13.11.2014, 08:39 Uhr | 0 |

3D Soundscape Microsoft-Headset lotst Blinde durch die Stadt

Mit einem System namens 3D Soundscape will Microsoft Blinden mehr Lebensqualität geben: Das Headset übersetzt GPS-Daten des Smartphones in Töne. Mit dieser dreidimensionalen Klanglandschaft kann sich der Blinde besser in seiner Umgebung orientieren.

Das Headset soll mit Tönen eine bessere Wahrnehmung des Raumes ermöglichen
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Besonders ein Gang durch die Stadt bedeutet für viele Sehbinderte Stress pur. Das Headset von Microsoft soll mit Tönen eine bessere Wahrnehmung des Raumes ermöglichen.

Foto: Microsoft

Das Headset empfängt nicht nur GPS-Daten des Smartphones, sondern über Bluetooth auch Signale kleiner Sender, die entlang der Straßen, in Geschäften oder an Straßenlampen befestigt sind. Eine Art galoppierende „klip-klop, klip-klop“-Tonfolge begleitet den Träger dann auf seinem Weg. Ein Ping-Ton unterrichtet ständig darüber, dass er auf dem richtigen Weg ist. Kommt der Träger vom Weg ab, signalisiert das ein rauschender Ton, ähnlich dem Geräusch, wenn man in Blattwerk gerät.

Das Gerät sitzt leicht vor dem Ohr auf Polstern auf dem Oberkiefer und arbeitet mit Vibrationen. Das verhindert, dass Geräusche des Verkehrs und der gesamten Umwelt die Navigationstöne übertönen.

Das Headset kann aber noch mehr: Per Knopfdruck kann der Träger Informationen zu Geschäften oder Arztpraxen in der Nähe abrufen, aber auch darüber unterrichtet werden, ob Äste von Bäumen oder Büsche stark in den Gehweg ranken oder geparkte Autos zum Hindernis werden.

Microsoft testet Headset in London

Entwickler Amos Miller von Microsoft, der selbst sehbehindert ist, wurde durch die Geburt seiner Tochter inspiriert, weil er mit ihr einen Tageausflug machen oder einfach einmal ins Kino gehen wollte und dazu mit den herkömmlichen zur Verfügung stehenden Mitteln einfach keinen Mut hatte. Bisher befindet sich das Headset noch in der Probephase. Acht blinde Personen haben zuletzt an Tests in einem Londoner Stadtteil teilgenommen.

Wann das System auf den Markt kommen soll, steht noch nicht fest. Einige Experten stellen in Frage, ob sich das System überhaupt in großem Stil verwirklichen lässt, da es stark von der Installation vieler Sender entlang der Straßen abhängig ist.

180.000 Blinde trauen sich in Großbritannien kaum aus dem Haus

In Großbritannien gibt es nach Angaben des Guardians derzeit rund zwei Millionen registrierte Sehbehinderte. Davon gehen rund 180.000 nach Aussagen der Hilfsorganisationen nur sehr selten aus dem Haus, die meisten vermeiden den Weg in eine Großstadt. Aufgrund der Überalterung der Gesellschaft soll sich die Zahl der Sehbehinderten bis 2050 in Großbritannien auf vier Millionen Menschen verdoppeln.

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Von Peter Odrich
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