25.11.2015, 11:55 Uhr | 0 |

CYBERWAR GEGEN DEN IS Trifft Hackergruppe Anonymous die Falschen?

Nach verschiedenen Medienberichten hat die Hackergruppe Anonymous in den vergangenen Tagen zwar tausende Twitter- und andere Accounts des IS lahm gelegt, aber dabei auch ebenso viele unschuldige Nutzer erwischt. Angeblich hat das Cyber-Kollektiv aber ein paar Geldhähne zudrehen können.

Ein Aktivist mit einer Guy-Fawkes-Maske, dem Erkennungszeichen der Hackergruppe Anonymous
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Die Hackergruppe Anonymous hat dem IS den Cyberkrieg angekündigt und ist auch aktiv geworden. Das Kollektiv hat dabei aber offenbar auch vielen anderen Internetnutzer geschadet.  

Foto: Marc Tirl/dpa

Die Drohung klang so martialisch, wie es sonst nur der Ton der Islamisten selbst ist. Kämpfer auf der ganzen Welt würden den Feind jagen, massive Angriffe würden folgen. Ob das entsprechende YouTube-Video der Hackergruppe Anonymous, das kurz nach den Anschlägen von Paris veröffentlicht worden ist, bei den Terroristen des IS Eindruck gemacht hat, ist fraglich. Eine erste Bilanz des Anti-Terror-Krieges im Netz fällt jedenfalls mau aus.

20.000 Twitter-Konten gesperrt

Von den 20.000 durch die Hacker gesperrten Twitter-Konten habe die Mehrheit gar nichts mit dem IS zu tun, heißt es beispielsweise im US-Fachmedium Ars Technica. Teils seien die Identitäten hinter den Konten ohnehin schon lange offline, teils seien es Nutzer, die sich einfach mit dem Thema befassen.

Die zahlreichen Konten, die entdeckt wurden, scheinen jedenfalls das Ergebnis einer simplen Stichwortabfrage zu sein. Und diese Methode ist auch dem Unternehmen Twitter nicht gut genug. Man bearbeite die von Anonymous übersandten Listen gar nicht erst, sagte ein Firmensprecher nach Angaben des Blogs Daily Dot.

Angeblich Gelder gesperrt

Die Berichte über virtuelle Kollateralschäden im Cyberwar haben nun offenbar Anonymous-Aktivisten auf den Plan gerufen. Sie meldeten die Enttarnung von Online-Bankkonten, auf denen insgesamt drei Millionen Dollar lägen, die der IS für Terror nutzen könne. Und diese Konten würden nun gesperrt.

ARCHIV - ILLUSTRATION - Ein Mann sitzt am 16.06.2011 vor verschiedenen Computern und Monitoren in Hamburg (Archivfoto). Über Monate hinweg haben die Hacker von Anonymous und LulzSec für Schlagzeilen gesorgt. Nicht einmal staatliche Stellen waren vor ihren Angriffen sicher. Jetzt gingen US-Ermittlern führende Mitglieder ins Netz - anscheinend verraten von einem Mitstreiter. Foto: Jana Pape dpa (zu dpa 1528 am 06.03.2012) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Anonymous hat die Enttarnung von Online-Bankkonten gemeldet, auf denen insgesamt drei Millionen Dollar liegen sollen, die der IS für Terror nutzen könne. Und behauptet, die Konten gesperrt zu haben.  

Foto: Jana Pape/dpa

Ob diese Angaben nun stimmen, ist schwer zu sagen. Einerseits ist unstrittig, dass bei Anonymous hochqualifizierte Hacker am Werk sind. Andererseits ist die Gruppierung, die namen- und gesichtslos im Netz unterwegs ist, auch kaum zu kontrollieren. Wer sich eine der typischen Comic-Masken aufsetzt und ein Video dreht, kann vieles behaupten.

Splittergruppen von Anonymous

Zwar gibt es einige Kontakte zu Fachmedien, die die Gruppe pflegt. Dennoch ist schwer einzuschätzen, wer da gerade spricht, denn es gibt eine Reihe von Splittergruppen und konkurrierenden Hackern, die sich ebenso dem Anti-Terror-Kampf verschrieben haben. Darunter ist die Ghost Security Group, die von sich behauptet, heimlich Informationen über den IS zu sammeln. „Spionieren statt Enthüllen“ ist ihre Strategie. Anonymous dagegen zerstöre mit seinem Vorgehen nur Informationsquellen, heißt es bei der Gruppe.

Lahmlegen von Accounts umstritten

Viele Experten zweifeln ohnehin daran, dass es eine wirksame Strategie ist, Accounts zu sperren. Die intensive Nutzung des Messenger-Dienstes Telegram durch IS-Anhänger zeigt ja schon, dass die Terroristen in der Lage sind, Alternativen zu finden. Außerdem scheint die Zahl der Trittbrettfahrer bei Anonymous inzwischen so groß zu sein, dass die Gruppe selbst kaum noch mit Dementis hinterherkommt. Zuletzt musste sie bestreiten, dass sie vor konkreten Anschlagsplänen in den USA und Italien gewarnt habe.

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Von Werner Grosch
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