12.03.2015, 13:55 Uhr | 0 |

Neue Enthüllungen CIA will Apple-Geräte hacken und SAP versorgt US-Geheimdienste mit Datenverarbeitungssoftware

Die Machenschaften amerikanischer Geheimdienste und ihre Kooperationen sorgen erneut für Schlagzeilen. So will die CIA seit Jahren von Forschern gezielt wissen, wie Apple-Geräte zu hacken sind. Und der deutsche IT-Konzern SAP versorgt US-Geheimdienste mit einer Datenbanktechnologie, die die blitzschnelle Auswertung massenhaft gesammelter Daten erlaubt.

IT-Sicherheit
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Amerikanische Geheimdienste strecken ihre Fühler überall hin aus, um an Daten zu gelangen: Von Experten wollen sie wissen, wie sich Apple-Geräte hacken lassen und auch SAP-Software wollen sie für ihre Zwecke nutzen.  

Foto: Oliver Berg/dpa

Im Dienste der US-Regierung informieren Forscher den amerikanischen Auslandsgeheimdienst CIA regelmäßig über ihre Möglichkeiten, die iPhones und iPads von Millionen Nutzern zu hacken. Das berichtet die amerikanische Enthüllungs-Website The Intercept unter Berufung auf geheime Dokumente. Die CIA finanziere ein geheimes, jährliches Treffen namens Jamboree, auf dem Sicherheitsforscher über ihre neuesten Methoden und Vorschläge referierten, die Sicherheitssysteme von elektronischen Geräten auszuhebeln. Auch die NSA soll an diesen Treffen teilgenommen haben.

Angriff auf die Verschlüsselung

Aus den geheimen Dokumenten gehe hervor, dass in den vergangenen Jahren verschiedene Angriffsmethoden vorgestellt worden seien, die speziell auf die Datenverschlüsselung von Apple-Geräten zielten. So hätten die Forscher zum Beispiel einen manipulierten OS-X-Updater vorgestellt, mit dem sich ein so genannter Keylogger auf Mac-Computer einschleusen ließe, der unter anderem die Tastatureingaben des Computernutzers mitschneidet.

ARCHIV - Ein Quellcode wird am 23.08.2012 in Berlin auf einem Bildschirm angezeigt. Foto: Sebastian Kahnert/dpa (zu dpa «Zugang über Umwege - Hacker nutzen Zulieferer als Einfallstor» vom 09.12.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Die CIA soll ein geheimes, jährliches Treffen namens Jamboree finanzieren, auf dem Sicherheitsforscher über ihre neuesten Methoden und Vorschläge referierten, die Sicherheitssysteme von elektronischen Geräten auszuhebeln. Auch die NSA soll an diesen Treffen teilgenommen haben. 

Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Ein anderer Vortrag soll sich der Frage gewidmet haben, wie man das iPhone 3GS angreifen könnte. Und im Jahr 2012 sei eine modifizierte Version der Entwicklungsumgebung Xcode vorgestellt worden, mit der sich manipulierte Apps für die Betriebssysteme Mac OS X und iOS entwickeln ließen. Solche manipulierten Apps könnten das Mobilgerät des Nutzers ausspionieren. Ob und inwieweit die vorgestellten Methoden auch angewendet wurden und werden, geht aus dem Bericht von The Intercept nicht hervor.

CIA und NSA auch Großkunde von SAP

Dass amerikanische Geheimdienste ausspionierte Daten gezielt auswerten und blitzschnell nutzen können, dafür sorgt offenbar auch SAP. Recherchen des ARD-Magazins FAKT zufolge sind amerikanische Geheimdienste Großkunden des deutschen IT-Konzerns. Durch gezielte Übernahmen von und Verträgen mit amerikanischen Entwicklern und Dienstleistern auf dem Gebiet der Datenbanktechnologie sei SAP an die Kundschaft gekommen, die an der Lesbarkeit und effizienten Auswertung massenhaft gesammelter Daten das größte Interesse hat.

Überwachungslösung aus einer Hand

Laut FAKT übernahm SAP im Jahr 2010 den Suchtechnikentwickler Inxight und den Datenbankhersteller Sybase. Hinzu kamen Verträge mit den Dienstleistern Palantir und Attensity, die sogar von der CIA mit aufgebaut worden seien. So aufgestellt habe SAP die amerikanische Tochterfirma SAP National Security Services (NS2) gegründet, die den amerikanischen Geheimdiensten eine Überwachungslösung aus einer Hand anbieten könne.

Vor allem SAPs Datenbanktechnologie Hana mache das Unternehmen für die Spionage-Dienste NSA und CIA interessant, schreibt Christian Bergmann, Autor des FAKT-Berichts, zusammen mit Christian Fuchs bei ZEIT ONLINE. Auch der deutsche Auslandsgeheimdienst BND wolle die Hana-Software kaufen, um große Datenmengen in Echtzeit auswerten zu können.

Kostenlose Werbung

Auf Anfrage der WirtschaftsWoche leugnete SAP nicht, die US-Geheimdienste als Kunden zu haben, spielte die geschäftlichen Beziehungen jedoch herunter. „Was unsere Kunden genau mit der SAP-Software anstellen – ob sie etwa Datenanalysen für militärische Zwecke oder zum Spionieren durchführen – obliegt nicht unserer Kontrolle“, habe ein SAP-Sprecher gesagt.

„Genauso gut könnte man auch hervorheben, dass der Bundesnachrichtendienst Kunde von Oracle ist.“ Offenbar habe man sich bei SAP sogar über die kostenlose Werbung gefreut: Im FAKT-Beitrag war SAP als „Europas größter IT-Konzern“ bezeichnet worden, dessen Datenbanktechnologie Hana „die derzeit wohl schnellste Datenverarbeitung“ ermögliche.

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Von Susanne Neumann
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