14.01.2015, 11:37 Uhr | 0 |

TWITTERKANAL GEHACKT IS-Anhänger kapern Webauftritte des US-Militärs

Offenbar Sympathisanten der Terrormiliz IS haben zeitweise die Twitter- und Youtube-Accounts des US-Zentralkommandos der Streitkräfte übernommen und angeblich vertrauliche Dokumente ins Netz gestellt. Doch der Angriff soll harmloser sein als behauptet. 

Gehackter Youtube-Account des amerikanischen Streitkräftekommandos
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„Wir sind hier“: IS-Sympathisanten übernahmen zeitweise den Twitter- und Youtube-Account des US-Zentralkommandos für den Irak und Syrien.

Foto: Central Command/dpa

„Der IS ist schon hier, wir sind in Euren Computern“ behaupteten die Hacker, die zeitweise die Kontrolle über Social-Media-Kanäle des US-Zentralkommandos übernommen hatten. Sie stellten ein Banner mit dem Slogan „I love you ISIS“ auf die Twitter-Seite und posteten zwei eigene Videos bei Youtube. Nach wenigen Stunden war der Spuk schon wieder vorbei – aber war es nur ein Spuk?

Zumindest ein erfolgreicher Propaganda-Schachzug. Denn die Hacker erweckten tatsächlich den Eindruck, als könnten sie in Systeme des US-Militärs eindringen und hätten Zugang zu internen Dokumenten. Das Zentralkommando, kurz „CentCom“, koordiniert die Einsätze gegen den IS im Irak und in Syrien.

Dokumente waren bereits frei zugänglich

Experten gehen davon aus, dass die Angreifer durch Phishing an die Zugangsdaten zu den Twitter- und Youtube-Konten gelangt sind. Über geschickt getarnte, vertrauenswürdig erscheinende Anfragen an Nutzer könnten sie die Passwörter erlangt haben.

Das Verteidigungsministerium in Washington stuft die Attacke als bloßen „Cybervandalismus“ ein. Niemand sei in die militärischen Netzwerke eingedrungen, lediglich die kommerziellen Anbieter seien gehackt worden. „Es hat keine Auswirkung auf das Zentralkommando gegeben“, heißt es auf der Webseite von CentCom.

Auch seien unter den angeblichen Geheimdokumenten keine, die als wirklich vertraulich eingestuft würden – vielmehr seien die meisten davon ohnehin im Netz frei zugänglich. Eine Liste mit Namen und Telefonnummern von Bediensteten des CentCom wird als veraltet bezeichnet.

Kein neuen Sicherheitsmaßnahmen geplant

Die Kontodaten in sozialen Netzwerken und in Clouds sind vergleichsweise leicht zu beschaffen, weil der Schutz nicht sehr hoch ist. Das mussten im vergangenen Jahr schon Hollywoodstars erleben, aus deren Accounts beim Apple-Dienst iCloud teils sehr private Fotos gestohlen und veröffentlicht wurden.

Dennoch: Ein vermummter Dschihadist, der unter dem Titel „U.S. Central Command“ erscheint, ist für das US-Militär äußerst peinlich. Das Zentralkommando kündigte an, alle Betroffenen sofort über die mögliche Veröffentlichung persönlicher Informationen zu unterrichten. Von zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen, um derartige Attacken künftig zu verhindern, ist bislang nicht die Rede.

Dabei verschaffen sich Terroristen und politische Aktivisten immer häufiger öffentliche Wirkung durch Cyber-Angriffe. Erst vor einer Woche hatte eine pro-russische Gruppe aus der Ukraine die Webseiten des Bundestages und der Bundeskanzlerin gezielt lahm gelegt. 

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Von Werner Grosch
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