20.11.2014, 09:16 Uhr | 0 |

Ausfall von Bankautomaten Finanzwelt: London und New York fürchten schwere Cyber-Attacken

Die beiden größten Finanzzentren der Welt, New York und London, eint derzeit die Furcht vor schwerwiegenden Cyber-Attacken, die den Bank- und Börsenbetrieb sowie den Zahlungsverkehr schlagartig unmöglich machen könnten. Die Furcht ist so groß, dass die Polizeibehörden beider Zentren unter anderem die dauerhafte Stationierung von Personal auf der jeweils anderen Seite des Atlantiks vorbereiten. 

Internetkriminalität
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Sehr schwere Cyber-Anschläge auf die großen Finanzmärkte, die sich auf die Bevölkerung ganzer Länder auswirken, scheinen immer näher zu rücken. So sieht es jedenfalls die Polizei sowohl in New York wie in London. 

Foto: Oliver Berg/dpa

Der Chef der Polizei in der Londoner City, Commissioner Adrian Leppard, nennt als gefährlichsten Gegner die Organisation Islamischer Staat ISIS. Er hält sie für so gefährlich, dass er mahnt, die westliche Welt müsse die Vorteile des schnellen technischen Fortschritts den “riesigen Gefahren” gegenüberstellen, die von einem Angriff auf ihre Systeme ausginge.

Größte Sorge bereitet ISIS

Dabei verweist Leppard darauf, dass Cyber-Angriffe auf alle großen Börsen der Welt technisch schon erfolgreich waren. Unter den großen Banken nennt er JPMorgan Chase aus den Vereinigten Staaten und Barclays und Santander aus Großbritannien, die bereits stark unter Cyber-Attacken gelitten haben. Im Fall von JPMorgan Chase waren davon 76 Millionen Haushalte in den gesamten Vereinigten Staaten betroffen.

Ausfall von Bankautomaten und Telefonnetzen drohen

Befürchtet werden heftige Netz-Übergriffe, die gleichzeitig den Zahlungsverkehr der Banken untereinander und mit den Kunden – etwa über die Bankautomaten – stilllegen und daneben auch die Telefonnetze zusammenbrechen lassen. Und all das könnte im schlimmsten Fall gleichzeitig in New York und London passieren.

ARCHIV - ILLUSTRATION - Ein Bankkunde hebt am 08.11.2011 in Hamburg mit seiner Girokarte Bargeld von einem Geldautomaten ab. Foto: Angelika Warmuth/dpa (zu dpa «EZB: Betrug mit Kreditkarten nimmt dank besserer Technik weiter ab» vom 16.07.2013) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Durch eine Cyber-Attacke auf die Rechenzentren der Banken könnte es auch zu einem Ausfall der Geldautomaten kommen.

Foto: Angelika Warmuth/dpa

In New York charakterisierte Benjamin Lawsky, der das New Yorker Department of Financial Services leitet, ein solches Ereignis als “Armageddon”. Da die Behörden in beiden Finanzzentren auf einen schnellstmöglichen Informationsaustausch angewiesen sind, werden vom Beginn des neuen Jahres an ständig amerikanische Fachleute in London und britische Experten in New York bei den jeweils anderen Behörden tätig werden.

Londons Polizei bereitet engen Informationsaustausch mit Banken vor

Adrian Leppard lässt allerdings keinen Zweifel, dass dieser Informationsaustausch mit den Finanzinstituten schwierig zu organisieren sein wird. Er geht davon aus, dass zumindest einige der Banken zunächst auf jeden Fall mauern werden. Deshalb wird derzeit in London zwischen Polizei und Regierung darüber gesprochen, welche Druckmethoden angewandt werden könnten, um die Banken im regelmäßigen Informationsaustausch zum Mitmachen zu bewegen.

Neues Strafgesetz angedacht

Schärfste Waffe wäre dabei eine gesetzliche Lösung, bei der der Verstoß gegen Maßnahmen zur Abwehr von Cyber-Attacken genauso wie Geldwäsche und Betrug bestraft würden. Mit Erfolg ist eine solche Lösung in Großbritannien bereits zur Bekämpfung der Korruption eingeführt worden.

In den Vereinigten Staaten ist es schon heute äußerst aufwändig, sich gegen Vorwürfe verteidigen zu müssen, wenn es um unterlassene Maßnahmen zur Bekämpfung von Cyber-Attacken geht. Im schlimmsten Fall kann ein solches Unterlassen dort als “Financial Crime”, also als Finanzverbrechen bestraft werden. Leopard ist in seinen Formulierungen sehr deutlich: “Wenn (durch Terrorismus) der Welthandel von einer Minute zur anderen stoppte, dann würde das einen enormen Einfluss sowohl auf die westliche Gesellschaft wie die gesamte Welt haben."

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Von Peter Odrich
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