17.02.2014, 14:00 Uhr | 0 |

13 Stunden Videolaufzeit iPad Air gewinnt umstrittenen Akkuvergleichstest

Beim Akkutest der britischen Verbraucherorganisation Which? hat das iPad Air die Konkurrenz hinter sich gelassen. Es hielt beim Abspielen von Videos fast 13 Stunden durch. Kritiker bemängeln intransparente Versuchsbedingungen und zweifelhafte Schlussfolgerungen.  

iPad Air gewinnt Akkuvergleichstest von Which?
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Das iPad Air hielt beim Surfen im Internet 658 Minuten durch, beim Abspielen von Videos fast 13 Stunden. Das Google Nexus 7 machte beim Surfen hingegen nach sieben Stunden schlapp, beim Videotest nach knapp acht Stunden.

Foto: dpa/Facundo Arrizabalaga

Die britische Verbraucherorganisation Which? hat in einem Test-Labor die Akkulaufzeit aktueller Tablet-PCs mit Apples iOS und Android verglichen. Die Mobilgeräte mussten beim Internetsurfen und beim Abspielen von Videos zeigen, wie lange sie durchhalten, bis der Akku leer ist. Microsofts Surcafe-Geräte blieben außen vor.

In beiden Disziplinen konnte sich Apples aktuelles Spitzenmodell iPad Air durchsetzen. Beim Surfen hielt es 658 Minuten durch, also fast elf Stunden. Beim Abspielen von Videos arbeitete das Apple-Tablet fast 13 Stunden.

Google Nexus 7 macht nach sieben Stunden Surfen schlapp

Im Vergleich machte das Google Nexus 7 beim Surfen nach sieben Stunden schlapp und auch Samsungs Galaxy Note 10.1 hielt beim Abspielen von Videos nur knapp acht Stunden durch.

Wer einen kompakten Tablet-PC hauptsächlich zum Internetsurfen sucht, dem legt Which? nahe, sich auch das iPad mini mit Retina-Display näher ansehen: Es hielt im Test gute zehn Stunden durch. Ungefähr genauso lang war die Akkulaufzeit bei Videos.

Das Amazon Kindle Fire HDX 8.9 hat anscheinend ein WLAN-Modul, das ordentlich am Akku saugt: Während Amazons Spitzenmodell beim Abspielen von Videos knapp zwölf Stunden lief, machte das Gerät beim Internetsurfen schon nach acht Stunden schlapp.

Which? geht kaum auf Versuchsbedingungen ein 

Nicht erst seit dem gerade in Deutschland tobenden ADAC-Skandal mit manipulierten Tests sind solche Vergleiche immer mit Vorsicht zu genießen. Es ist nämlich keine einfache Angelegenheit, einen fairen Vergleich so hochkomplexer Geräte zu machen, und auf die Testbedingungen geht Which? leider nur sehr oberflächlich ein. Angeblich ist die Helligkeit der Geräte durchgehend auf eine Leuchtdichte von 200 nits (cd/m²) eingestellt worden, also relativ dunkel.

Und das ist kaum nachvollziehbar, weil die Gesamthelligkeit eines Bildschirms von der Helligkeitsverteilung im Bildinhalt abhängig ist. Man braucht nur auf verschiedenen Geräten dieselbe Szene mittlerer Gesamthelligkeit aus einem Video anzeigen und die Helligkeit mit einem Messgerät gleich einstellen. Dann mal weiter vorspulen und eine sehr helle oder eine sehr dunkle Szene als Standbild zeigen – und schon sind die beiden Bildschirme nicht mehr gleich hell. Bei einigen aktuellen Geräten kann man die Helligkeit sowieso nicht linear, sondern nur in Stufen einstellen.

Noch mehr vermisst man aber auch Angaben dazu, wie hoch die Grundlast ohne Surfen oder Videogucken bei den Geräten ist und welche Systemroutinen und Apps im Hintergrund mit welchen Einstellungen laufen. Viele Mobilgeräte bieten in vielen Bereichen von Helligkeit bis WLAN unter dem Aspekt der Batterielaufzeit optimierte Einstellungen an, die nur schwer bei Tests fair verglichen werden können.

Kritische Leserstimmen mehren sich 

Im Blog von Which? finden sich wohl auch deshalb überwiegend kritische Kommentare zu diesem Test. Allerdings geht es da weniger um die Testbedingungen als um die Frage, warum Microsofts Surface 2 mit seiner angeblich „außerordentlichen Batterieperformance“ oder das Lenovo Yoga 8 nicht mit im Test waren.

Which? wird dort auch vorgehalten, dass es bei ihnen als Verbraucherorganisation um den Gegenwert gehen sollte, den der Käufer eines Produkts für sein Geld erhält. Und Apple-Produkte seien ja nicht nur deutlich überteuert, sondern fesselten die Käufer auch mit allerlei Mechanismen wie teuren proprietären Steckern und Zusatzgeräten oder dem ähnlich teuren iTunes. Wenn man da einmal mitgemacht habe, würde ein Ende für den Benutzer auch sehr teuer. Konkret wird die Frage gestellt, warum Which? ignoriere, dass Apple ein Monopol aufgebaut habe.

Ein anderer Leser bemängelt ebenfalls, dass Which? als Verbraucherorganisation die Punkte „value for money", übersetzt Gegenwert fürs Geld, und „cost of ownership", das meint die Gesamtbetriebskosten, nicht deutlich herausstellt. Er vergleicht das Testergebnis mit einem Autobeispiel und sagt, Porsche sei zwar besser als Kia, aber die meisten Menschen können sich halt nur die Kosten eines preiswerteren Autos leisten. Which? müsse bei Vergleichen ein deutlicheres Gewicht auf den Preis legen.

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Von Klaus Ahrens
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