11.03.2014, 12:30 Uhr | 0 |

Technologie-Festival „South by Southwest“ Edward Snowden ruft IT-Szene zur Gegenwehr gegen NSA & Co. auf

„Wehrt Euch!“: Mit dieser Botschaft wandte sich Whistleblower Edward Snowden jetzt an die Öffentlichkeit. Beim Technologie-Festival „South by Southwest“ in Austin (Texas) verfolgten zunächst Tausende Zuschauer ein Videogespräch, das der aus Russland zugeschaltete Ex-NSA-Mitarbeiter mit seinem Anwalt Ben Wizner und dem Bürgerrechtler Chris Soghoian führte. 

Protest gegen Abhörmaßnahmen und Überwachung durch die NSA
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Auf dem Technologie-Festival "South by Southwest“ in Austin (Texas) meldete sich Edward Snowden persönlich per Video von einem unbekannten Ort in Russland zu Wort. Er appellierte an die IT-Experten, auf die Internet-Überwachung von Geheimdiensten mit besseren Verschlüsselungstechnologien zu reagieren. Getroffene Sicherheitsmaßnahmen zur Live-Schaltung – die Videokonferenz wurde über sieben in der ganzen Welt verteilte Proxy-Server zum Technologie-Festival geleitet – hatten Bild- und Tonstörungen zur Folge.

Foto: dpa/Peter Steffen

Ein ruckelndes Bild und ein streckenweise schwer verständlicher Ton kennzeichneten die Podiumsdiskussion in Form einer Videokonferenz, die aus Sicherheitsgründen über sieben in der ganzen Welt verteilte Proxy-Server zum Technologie-Festival geleitet wurde.

Der Ex-NSA-Mitarbeiter wirkte ruhig und sicher. Seine beiden Diskussionspartner Ben Wizner und Chris Soghoian, die das Event eigentlich moderieren sollten, waren die meiste Zeit damit beschäftigt, das Publikum für die Nutzung von Sicherheitsmaßnahmen im Umgang mit dem Internet zu sensibilisieren.

Als Hintergrund zum Videostream Edward Snowdens diente ein Faksimile der Verfassung der USA mit der Kopfzeile: „We the people“ (Wir das Volk).

Zustimmung beim Publikum

Die Zuschauer in Austin waren Snowden freundlich gesonnen. Immer wieder  gab es nach Medienberichten heftigen Applaus, teilweise sogar stehende Ovationen – aber kaum kritische Fragen aus dem Publikum. Der Whistleblower sagte, er habe die Konferenz in Austin für sein erstes Live-Interview vor amerikanischem Publikum gewählt, weil die Antworten auf die Enthüllungen über Geheimdienstaktivitäten nicht ausschließlich von Politikern gegeben werden sollten, sondern auch von der Technolog-Community: „Wir haben ein feindliches Internet bekommen. Etwas, was wir nie wollten. Und dagegen müssen wir uns wehren“, zitiert ihn die Nachrichtenagentur dpa.

Tim Berners-Lee, der als Erfinder des World Wide Webs oder gar als „Vater des Internet“ gilt und am Technologie-Festival teilnahm, ließ die Community wissen, mit seinem Handeln habe Snowden der Öffentlichkeit einen großen Dienst erwiesen. Und dafür erntete er frenetischen Applaus.

Datensammelwut mit Verschlüsselungstechnik begegnen

Der immer noch in Russland festsitzende Snowden beklagte vor allem, die Regierung der USA habe bisher wenig oder gar nichts dazu unternommen, die Datensammelwut der NSA einzuschränken. Er sagte, die Geheimdienste hätten die Zukunft des Internets in Brand gesteckt, und jetzt sei es Sache der Menschen, die ein freies Internet nutzen wollen, diesen Brand wieder zu löschen.

Das Internet sei relativ einfach sicherer zu machen, woran die Geheimdienste natürlich nicht das geringste Interesse hätten, erklärte Snowden. Obwohl die Totalüberwachung laut Snowden sogar kontraproduktiv ist. Denn die amerikanische NSA habe in der Vergangenheit sehr viele falsche Schlüsse gezogen, und die massive Auswertung von Telefon-, Web- und E-Mail-Daten habe nichts daran geändert – im Gegenteil.

Wegen der massenweisen anlasslosen Ausspähung im Internet habe der Geheimdienst wichtige andere Arbeitsfelder massiv vernachlässigt. Als Beispiel dafür nannte Snowden den Anschlag auf den Boston-Marathon. Snowden forderte die Einrichtung einer unabhängigen Kontrolle. Die Regierung und die Parlamentarierer der Vereinigten Staaten müssten hier endlich Transparenz herstellen. Als Bürger habe man zwar eine rechtliche Handhabe gegen die Daten sammelnden Internetkonzerne, gegenüber der Regierung bestehe dieses Recht aber nicht.

„Wir brauchen euch, um das in Ordnung zu bringen“, wandte sich Snowden an das Publikum. Die in Austin versammelten Programmierer und IT-Experten könnten dabei helfen, die Privatsphäre der Internetnutzer durch neue und bessere Verschlüsselungstechnologien bei E-Mail und Internet-Suchmaschinen zu schützen. Sie müssten jetzt agieren wie Feuerwehrleute. 

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Von Klaus Ahrens
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