07.10.2013, 07:29 Uhr | 0 |

Cyber-Krieg London ist bereit zum Angriff

Der britische Verteidigungsminister Philip Hammond hat jetzt erklärt, das Land sei dabei, „ein volles Spektrum militärischer Cyber-Kapazität“  aufzubauen – also auch für einschlägige Angriffe. Bisher wurde immer wieder spekuliert, dass eine ganze Reihe von Nationen ein Cyber-Angriffspotenzial entwicklen. Kein Land hat das bisher aber jemals offen zugegeben. 

Siemens Simatic S7
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Siemens Simatic S7: Der 2010 entdeckte Computerwurm Stuxnet wurde speziell für das SCADA-System der Firma Siemens zur Überwachung und Steuerung technischer Prozesse entwickelt. 

Foto: Wikipedia

Wie Hammond weiter erläuterte, ist das britische Verteidigungsministerium im Begriff, die bislang entwickelte Cyber-Angriffstechnik zu einer neuen, zusätzlichen selbständigen Waffengattung zu machen. Als ein wichtiger Schritt auf diesem Wege sollen mehrere hundert IT-Experten als Reserveoffiziere gewonnen und in die Streitkräfte als besondere Einheit integriert werden. Dabei betonte der Verteidigungsminister,  „Cyber Operations“ solle den konventionellen Waffengattungen Armee, Marine, Flug/Raumfahrt gleichgestellt werden

Cyber-Abwehr allein reicht heutzutage nicht mehr

Wie die Vereinigten Staaten, Russland, China und Israel arbeiten auch die britischen Streitkräfte seit längerem an immer neuen, höher entwickelten Versionen einer Abwehr von Cyber-Angriffen. Wie der Verteidigungsminister allerdings betonte, reicht das inzwischen nicht mehr. Das Land benötige neben der Abwehr von Cyber-Angriffen auch die Möglichkeit, schnell und hart offensiv Cyber-Angriffe auszuführen. Verbunden ist damit die Ankündigung, für die neue Art der Cyber-Kriegführung auch die erforderlichen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen.

Bisher ist weltweit nur ein großer Cyber-Angriff bekannt geworden

Bislang hat es in Gestalt des sogenannten Stuxnet Wurms nur einen großen, bekannt gewordenen Cyber-Angriff gegeben. Dieser Fall liegt inzwischen schon mehrere Jahre zurück. Damals handelte es sich um einen amerikanischen Cyber-Angriff mit dem Ziel, das iranische Nuklear-Programm schwer zu stören. Dem Iran wird seit langem vorgeworfen, an der Entwicklung von Nuklearwaffen zu arbeiten – eine Unterstellung, die die Führung in Teheran gerade in jüngster Zeit wiederholt von sich gewiesen hat. Ganz abgesehen davon, ob der Iran nun Nuklearwaffen entwickelt oder nicht – der Computerwurm Stuxnet hat 2010 ganz erheblichen Schaden im Iran angerichtet und das Nuklearprogramm des Landes für längere Zeit drastisch verzögert.

Britische Ankündigung stößt im eigenen Land auf herbe Kritik

Die britische Ankündigung einer eigenen Cyber-Waffengattung ist in Großbritannien selbst auf einige, teilweise herbe Kritik gestoßen. Sowohl das Außenministerium in London wie auch der militärische Nachrichtendienst GCHQ sind anscheinend zuvor über diese Veröffentlichung nicht informiert gewesen. Seitens einiger Think-Tanks wird betont, diese Ankündigung des Verteidigungsministers werde es wesentlich erschweren, Staaten wie Russland oder China wegen deren Cyber-Vorgehen zu kritisieren. Damit trage die britische Ankündigung hauptsächlich zu einer weiteren Verunsicherung bei. Das renommierte King’s College in argumentiert: „Derartige Ankündigungen sind meist konterproduktiv. Statt die Sicherheit zu erhöhen reduzieren sie die Sicherheit für alle.“

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Von Peter Odrich
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