21.12.2015, 10:33 Uhr | 0 |

Industrie 4.0 56 % der Unternehmen machen sich Sorgen um die Sicherheit

Funkanwendungen setzen sich bei der Überwachung und Steuerung von Anlagen und Prozessen auf breiter Ebene durch. Allerdings sind die meisten Unternehmen mit der Sicherheit noch nicht zufrieden. Das zeigt eine Fraunhofer-Umfrage.

Industrie 4.0: Bundeskanzlerin Angela Merkel, Siemens-Manager Siegfried Russwurm und Festo-Chef Eberhard Veit
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Siemens-Vorstandsmitglied Siegfried Russwurm (m.) stellt Bundeskanzlerin Angela Merkel und Festo-Vorstandschef Eberhard Veit auf dem IT-Gipfel am 19. November 2015 in Berlin den Industrie-4.0-Demonstrator vor. Die Technik wird in vielen Unternehmen immer wichtiger. Allerdings wachsen die Sicherheitsbedenken, so eine Fraunhofer-Umfrage.

Foto: Siemens

Nachdem sich Funkanwendungen in den Unternehmen immer stärker durchsetzen, rücken die Themen Sicherheit und Zuverlässigkeit zunehmend in den Mittelpunkt. 56 % der befragten Unternehmen haben Sicherheitsbedenken gegen den Einsatz von Funktechnologien. 2011 waren das erst 47 %. Dass diese Bedenken berechtigt sind, hat erst im Sommer der TÜV Süd bewiesen.

Die TÜV-Ingenieure haben eine 4.0-Infrastruktur einen kleinen, unbedeutenden Wasserwerks in Deutschland simuliert und überprüft, ob es Angriffe aus dem Netz gibt. Das Resultat: Es gibt Angriffe – und zwar massenhaft.

Auch die Zuverlässigkeit von Funksystemen stellt 44 % der Unternehmen noch nicht zufrieden. Und doch setzen 69 % der von Fraunhofer befragten Unternehmen Funktechnologien in Teilbereichen der Produktion schon ein.

Viele Unternehmen wünschen sich einfachere Installation

Die Hälfte der befragten Unternehmen vermisst neben einem „deutlich höheren Sicherheitsniveau“ auch eine einfachere Installation und Wartung, die ohne Experten auskommt. Barbara Staehle, Gruppenleiterin am Fraunhofer ESK, bestätigt, dass es bislang die gewünschten Plug-and Play-Installation noch nicht gibt. Eine solche sei allerdings bei komplexen Systemen sowie für Lokalisierungsaufgaben auch nicht empfehlenswert.

„Je weniger Aufmerksamkeit man der Konfiguration schenkt, desto weniger zufriedenstellend ist in der Regel nachher das Ergebnis“, so Staehle. Weil es keine one-size-fits-all-Funktechnologie gebe, sollten die Gegebenheiten vor Ort bei der Auswahl und Anpassung eines geeigneten Systems berücksichtigt werden. Fraunhofer selbst wirbt für sein Tool „Awair“, mit dem sich die Qualität der Funknetze während des Betriebs überwachen lässt.

 

 

Laut der Fraunhofer-Umfrage steht WLAN als Übertragungstechnologie an der Spitze. 77 % der befragten Unternehmen nutzen es, vor drei Jahren waren es nur 53 %. Industrial WLAN wird von 29 % genutzt und steht auf Platz 6. Vor drei Jahren spielte es noch keine nennenswerte Rolle.

WLAN bleibt die wichtigste Funktechnologie

Stark aufgeholt hat Bluetooth. Mit 60 % steht es heute auf Position 2. Vor drei Jahren noch war es mit 17 % auf Platz 5. Jetzt hat es mit RFID den Rang getauscht, das damals mit 33 % auf Platz 2 stand und heute immer bei 43 % der Befragten im Einsatz ist. Auf Platz 3 und 4 stehen die Mobilfunktechnologien GSM/GPRS und UMTS/HSDAP.

Und wofür werden Funkanwendungen überhaupt genutzt? 74 % der Befragten nutzen heute Funklösungen für das Monitoring, vor drei Jahren war es nur 36 %. 66 % der Befragten verwenden Funk außerdem für den Fernzugriff, eine Verdoppelung in Vergleich zu vor drei Jahren. Überdies nutzt bereits über die Hälfte Funk für die Steuerung von Anlagen und Prozessen, vor drei Jahren war es nur ein Viertel. In einem Jahr wollen bereits 65 % der befragten Anlagen und Prozesse per Funk überwachen und steuern.

Die Online-Befragung führte Fraunhofer nach 2011 zum zweiten Mal unter 51 Unternehmen aus verschiedenen Branchen durch. Ein Drittel der Befragten stammte aus der Metall- und Elektronikbranche, 59 % aus Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern.

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Von Christiane Schulzki-Haddouti
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