21.10.2014, 15:36 Uhr | 0 |

Überweisungen per Hand Zahlungsverkehr der Bank von England für zehn Stunden zusammengebrochen

Eine technische Panne hat am Montag zu einem zehnstündigen Ausfall des Zahlungsverkehrssystems der Bank of England geführt. Der Vorfall hätte die gesamtbritische Finanzstabilität stark schwächen können. Dass der Zahlungsverkehr einer Zentralbank zusammenbricht, ist mehr als ungewöhnlich.

Sitz der Bank of England am Oxford Circus in London
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Sitz der Bank of England am Oxford Circus in London: Die Zentralbank erlitt am Montag einen Systemabsturz. 143.000 dringende Zahlungen wurden per Hand abgewickelt.

Foto: Bank of England

Ein Großteil der Mitarbeiter der Bank of England musste am gestrigen Montag offiziell Überstunden einlegen. Wegen des etwa zehnstündigen Ausfalls des Zahlungsverkehrssystems RTGS mussten zumindest die wichtigsten der darüber abgewickelten Geschäfte von Hand eingeben werden.

Die Bank of England zieht die Fäden in der kompletten britischen Währungspolitik. Umso schlimmer, dass eine Systempanne ausgerechnet die finanzstrategisch so wichtige Zentralbank des Vereinigten Königreiches vorübergehend in die Knie zwingen kann.

Das RTGS wickelt Zahlungen fast aller britischen Banken ab

Über das RTGS (Real-Time Gross Settlement System) wickeln nahezu alle britischen Banken ihre Zahlungen ab. Nach Angaben des britischen Telegraph erreichen die Transaktionen eine Höhe von durchschnittlich 277 Milliarden Pfund – täglich wohlgemerkt.

Wie es in einer Mitteilung der Bank heißt, sei der Absturz auf ein technisches Problem während einer Routinekontrolle zurückzuführen. Der Vorteil von RTGS-Systemen besteht darin, dass Zahlungen zwischen Banken unverzüglich und in Echtzeit durchgeführt werden können – auch bei sehr hohen Beträgen. Ein Versagen bei der Zahlungsabwicklung wird in den Wirtschaftswissenschaften als Systemrisiko eingestuft, das die Stabilität des gesamten Finanzsystems eines Landes oder Staatenverbundes bedrohen kann.

Bank will detaillierte Fehleranalyse vorlegen

Dass es ausgerechnet die Bank of England traf, kann als Ironie des Schicksals betrachtet werden. Denn sie selbst hatte in der Vergangenheit häufiger die instabile Infrastruktur der britischen Banken als Risikoquelle kritisiert.

Wie die Tageszeitung The Guardian berichtet, traf den Ausfall des Zahlungsverkehrs unter anderem die Immobilienwirtschaft. So wurden Zahlungen zum Häuserkauf nicht termingerecht übermittelt, geplante Umzüge mussten verschoben werden. 

143.000 dringende Zahlungen wurden per Hand abgewickelt

Erst am Montagnachmittag war der Fehler behoben und das RTGS-System wurde im kontrollierten Modus wieder gestartet. Während des Ausfalls mussten von den Bank-Mitarbeitern rund 143.000 Zahlungen händisch eingegeben werden. Um den Zeitverlust zumindest ansatzweise ausgleichen zu können, war das RTGS-System gestern länger zugänglich als üblich.

 

Derweil hat Bank-of-England-Chef Mark Carney eine unabhängige Untersuchung der Vorfälle angekündigt. Am Donnerstag will das Institut detailliertere Angaben zu den Ursachen des Crashs liefern und erläutern, was daraus für die Zukunft zu lernen sei. 

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Von Jan-Martin Altgeld
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