staatlicher Eingriffe nicht angezeigt werden.

Foto: Axel Mörer-Funk

Internet-Standard ist der HTTP-Status-Code 451 offiziell noch nicht, aber er kann bereits angewendet werden. Die Internet Engineering Steering Group (IESG), ein an der Genehmigung von Internet-Standards beteiligtes Gremium, hat dem neuen Staus-Code gerade zugestimmt.

Er soll im World Wide Web, das gerade 25 Jahre alt geworden ist, anzeigen, ob Inhalte „aus rechtlichen Gründen“ blockiert, die Seiten also zensiert und/oder aus dem Netz genommen wurden. Vorgesehen ist außerdem, dass ein lesbarer Text den Status-Code ergänzt und erklärt, wer den Inhalt auf welcher rechtlichen Grundlage zensiert hat. Die Angaben „blocked-by“ und „Description“ sollen die Instanz identifizieren, die den Zugriff aufgrund einer rechtlichen Anordnung (legal demand) blockiert.

Code 451 statt Code 403

Die Webserver, auf denen die Inhalte gehostet sind, antworten mit standardisierten, dreistelligen HTTP-Status-Codes auf die Anfragen von Clients – also zum Beispiel von Webbrowsern. Ist die erste Zahl des HTTP-Codes eine 4 bedeutet das, dass der Server die Anfrage aufgrund eines Fehlers auf Client-Seite nicht bearbeiten, die Inhalte also nicht zur Verfügung stellen kann. Der wohl bekannteste HTTP-Status-Code ist „ 404 Not Found“. Er bedeutet, dass die angeforderte Webseite unter der im Browser eingegebenen oder verlinkten Adresse (URL) nicht gefunden wurde.

Recht häufig stoßen Surfer auch auf die Meldung „403 Forbidden“. Sie wird vom bereitstellenden Server standardmäßig ausgegeben, wenn der Client keine Berechtigung hat, auf die angeforderten Inhalten zuzugreifen – zum Beispiel, weil er sich dazu authentifizieren muss.

Wenn Inhalte aus rechtlichen oder politischen Gründen zensiert und die Webseiten blockiert wurden, setzten Webseiten- und Serverbetreiber bislang üblicherweise Code 403 ein. Dabei, so die Argumentation für den neuen 451er, werde eine zugrunde liegende Zensur jedoch verschleiert.

„Fahrenheit 451“ stand Pate

Angeregt wurde der spezielle Status-Code vom Amazon-Mitarbeiter und Software-Entwickler Tim Bray, der bereits im Jahr 2012 erstmals ein entsprechendes Arbeitspapier bei der Internet Engineering Task Force (IETF) eingereicht hatte. Die IETF, die von der IESG geleitet wird, kümmert sich insbesondere um die Standardisierung der im Internet eingesetzten Kommunikationsprotokolle und legt die HTTP-Status-Codes fest.

Code 451 soll nach den Vorstellungen von Bray dabei helfen, Zensur im Internet offen zu legen und Informationskontrolle zum Beispiel durch staatliche Instanzen transparent zu machen. Die Zahl 451 hat Bray nicht zufällig gewählt.

Er bezieht sich in seinem Code-Entwurf auf den Schriftsteller Ray Bradbury, der mit seinem Roman „Fahrenheit 451“ Zensur und staatliche Informationskontrolle anprangert. In der Anti-Utopie ist der Besitz und die Lektüre von Büchern verboten und die Feuerwehr dafür zuständig, Bücher aufzuspüren und zu verbrennen. So soll das Volk daran gehindert werden sich über den Zugang zu Information und Lektüre eine freie Meinung bilden zu können.

Staaten können Eingriff verschleiern

Bray weist allerdings auch darauf hin, dass man sich nicht auf die Verwendung von Code 451 verlassen könne. Staaten oder sonstige Instanzen, die den Zugang zu bestimmten Informationen im Internet verweigerten, könnten ihren Eingriff selbst verschleiern wollen und Webseitenbetreibern oder Providern folglich die Verwendung des HTTP-Status-Codes 451 verbieten.

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Von Susanne Neumann
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