19.03.2014, 15:54 Uhr | 0 |

Täglich Brot rösten Emotionaler Toaster sendet SOS-Signal bei Vernachlässigung

Da sage noch einer, Elektrogeräte hätten keine Gefühle: Der smarte Toaster Brad schickt sogar ein Notrufsignal, wenn er nicht täglich ein Brot rösten darf. Daraufhin kommt UPS und bringt ihn kurzerhand in eine andere Familie. Hinter der nicht ganz so ernst gemeinten Idee steckt der italienische Produktdesigner Simone Rebaudengo.  

Der emotionale Toaster Brad
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Der emotionale Toaster Brad: Darf er nicht genügend Brot rösten, klappert er zunächst hysterisch mit dem Schieber. Sollte das nicht helfen, sendet er eine Abholbitte an das Toasternetzwerk. 

Foto: Addicted Products

Wenn Produkte immer smarter werden, könnten sie irgendwann eigene Bedürfnisse entwickeln. Das beweist Simone Rebaudengo. Mit einem Augenzwinkern hat der italienische Designer Brad entwickelt, einen Toaster mit Gefühlen.

Brad ist alles andere als ein gewöhnlicher Brotröster. Punkt eins: Der unscheinbare weiße Kasten lässt sich nicht besitzen. Man kann ihm lediglich ein schönes zu Hause bieten, in dem er seiner Lieblingsbeschäftigung nachkommen kann, dem Brotrösten. Punkt zwei: Er liebt es, genutzt zu werden. Nicht gefallen lässt er sich hingegen das typische Verhalten des Menschen, irgendwann Produkte doch nicht mehr zu benutzen.

Bei zu wenig Toast sendet der Brotröster ein SOS-Signal

Brad registriert genau, wie viel Toasts er täglich rösten darf. Dank der Einbindung in das Addicted-Toasters-Netzwerk weiß er sogar, wie viel Aufmerksamkeit seine Geräteklasse-Kollegen in anderen Haushalten erhalten. Und wenn er sich unterfordert fühlt, fährt er seinen Schieber hoch und runter. Zunächst langsam und bescheiden, mit der Zeit allerdings immer schneller und aufdringlicher.

Wenn sich der Mensch trotz herzzerreißenden und verzweifelten Geklappers einfach nicht erweichen lässt, mehr Brot in seinen Schacht zu schieben, reißt bei Brad die Geduldsschnur. Er sendet ein SOS-Signal an das Netzwerk und bittet um eine neue Gastfamilie. Nach kurzer Zeit kommt UPS vorbei und sammelt ihn ein.

Designer interessiert sich für Konflikte zwischen Mensch und Maschine

Bislang sind lediglich fünf Toaster Teil des Netzwerks. An diesem Mittwoch muss die Laune der fünf Toaster übrigens ganz unten gewesen sein. Denn kein einziger Toaster hat auch nur ein einziges Toast rösten dürfen, wie die Webseite ausweist. Aber Hilfe ist schon in Sicht: 15 Leute warten schon darauf, einen der unzufriedenen Röster zu übernehmen.

Bierernst ist es Simone Rebaudengo mit dem Projekt natürlich nicht. „In allen Visionen der zukünftigen Haushalte sind Produkte miteinander vernetzt und arbeiten in Harmonie. Sie erschaffen dieses perfekte, moderne und trotzdem irgendwie langweilige Szenario“, schreibt der 28-Jährige auf seiner Website.

Er hingegen interessiert sich für Konfliktsituationen zwischen Mensch und Maschine. „Wie könnte ein Produkt auf sich aufmerksam machen? Welche Grenzen könnte es dabei sprengen? Was wären seine ultimativen Entscheidungen? Aufhören zu arbeiten? Sich selbst verkaufen? Selbstmord?“

Rebaudengo begann seine Karriere als Produktdesigner in Italien und wechselte später an das schwedische Mobile Life Institute. Dort beschäftigte er sich mit dem sogenannten Pervasive Gaming. Darunter versteht man Computerspiele, die reale und virtuelle Welt im Spiel miteinander verbinden. Heute ist Rebaudengo Interaktionsdesigner in München. Eines seiner aktuellen Projekte heißt One Seat Away. Dabei rechnet er am Computer Musik in Vibration um und überträgt diese an Vibrationsmotoren in Sitzmöbeln. 

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Von Patrick Schroeder
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