23.04.2014, 15:49 Uhr | 0 |

Studie von Capgemini Fertigungsbetriebe drohen Anschluss an Industrie 4.0 zu verpassen

Die meisten mittelständischen Betriebe der Fertigungsindustrie hinken in ihrer digitalen Entwicklung anderen Branchen deutlich hinterher. Damit drohen sie den rechtzeitigen Anschluss an den Trend zur Industrie 4.0 zu verpassen. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie des französischen Beratungsunternehmens Capgemini. 

Die Hannover Messe 2014 informierte über Industrie 4.0
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Industrie 4.0 war großes Thema auf der Hannover Messe 2014, der bedeutendsten Industriemesse der Welt. In der Fertigungsindustrie halten viele Betriebe mit dem Tempo der vierten industriellen Revolution allerdings kaum Schritt. 

Foto: dpa/Christoph Schmidt

Die große Mehrheit der Unternehmen aus der Fertigungsindustrie habe mittlerweile die Notwendigkeit zur Digitalisierung erkannt. Das ist die positive Tendenz, die das französische Beratungs- und IT-Dienstleistungsunternehmens Capgemini in einer aktuellen Studie erkennt. 75 Prozent der befragten mittelständischen Fertigungsbetriebe sehe in der digitalen Entwicklung eine Wettbewerbschance. 67 Prozent sind überzeugt, dass sich ihre Position am Markt verschlechtern wird, falls sie nicht aktiv werden.

Doch die Erkenntnis allein reicht nicht aus, um Anschluss an die Industrie 4.0 zu finden. Laut Studie hat sich die Branche seit den 1990er Jahren technologischen Fortschritten zwar sehr aufgeschlossen gezeigt, die Herstellungsprozesse effizienter machen. Aber den Schritt zur Digitalisierung hätten nur wenige Betriebe tatsächlich gemacht.

54 Prozent der Firmen geben an, dass sie ihre wichtigsten Prozesse nicht automatisiert haben. Nur 38 Prozent beobachten die Prozesse im Unternehmen in Echtzeit und lediglich 26 Prozent sagen, dass sie sich schnell auf Veränderungen von außen einstellen können. Andere Branchen, wie Reise- oder Telekommunikationsunternehmen, Banken oder Versicherungen haben digitale Initiativen innerhalb ihrer Organisation laut Studie schon wesentlich weiter vorangetrieben.

Auch im Service fehlt der Fertigungsindustrie eine digitale Vision

Auch für das Verhältnis zum Kunden sieht die Studie großen Nachholbedarf in der Fertigungsindustrie. „Die meisten Firmen ignorieren die großen digitalen Möglichkeiten, die im Marketing, Verkauf und Service liegen, zum Beispiel was persönliche Begegnungen oder soziale Netzwerke betrifft“, schreibt die Studie. Das Potenzial des Internets hätten zwar viele Unternehmen erkannt, aber dies sei nur der erste Schritt, um Verbraucher und globale Märkte zu verstehen.

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An technischen Innovationen fehlt es nicht. Das Fraunhofer Institut für graphische Datenverarbeitung (IGD) aus Darmstadt entwickelt beispielsweise Visual-Computing-Lösungen, mit denen sich Fertigungsprozesse auf mobilen Endgeräten abbilden lassen. 

Foto: Fraunhofer IGD

Was den allermeisten Firmen fehle, sei eine digitale Vision. „Nur 22 Prozent der Führungskräfte haben eine Vorstellung davon, wie eine radikale digitale Veränderung im Unternehmen aussehen könnte“, heißt es in der Studie. Das digitale Defizit betreffe vor allem die oberen Führungsetagen. In der Studie zeigte sich, dass nur in jeweils rund einem Drittel der Unternehmen die Rollen, Verantwortlichkeiten und Prozesse für digitale Initiativen geklärt waren. Bei den digitalen Vorreitern war dies in über 80 Prozent der Firmen der Fall.

Capgemini befragte 391 weltweit agierende Firmen

Für ihre Studie „Digitalizing Manufacturing: Ready, Set, Go!“ hatte Capgemini in Zusammenarbeit mit dem Center for Digital Business des Massachusetts Institute of Technology (MIT) insgesamt 469 Interviews geführt. Befragt wurden leitende Angestellte von 391 weltweit agierenden Firmen aus 30 Ländern. Darunter befanden sich 50 Unternehmen aus der Fertigungsindustrie, speziell aus dem Flugzeug- und Autobau sowie Hersteller industrieller Produkte. Ein sehr großer Teil dieser Firmen hinkt der digitalen Entwicklung deutlich hinterher, so die Studie.

Verändert habe sich allerdings die Einstellung der Verantwortlichen aus der Branche. Denn als Capgemini in einer ähnlichen Studie 2012 schon einmal die Fertigungsindustrie befragt hatte, zeigte sich noch ein anderes Bild. „Damals haben wir beobachtet, dass die meisten Unternehmen der Fertigungsbranche die Bedeutung der Digitalisierung entweder ignorierten oder leugneten“, schreiben die Verfasser der neuen Studie.

Capgemini warnt Firmen vor blindem Aktionismus

Wie sollen die Firmen sich nun für die digitale Zukunft rüsten? Die Studie von Capgemini gibt einige Empfehlungen. Vor allem sollten die Unternehmen nicht in hektische Aktivitäten verfallen, in denen schnelle Ad-hoc-Lösungen entstehen. Das würde vielleicht zu kurzfristigen Verbesserungen führen, aber nicht zu einer langfristigen Transformation. „Die Firmen müssen eine klare Vision und einen Weg hin zur digitalen Veränderung entwickeln", sind die Studienautoren überzeugt.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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