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15.06.2012, 11:55 Uhr | 0 |

Software Symantec besinnt sich auf IT-Sicherheit und Abonnements

Seit drei Jahren ist Enrique Salem CEO bei IT-Sicherheitslösungsanbieter Symantec. Während sein Vorgänger John Thompson die Vision eines auf Sicherheitsfunktionen basierten IT-Allround-Anbieters verfolgte, gibt es unter Salem eine Rückbesinnung auf frühere Stärken

Der viertgrößte Softwarekonzern der Welt, Symantec, verfolgt einen neuen Kurs. Hatten vor wenigen Jahren noch Datenspeicherverwaltung sowie Infrastruktur- und Systemmanagement hohe Prioritäten, so gibt es jetzt eine Rückbesinnung auf die Symantec-Wurzeln: die IT-Sicherheit.

So stellte das Unternehmen kürzlich Neues in den Bereichen Sicherheit für mobile Systeme vor. Allen voran das "Mobile Application Management", das ist die Technologie, die Symantec durch die Akquisition von Nukona erworben hat. Sie bietet den Symantec-Kunden eine App- und Daten-Schutzfunktion für alle im Business-Bereich benutzten mobilen Endgeräte.

Symantec bietet Neues im Bereich IT-Sicherheit für mobile Systeme

Weitere Neuheiten sind Lösungen gegen Datenverluste (Data Loss Prevention) für Tablets und iPhone, Certificate Intelligence Center (CIC) für SSL-Anwendungen auf dem iPad sowie "Code-Signing für Android", womit die App-Entwickler ihre Zertifikate besser managen können.

Symantec zielt damit auf den neuen Trend, bei dem die Mitarbeiter eines Unternehmens ihre eigenen Endgeräte auch für Firmenanwendungen nutzen können. "Bring your own device", heißt das im Englischen und die Abkürzung davon, BYOD, ist bereits ein neues Schlagwort geworden. "BYOD ist heute keine Frage mehr des ob, sondern nur noch des wann und wie – doch die damit verbundenen Sicherheitsrisiken sind erheblich", sagte Symantec-CEO Enrique Salem über diese neue Form der IT-Nutzung im Unternehmensumfeld.

Symantec stellt neue Backup-Lösungen vor

Parallel zu den neuen Sicherheitslösungen stellte Symantec auch Erweiterungen zu den Symantec NetBackup 5220 und Backup Exec 3600 vor. Laut Salem wird in Zukunft das Back-up-Geschäft überwiegend aus dem Verkauf von Hardware (Appliances) bestehen. "In den nächsten Jahren werden immer mehr Unternehmen von einer Back-up-Software auf eine Appliance wechseln", lautet seine Markteinschätzung. So wird der Marktanteil von universeller Back-up-Software – einst eine Symantec-Domäne – auf bis zu 20 % zurückgehen. Die anderen 80 % teilen sich Appliances und Cloud-basierte Lösungen.

Keine Neuheiten gab es dagegen zu den vielen Produkten, die Symantec einst über die Veritas-Akquisition erworben hat, wie Rechenzentrumsautomatisierung, Cloud-Management und virtuelle Datenspeicherlösungen. Der gesamte Bereich Infrastruktur-Management wird bei Symantec kontinuierlich zurückgefahren beziehungsweise auf die Sicherheitsaspekte reduziert. Dazu gehören auch die Produkte aus vielen Akquisitionen, wie die Desktop-Management-Lösung von Altiris.

"Wir sehen einen Rückgang beim Lizenzgeschäft, den wir durch eine Zunahme bei den Abonnement- und Content-basierten Angeboten ausgleichen", erläuterte Salem in einem Gespräch mit Analysten diese Strategieänderung.

Content und Abonnements bringen Symantec 5,8 Mrd. $

Symantecs Geschäft mit Content und Abonnements – in dem nahezu alle Sicherheitsprodukte enthalten sind – macht mit 5,8 Mrd. $ im letzten Geschäftsjahr bereits 87 % des Gesamtumsatzes aus. Wogegen die Lizenzerlöse – die im Wesentlichen auf die Veritas-Produkte zurückgehen – auf eher magere 907 Mio. $ gefallen sind. Das waren rund 40 Mio. $ weniger als im Jahr zuvor und nur noch 13 % des Unternehmensumsatzes. Zum Vergleich: Als Symantec im Jahr 2006 erstmalig einen mit Veritas konsolidierten Jahresabschluss vorlegte, betrugen der Lizenzerlöse stolze 1,3 Mrd. $ – rund ein Viertel des Gesamtumsatzes.

Es scheint, dass sich im Nachhinein betrachtet die Vision, die zur Fusion von Symantec und Veritas geführt hat, ein Fehler war. Von Anfang an hatte Symantecs damaliger Präsident und CEO John Thompson die Veritas-Akquisition zu rechtfertigen, denn Analysten und Wall Street sahen darin keinen Synergie-effekt. "Banker haben nur ihre eigenen Interessen im Auge, sie verstehen nicht, wie das IT-Geschäft funktioniert", sagte er damals in einem Gespräch mit den VDI nachrichten.

Doch Thompson schied vor drei Jahren als CEO aus und wechselte in den Verwaltungsrat. Sein Nachfolger Salem verfolgte von Anfang eine mehr auf die IT-Sicherheit ausgerichtete Strategie. Am deutlichsten wurde dieses an der Akquisition von Verisigns Authentifizierungs- und Identitätsmanagement im Frühjahr 2010. Folglich begann danach der Exodus von den Verfechtern einer mehr auf IT-Automation ausgerichteten Strategie. So verließ der damalige CTO Mark Bregman das Unternehmen. Bregman kam von Veritas zu Symantec und sah die Unternehmenszukunft vor allem in den Bereichen Desktop-Virtualisierung und Infrastruktur-Management. Auch Thompson, einer seiner Befürworter und Promoter, gab Anfang 2011 seinen Posten im Verwaltungsrat auf.

Thompson ist jetzt übrigens im Verwaltungsrat von Microsoft. Ein Unternehmen, das er einst wegen Copyrightverletzungen im Bereich von Windows Vista verklagt hatte.

Von Harald Weiss | Präsentiert von VDI Logo
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