23.10.2013, 12:43 Uhr | 0 |

Für freies Internet Neue Google-Tools sollen Menschenrechtler vor staatlicher Sabotage schützen

In China, Nordkorea, im Iran, Syrien und anderen Ländern werden Websites von Menschenrechtsorganisationen vom Regime kurzerhand lahmgelegt. Google möchte das verhindern. Und gibt den Betroffenen neue Werkzeuge an die Hand, mit denen sie sich wehren können.

Demonstration für die Freilassung iranischer Dissidenten in London
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Demonstration Anfang Oktober für die Freilassung iranischer Dissidenten in London: Google hat jetzt eine Software vorgestellt, mit der sich Dissidenten besser gegen die Beschränkungen autoritärer Regime im Internet wehren können.

Foto: dpa/Facundo Arrizabalaga

Freies Surfen im Internet ist längst nicht für alle Menschen selbstverständlich. Und das ist für Google ein untragbarerer Zustand. Deswegen hat der Konzern am gestrigen Dienstag auf dem Ideas Summit in New York neue Internet-Werkzeuge vorgestellt, mit denen betroffene Webmaster ihre Internetsicherheit erhöhen können. In der derzeitigen Beta-Phase des Projektes können sie sich bei Google um einen Testzugang bewerben.

Tool Project Shield soll Websites vor DDos-Angriffen schützen

Will ein Regime eine missliebige Website vom Netz nehmen, greifen IT-Experten meist auf sogenannte DDos-Attacken zurück. Dabei bombardieren sie die Homepage mit einer Vielzahl fehlerhafter IP-Pakete, so dass diese ihren Dienst kurzerhand wegen Überlastung einstellen muss. Das neue Google-Tool Project Shield soll vor diesen Angriffen schützen. Wie das technisch funktioniert, darüber hüllt sich der Konzern bislang in Schweigen. In einem Bericht von heise.de heißt es lediglich, dass DDos-Mitigation-Technik und der PageSpeed-Dienst involviert sind. Mit Letzterem können Webmaster die Ladezeit ihrer Internetpräsenz untersuchen und optimieren.

Iranische Regimekritiker können Zugang von amerikanischen Freunden nutzen

Im Kampf gegen die Einschränkung des freien Internets präsentierte Google gestern eine weitere Waffe: die Browsererweiterung uProxy. Sie soll die Internetnutzer vor Überwachungsaktivitäten schützen. „Schauen Sie sich die heutigen Proxy-Tools an: Sobald Regimekritiker sie nutzen, findet es die Regierung heraus und infiltriert oder blockiert sie“, erklärt der 31-jährige Jared Cohen, Direktor von Google Ideas, in einem Bericht der New York Times.

Doch die meisten Regimekritiker haben Freunde im Ausland, denen sie vertrauen. Was also, wenn diese Freunde ihren eigenen Internetzugang zur Verfügung stellen könnten? Genau das macht uProxy möglich. User aus den USA können beispielsweise eine verschlüsselte Verbindung zu Freunden im Iran herstellen und diesen die eigene Internetverbindung nutzen lassen. „Für das Regime besteht keine Möglichkeit, das herauszubekommen“, verspricht Cohen.

Digital Attack Map informiert live über DDos-Attacken

Bei der Digital Attack Map, einem weiteren Tool aus der Schmiede von Google Ideas, handelt es sich um eine interaktive Weltkarte, auf der Google live über die Dauer und Intensität aktueller DDos-Attacken informiert. Die Daten stammen aus einer Zusammenarbeit mit dem Softwareunternehmen Arbor Networks. „Google hat einen hervorragenden Job gemacht und die globalen DDos-Angriffs-Daten zum Leben erweckt“, erklärt Colin Doherty, Präsident bei Arbor Networks. „Ziel der Kollaboration ist es, zu zeigen, dass es sich bei DDos um eine globale Bedrohung handelt, welche die Meinungsfreiheit und freien Zugang zu Informationen einschränkt.“ 

Zahl der DDos-Angriffe steigt im zweiten Quartal 2013 um 350 Prozent

Arbor Networks hat bereits vor einiger Zeit die Initiative Atlas ins Leben gerufen, bei der mittlerweile über 230 Service-Provider aus aller Welt anonymisierte Informationen über ihren Internetdatenverkehr preisgeben. IT-Experten können diese Daten so aufarbeiten, dass sich Erkenntnisse über DDos, Malware, Botnets, Schadprogramme und Phishing-Attacken ableiten lassen. Hier bietet die globale Entwicklung Grund zur Besorgnis. Denn großvolumige Angriffe sind im Jahr 2013 um 350 Prozent gestiegen, verrät eine aktuelle Statistik des Netzwerkspezialisten.

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Von Patrick Schroeder
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