18.11.2013, 10:14 Uhr | 0 |

Programm „Royal Concierge“ Britischer Geheimdienst überwacht Diplomatenhotels

Wann checken Diplomaten ein und wieder aus, welche Nummer hat ihr Zimmertelefon, welche IP-Adresse ihr Computeranschluss? Der britische Geheimdienst GCHQ soll die Reservierungssysteme von mehreren Hundert Hotels in der ganzen Welt überwachen. Auf Basis der so gewonnenen Informationen wird dann entweder mit technischen Mitteln abgehört oder sogar der Einsatz von Agenten geplant.

Symbolbild Computerspionage
Á

Der britische Geheimdienst GCHQ überwacht Hotels, in denen häufig Diplomaten absteigen und späht dort unter anderem in den Zimmern benutzte Computer aus. 

Foto: dpa/Klaus Ohlenschläger

Der britische Geheimdienst GCHQ überwacht einem Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel zufolge gezielt die Reservierungssysteme von weltweit mehr als 350 Hotels, die häufiger von Diplomaten und Regierungsdelegationen gebucht werden.

Spähprogramm läuft seit drei Jahren

Das als streng geheim eingestufte Programm läuft unter dem schon spöttisch zu nennenden Decknamen "Royal Concierge" (Königlicher Portier). Es informiert die Analysten des GCHQ immer tagesaktuell über die Hotelreservierungen und damit letztlich über die Reisepläne der für sie interessanten Diplomaten und Delegationen. Diese Informationen nutzt der Geheimdienst dann, um Vertreter anderer Staaten bei Übernachtungen leichter auszuspähen zu können.

Royal Concierge wird schon seit drei Jahren eingesetzt. Es gleicht die Buchungen der überwachten Hotels automatisiert mit Emailadressen ab und durchsucht sie gezielt nach bekannten Regierungsadressen, beispielsweise mit den Endungen „gov.xx“. Durch die Vorabinformation über die Hotelaufenthalte sind die „technischen Abteilungen“ des britischen Dienstes in der Lage, entsprechende Vorbereitungen zu treffen. Dazu gehören nach den Unterlagen des NSA-Whistleblowers Edward Snowden sowohl das Abschöpfen des Zimmertelefons als auch der dort benutzten Computer.

Gegebenenfalls folgt Einsatz von Agenten

Je nach den Ergebnissen von Royal Concierge könnten auch sogenannte „Humint“-Operationen folgen, heißt es in den Dokumenten. Die Abkürzung steht im Slang der Schlapphüte für „Human Intelligence“, also den Einsatz menschlicher Spione.

Konkrete Fallzahlen geben die Unterlagen nicht her. Allerdings soll der Geheimdienst bereits an einer Weiterentwicklung des Systems arbeiten. Die für Effekte und Täuschung zuständigen Abteilungen denken beispielsweise darüber nach, ob man die Hotelwahl beeinflussen oder die Reservierungen stornieren könne, heißt es in dem Bericht. Außerdem könne das Programm zusätzlich auf Autovermieter ausgeweitet werden.

Grenzenlose Spionage

Der aktuelle Bericht des Spiegel steht in einer Reihe mit zahlreichen Informationen über mutmaßliche Überwachungs- und Abhöraktionen der Geheimdienste von Partnerstaaten, etwa der US-amerikanischen NSA, die bisherigen Informationen nach sogar das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel überwachte.

Zuletzt war bekannt geworden, dass der GCHQ über Klone von Seiten des LinkedIn-Businessnetzwerks versuchte hatte, den belgischen Provider Belgacom anzugreifen. Darüber hinaus hatte der britische Premierminister David Cameron Medien wie dem Guardian gedroht, er werde sie vor Gericht bringen, wenn sie die Ratschläge der Regierung in diesen Fragen nicht befolgten.

Der GCHQ wollte den neuesten Vorgang auf Anfrage des Spiegel weder bestätigen noch dementieren. Bei ihrem Zwangsauftritt vor einer Woche im Parlament in London, der sogar im Fernsehen übertragen wurde, beteuerten die Chefs der drei Geheimdienste Großbritanniens immer noch, das einzige Ziel der Dienste sei die Bekämpfung des Terrorismus.

Anzeige
Von Klaus Ahrens
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden