22.06.2015, 08:51 Uhr | 0 |

Produktion von XXL-Produkten Algorithmus aus Hannover erhöht Leistung der Fabriken

Das Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH) hat einen Algorithmus entwickelt, der Produzenten von XXL-Produkten wie Kränen und Gasturbinen unter die Arme greift: Er berechnet, wie sich Flächen und Transportwege am besten nutzen lassen. Für Praxistests sucht das IPH derzeit Unternehmen. 

Montage einer Gasturbine
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Montage einer Gasturbine: Forscher am IPH untersuchen, wie man bei der Herstellung von XXL-Produkten knappe Flächen optimal nutzt.

Foto: Siemens Gasturbinenwerk Berlin

Vom Karosseriebau zur Lackierung, irgendwann später in die Endmontage. Bei der Autoherstellung ist die Fertigung an verschiedenen Stationen Standard. Fällt das Endprodukt aber größer aus, ist ein schnelles Hin- und Herbewegen nach Wunsch meistens nicht möglich. So müssen zum Beispiel Kräne oder Gasturbinen am immer gleichen Standort zusammengebaut werden: das Prinzip der Baustellenfertigung. Bei dieser Herstellungsweise kommt es vor, dass zeitgleich mit dem Bau des eigentlichen Produkts einzelne Komponenten dafür montiert werden, meist auf benachbarten Flächen.

Da Platz in Fabrikhallen rar ist, wollen Forscher des Instituts für Integrierte Produktion Hannover (IPH) die Herstellung sogenannter XXL-Produkte in Baustellenfertigung optimieren: mit einem Algorithmus. „Damit wollen wir ermitteln, welche Potenziale eine dynamische Flächennutzung mit sich bringt", erklärt Projektleiter Michael Zenker.

Hersteller für Praxistests gesucht

Der Algorithmus der Hannoveraner Forscher verfügt über Informationen darüber, welches Produkt in welchem Stadium der Fertigung wie viel Platz benötigt. Auf dieser Basis soll ermittelt werden, wo es in der Fabrik am idealsten platziert werden muss und wann genau die Produktion beginnen sollte. Auch Lagerflächen und Transportwege werden dabei vom Algorithmus berücksichtigt.

„So können wir Unternehmen zeigen, welche Leistung sie maximal aus ihrer Fabrik holen können", sagt Zenker. Für Praxistests suchen er und seine Kollegen derzeit Hersteller von XXL-Produkten, die bereits sind, ihr Fabriklayout wissenschaftlich überprüfen zu lassen.

Das Ziel: Nur so viel Fläche blockieren, wie tatsächlich benötigt wird

Immer wieder beobachten die Wissenschaftler, dass Flächen neben der eigentlichen Montagestelle oft tagelang ungenutzt bleiben. Vollständig ausgelastet werde der zur Verfügung stehende Platz allenfalls selten, so die Forscher. Mit dem Algorithmus soll ein dynamisches Fabriklayout entwickelt werden, bei dem für jedes Produkt nur so viel Fläche blockiert wird, wie es im Augenblick benötigt.

Der Platzbedarf bei der Produktion einer großen Maschine ist meist dann am höchsten, wenn die fertig montierten Einzelkomponenten mithilfe eines Krans zusammengesetzt werden. Ist dieser Schritt abgeschlossen, müssen eventuell noch Kabel im eigentlichen Produkt verlegt werden. Der sperrige Kran aber wird nicht mehr benötigt. Auf der freigewordenen Fläche könnten die Monteure dann bereits mit den Vorarbeiten für das nächste Produkt beginnen; eine Möglichkeit, die – warum auch immer – oft nicht erkannt wird. 

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Von Jan-Martin Altgeld
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