09.07.2015, 12:59 Uhr | 0 |

Cyberattacke unwahrscheinlich Systempannen in USA: Flugzeuge blieben am Boden, Börse lag lahm

Kann das Zufall sein? – Technische Probleme legten am Mittwoch die New Yorker Börse auf der Wall Street lahm, störten den Flugbetrieb der US-amerikanischen Fluggesellschaft United Airlines und sorgten dafür, dass die Homepage der renommierten Wirtschaftszeitung Wall Street Journal nicht erreichbar war. Trotz der merkwürdigen Gleichzeitigkeit der Ausfälle ist eine koordinierte Cyberattacke unwahrscheinlich.

Flugzeuge von United Airlines blieben am Boden
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Wegen Verbindungsprobleme im Computernetzwerk blieben am Mittwoch sämtliche Flugzeuge der US-amerikanischen Fluggesellschaft United Airlines für fast eineinhalb Stunden am Boden. 

Foto: United Airlines

Der Tag der großen Computerpannen in den USA begann bei der zweitgrößten Fluggesellschaft der Welt: Am Mittwochmorgen Ortszeit blieben sämtliche Flugzeuge der US-amerikanischen Fluggesellschaft United Airlines für fast eineinhalb Stunden am Boden. Es gebe Verbindungsprobleme im Computernetzwerk, entschuldigte sich die Airline offiziell bei ihren Fluggästen. 4900 Flüge weltweit seien von dem Netzwerkproblem betroffen. Noch bis zum Donnerstag werde der Flugbetrieb durcheinandergehen, mit Verspätungen und verpassten Anschlussflügen müsse gerechnet werden.

Später am Tag versicherte der Chef des US-Heimatschutzministeriums, Jen Johnson, der Öffentlichkeit, ein Hackerangriff „welcher Art auch immer“ stecke nicht hinter den technischen Problemen bei United Airlines. Auch gebe es keinerlei Verbindung zu den Computerproblemen, die am Mittag die New York Stock Exchange (NYSE), die größte Wertpapierbörse der Welt, lahmgelegt hatten.

NYSE: „Ursache ist kein Cybereinbruch“

Die Handelsplattform New Yorker Börse an der Wall Street setzte am Mittwoch um 11.32 Uhr Ortszeit den Handel aus. Und erst um 15.10 Uhr ging es weiter – knapp eine Stunde vor Börsenschluss. „Wir haben ein internes technisches Problem, und die Ursache ist kein Cybereinbruch“, twitterte NYSE am Mittag. Und etwas später: „Wir haben uns entschieden den Handel auszusetzen, um Problemen im Zusammenhang mit unserer technischen Sache vorzubeugen.“ Nähere Informationen gab es nicht.

epa04826700 Traders work on the floor of the New York Stock Exchange (NYSE) at the start of the trading day in New York, New York, USA, 01 July 2015. After steep selloffs on 30 June 2015 on global financial markets, stock prices were more stable on 01 July 2015, with small losses on some European indices and small gains on others and on Wall Street. EPA/ANDREW GOMBERT +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Wegen Computerproblemen setzte die Handelsplattform New Yorker Börse an der Wall Street am 8. Juli 2015 stundenlang den Handel aus. 

Foto: Andrew Gombert/dpa

Kurz hatte sich wohl auch das FBI eingeschaltet, dann aber wieder aus den Ermittlungen zurückgezogen. „Zu diesem Zeitpunkt nicht nötig“, informierte die Sicherheitsbehörde CNN. Die US-Börsenaufsicht SEC meldete, die Situation zu beobachten und eng mit der NYSE in Kontakt zu stehen. Der Dow Jones verlor 261 Punkte (rund 1,5 %). Dafür seien zwar vor allem der Absturz des Aktienmarkts in China und die andauernde Sorge um Griechenland schuld gewesen, hieß es beim US-amerikanischen Fernsehsender CNN, die Panne an der New Yorker Börse habe das Vertrauen der Investoren aber auch nicht gerade gestärkt.
Alle anderen Börsen – einschließlich der Nasdaq – waren nicht betroffen, dort ging der Handel wie gewöhnlich weiter.

Wahrscheinlich überlastete Server beim Wall Street Journal 

Computerprobleme gab es aber auch noch bei der renommierten Wirtschaftszeitung Wall Street Journal: Die Homepage war am Mittwoch zeitweise nicht erreichbar. WSJ.com sei in die Knie gegangen, weil die Server nicht schnell genug antworteten, erklärt CNN Money den Fall. „Sie waren vielleicht überlastet.“

A copy of the Wall Street Journal on sale in New York, New York on 31 July 2007. A bid by Rupert Murdoch's News Corp. has reportedly been accepted by the board of Dow Jones and Co., which owns the Wall Street Journal. EPA/JUSTIN LANE +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Die Print-Leser des Wall Street Journal waren gestern klar im Vorteil. Die Homepage der Wirtschaftszeitung war zeitweise nicht erreichbar. 

Foto: Justin Lane/dpa

Nach allem, was man bisher weiß, ist eine koordinierte Cyberattacke jedenfalls unwahrscheinlich. Darin sind sich auch mehrere von CNN befragten Computerexperten einig. Denn bei einem Hack werde üblicherweise eine einzige Schwachstelle ausgenutzt, um verschiedene Instanzen auf einmal anzugreifen. Die technischen Probleme seien in allen drei Fällen vom Mittwoch jedoch ganz unterschiedlicher Art gewesen – ein ziemlich eindeutiges Indiz dafür, dass es sich hier um Zufall und nicht um eine konzertierte Hackeraktion handelt.

Bei United Airlines hatten die Computer im Netzwerk ein Kommunikationsproblem. Ein defekter Router sei dafür verantwortlich gewesen, hieß es später. Ein „internes technisches Problem“ betraf bei der NYSE ausschließlich die Computer der Börse. Und beim Wall Street Journal waren wie es aussieht die Homepageserver überlastet. Ursache könnte hier tatsächlich eine so genannte „Denial of Service (DoS)“-Attacke sein, bei der Cyberkriminelle einen Server durch massenhafte Anfragen überfordern. So eine Art Angriff liefert aber keine Erklärung für die Probleme bei United Airlines oder der New Yorker Börse.

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Von Susanne Neumann
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