29.04.2014, 15:21 Uhr | 0 |

Amerikas Ohr in den Osten Norwegischer Geheimdienst kauft Supercomputer von der NSA

Der norwegische Geheimdienst NIS kauft den Supercomputer Steelwinter von der NSA. Damit will der NIS schneller die verschlüsselte Satelliten- und Radiokommunikation östlicher Länder knacken können. Das berichtet die norwegische Tageszeitung Dagbladet unter Berufung auf Snowden-Dokumente. Sie nennt den NIS deswegen Amerikas Ohr in den Osten. 

Supercomputer Blue Gene/Q
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IBM kennt sich auf dem Gebiet der Supercomputer gut aus. Der Blue Gene/Q ist einer der schnellsten Hochleistungsrechner der Welt. Laut IBM erreicht er eine Leistung von 20 Petaflops. Das entspricht 20 Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde.

Foto: IBM

Die Geheimdokumente des Whistleblowers Edward Snowden sorgen erneut für weltweite Aufmerksamkeit: Dieses mal geht es allerdings nicht um den US-Geheimdienst NSA, sondern um den Norwegian Intelligence Service (NIS). Der norwegische Geheimdienst hat angeblich einen Supercomputer namens Steelwinter bestellt, der beim Codeknacken behilflich sein soll. Das zumindest berichtet die norwegische Zeitung Dagbladet unter Berufung auf Snowden-Dokumente.

Steelwinter soll Satelliten- und Radiosignale entschlüsseln

Dass der NIS einen Hochleistungsrechner braucht, hat folgenden Grund: Der Geheimdienst sammelt seit Jahren unfassbar viele Daten. Unter anderem unterhält er in Vardø, der östlichsten Siedlung Norwegens, eine Abhörstation direkt an der Grenze zu Russland. Von dort schneidet er Satelliten- und Radiokommunikation mit. Allerdings ist diese meist verschlüsselt. Laut norwegischer Zeitung Dagbladet ist der NIS deswegen bei der Entschlüsselung auf die Unterstützung der amerikanischen NSA angewiesen. Die Zeitung nennt den norwegischen Geheimdienst deswegen auch Amerikas Ohr in den Osten. Und dieses Ohr könnte in Zukunft noch größer werden, wenn die Norweger ihren eigenen Hochleistungsrechner zum Codeknacken bekommen.

Hersteller des Supercomputers Steelwinter ist angeblich der US-amerikanische IT-Gigant IBM. Über seine tatsächliche Leistung ist wenig bekannt. Er stammte aber scheinbar aus dem sagenumwobenen Forschungsprojekt Windsor Blue. Laut Dagbladet haben NIS und NSA bei der Kaufabwicklung im letzten Jahr auch gleich beschlossen, in Zukunft gemeinsam neue Methoden zum Codeknacken zu entwickeln. Laut Dadbladet will der norwegische Geheimdienst 100 Millionen US-Dollar investieren. Die Medien lässt er diesbezüglich aber im Regen stehen: „Der NIS hat mit großen Mengen an Daten zu tun und benötigt eine relativ große Rechenkraft“, sagte NIS-Chef Kjell Grandhagen der Tageszeitung. Völlig unbekannt ist auch, wann der Rechner geliefert wird.

Dagbladet brachte norwegischen Geheimdienst schon einmal in Erklärungsnot

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass die norwegische Tageszeitung Dagbladet in Erklärungsnot bringt. Im November 2013 schrieb die Zeitung mit Hilfe der Enthüllungsdokumente Edward Snowdens einen Artikel mit enormer Durchschlagkraft. Die Zeitung behauptete darin, der norwegische Geheimdienst habe 33 Millionen norwegische Telefonate abgegriffen und an die NSA weitergereicht. Die konservative Ministerpräsidentin Erna Solberg verteidigte das Vorgehen als legitime Aktion. Es habe sich nicht um Inlandstelefonate gehandelt, sondern um Anrufe ins Ausland – besonders nach Afghanistan. Anzeichen für Schnüffeleien der NSA in Norwegen selbst gebe es nicht, fügte NIS-Chef Grandhagen hinzu. 

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Von Patrick Schroeder
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