23.08.2013, 12:15 Uhr | 0 |

Smart Home Intelligentes Haus steht vor dem Baubeginn

Seit Jahren wird über das vernetzte Haus diskutiert, doch der große Marktdurchbruch blieb bisher aus. Große Player wie Samsung, Cisco und der Energieversorger RWE betonen, Deutschland sei bereits mitten im Wandel zum Smart Home. Anbieter und Zukunftsforscher sehen dagegen vor allem in der Bedienbarkeit der Lösungen noch Verbesserungsbedarf, um breite Akzeptanz zu erzielen.

Dass sich die digitale Welt de facto im Bereich der persönlichen Geräte, wie E-Books und Kameras, aber auch im Haushalt mit intelligenten TV-Geräten und Routern durchsetzt, ist keine Neuheit. Wenn es aber um den tatsächlichen Stand der Entwicklung auf dem weiten Feld des Smart Home, des intelligenten, vernetzten Hauses geht, scheiden sich die Geister. 

Dirk Brameier, Geschäftsführer des Telekommunikationsdienstleisters EWE Tel, einer Tochter des norddeutschen Energieversorgers EWE, erklärte: "Wir sind bereits dabei, flächendeckend Breitband zu legen. Wir sind schon mittendrin im Trend." Auch André Schneider, Leiter der Produktstrategie bei Samsung, und Christian Illek, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Microsoft Deutschland, bekräftigten diese These: Beide Unternehmen bieten bereits Produktlösungen für das Smart Home an. Aber auch eine Vielzahl kleiner Unternehmen, beispielsweise Kaasa Home Automation, TechniSat Digital und Aizo, schwimmt im Smart-Home-Strom.

66 % der deutschen Verbraucher an Smart-Home-Lösung interessiert

Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Capgemini haben rund 66 % der deutschen Verbraucher Interesse an einer Lösung für vernetztes Wohnen. Daher drängte sich die Frage auf, warum der Markt, der nach Ansicht vieler Unternehmen praktisch in den Startlöchern steht, noch nicht ins Rollen kommt.

Einen wichtigen Grund dafür wusste Norbert Verweyen, Geschäftsführer von RWE: "Es fehlt heute an intuitiv bedienbaren Lösungen für den Kunden." Der Nutzer interessiere sich nicht für die Technik, die hinter einem vernetzten Heim steht, sondern er wolle eine automatisierte Lösung, die einfach zu steuern ist, erklärte er.

Als potenzielles Problem sah Martin Vesper, Geschäftsführer des Heimvernetzungsunternehmens Aizo, die Steuerung der Geräte über ein Smartphone. "Bei der Hausautomation müssen mehrere Anwendungen parallel funktionieren." Der klassische Smartphone-Nutzer sei es dagegen gewohnt, viele Anwendungen oft gedankenlos zu installieren. "Wenn also eine installierte Applikation bei Hagelwarnung die Jalousien schließen soll, gleichzeitig eine andere App diese aber aus Gründen der Energieeffizienz öffnen soll, um Strom zu sparen, wird es chaotisch", erklärte Vesper. Hier müssten daher Prioritäten gesetzt werden, die dem Anwender diese Entscheidung abnähmen.

Zudem fehle es an technischen Standards, prangerte RWE-Manager Verweyen an: "Es gibt eine Vielzahl an Standards, aber keine Lösung, die übergreifend interoperabel agieren kann." Man bräuchte funkbasierte Lösungen, die über internetfähige IPv6-Adressen verfügen und auch offene und Dokumenten-Standards, wie die Auszeichnungssprachen XML und XSD, verwenden könnten.

Energiekosten als treibender Faktor

Als treibenden Faktor für den Durchbruch von Smart Home stellte Martin Wiegmann, Managing Director Deutschland bei Cisco, die Energiekosten in Aussicht. Als Beispiel nannte Wiegmann fernauslesbare Strom- und Gaszähler, bei denen der Nutzer am ehesten den Nutzen und die Einsparung in Echtzeit erkenne.

André Schneider von Samsung setzte den Spaß dagegen in den Vordergrund. "Ein entscheidender Erfolgsfaktor für das Smart Home ist die Kommunikation klarer Mehrwerte im Rahmen von interessanten Nutzerszenarien. Damit lassen sich Kunden gewinnen und begeistern, zusätzlich zum Thema Energiesparen, das nur einmal pro Monat mit dem Blick auf die Stromrechnung Spaß macht", idealisierte er. So könne der Anwender etwa die Waschmaschine per Smartphone steuern und gleichzeitig den Fernseher einstellen.

In einem Punkt sind sich jedoch alle einig: Geräte, die miteinander kommunizieren und Funktionen intelligent steuern, sind keine Zukunftsmusik mehr. In etwa zwei bis drei Jahren wird das Thema Smart Home dominant im Markt stehen. Auf der IFA in Berlin (6. bis 11. September) hat die Branche nun Gelegenheit, sich dem Endnutzer zu präsentieren.   

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Von Nora Nuissl | Präsentiert von VDI Logo
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