07.01.2014, 15:23 Uhr | 0 |

ELEKTRONIKMESSE CES in LAS VEGAS Intel will die Computermaus durch Kameratechnik ersetzen

Der Chiphersteller Intel hat auf der CES in Las Vegas eine Kamera vorgestellt, mit der Computer sich künftig vollständig ohne Maus bedienen und steuern lassen. Die Technologie kann Gesten verstehen, Gesichter erkennen und Mimik interpretieren. Intel versucht mit diesem Schritt, sein schwächelndes Chipgeschäft aufzupeppen.

Intels Vizepräsident Shmuel „Mooly“ Eden
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Intels Vizepräsident Shmuel „Mooly“ Eden stellt auf der Elektronik-Messe CES in Las Vegas Intels neue 3-D-Kamera vor.

Foto: dpa/Britta Pedersen

Das Patent mit der Nummer US3541541 vom 17. November 1970 war eine Revolution in der Computerwelt. Douglas C. Engelbart erhielt das Patent für seine Idee einer Computermaus, die nun durch eine neue Revolution schon das Ende finden könnte. Der Chip-Konzern Intel läutet auf der diesjährigen Consumer Electronic Show (CES) in Las Vegas die Totenglocke. Der Vizepräsident des Chipherstellers Intel, Shmuel „Mooly“ Eden, stellte auf der CES dem staunenden Publikum eine neuartige Kamera vor, die Gegenstände dreidimensional erfassen, Handbewegungen erkennen und auch Gesichtsausdrücke unterscheiden kann. Der Einsatz dieser Kamera soll künftig die Bedienung von Computern wesentlich vereinfachen. „Wir würden gerne mit IT-Geräten so kommunizieren, wie wir das miteinander tun“, sagte Eden.

Spracherkennung „Dragon Assistant“ sucht Sonnenbrillen bei Amazon

Auf der CES führte der Intel-Vizechef vor, wie ein Laptop mit Wink- und Wischbewegungen vor der Kamera bedient werden kann. Intel will seine Gestensteuerung unter dem Label „RealSense“ vermarkten, die deutlich mehr ist als eine reine Gestensteuerung. Nutzer sollen auch mithilfe einer Gesichtserkennung Programme steuern können. Ein Blick nach rechts oder nach links soll jeweils Steuerbefehle auslösen. Eden verspricht noch mehr: Selbst Mimik soll die Kamera erkennen können.

Abgerundet wird die neuartige Computerbedienung durch die Integration der Spracherkennungssoftware „Dragon Assistant“ von Nuance. „Die Stimme ist noch wichtiger als Berührungen“, sagte Eden. Und dieser Drachenassistent ist viel mehr als eine simple Spracherkennungssoftware, der ein Anwender seinen Text diktiert. Dragon Assistant surft auf Kommando los und fahndet nach dem neuesten Hit, den er dann auch gleich abspielt. Der Drachenassistent sucht auch gerne Sonnenbrillen bei Amazon. Auf Wunsch twittert Dragon Assistant den Link sogar.

Viele große Hersteller wollen Intels Kamera in ihre Computer einbauen

Der Intel-Versuch, die gute alte Computermaus in das digitale Nirwana zu schicken, stößt offenbar auf großes Interesse. Acer, Asus, Dell, Fujitsu, HP, Lenovo und NEC sind die Hersteller, die die Intel-Kamera bereits in ihre Computer einbauen wollen. Die ersten mit der „RealSense“-Technologie ausgestatteten Geräte sollen schon in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt kommen. Intel denkt zunächst vor allem an die Steuerung von Spielen mit den Funktionen der Kamera.

Intels Vorstoß ist Ausdruck einer neuen Unternehmensstrategie. Der Chip-Konzern will sich ein Stück unabhängiger machen vom Computergeschäft. 2012 kann als das Schlüsseljahr für die Computerchip-Branche angesehen werden. In diesem Schicksalsjahr ging erstmals der Absatz von Desktop-Computern weltweit zurück. Intel musste im dritten Quartal 2012 einen Gewinnrückgang vermelden. „Unser drittes Quartal ist ein Spiegel der schwierigen wirtschaftlichen Lage“, sagte damals Intel-CEO Paul Otellini. „Die Welt der Computer befindet sich mitten in einer Zeit bahnbrechenden Innovation und Kreativität.“

Desktop-Rechner wird bald nur noch in Nischen existieren

Experten glauben, dass Desktop-Rechner bald nur noch in Nischen existieren, im Massenmarkt findet sie immer weniger Abnehmer. Dem Tablet-Computer und dem Smartphone gehört die Zukunft. Denn die jahrelange Domäne der Heimcomputer, das Internet, ist schon längst nicht mehr auf die Wandsteckdose angewiesen. Das Internet ist längst mobil. Und deshalb sind die heute angesagten Endgeräte mobile Geräte wie Tablets und Smartphones.

Intels Hoffnung, im Wachstumsmarkt der Tablets und Smartphones Fuß zu fassen, ist nicht wirklich aufgegangen. Kurz nach der Bekanntgabe des Gewinnrückgangs kündigte Intel an, sich in den kommenden drei Jahren aus dem Geschäft mit Mainboards für Desktop-Rechner zurückzuziehen. Mainboards sind die Hauptplatinen, gewissermaßen das Hirn eines jeden Desktop-Rechners, auf dem der Prozessor sitzt.

Intel hat seine Kamerasteuerung nur auf Desktops und Laptops präsentiert

Unter diesem Aspekt passt der Intel-Vorstoß mit der „RealSense“-Technologie gut ins Bild. Denn für mobile Geräte wie Tablets oder Smartphones gibt es ohnehin keine Maus, diese Geräte werden per Touchscreen gesteuert. Eine Erweiterung über Gesten-, Mimik- und Sprachsteuerung würde das elende Gewische vielleicht genauso überflüssig machen wie die Computermaus. Allerdings hat Intel auf der CES nur stationäre Computer und Laptops mit seiner „RealSense“-Technologie präsentiert. Ob und wie sie in Tablets eingesetzt werden kann, darauf hatte Intel keine Antwort parat.

Intel-Vize Eden: „Wir speichern nichts, wir verarbeiten das in Echtzeit“

In Zeiten umfassender Datenspionage durch den US-Geheimdienst National Security Agency (NSA) lag die Frage nach der Sicherheit der bei der Gesichtserkennung und Gestensteuerung anfallenden Daten auf der Hand. Da konnte Intel-Vize Eden beruhigen. „Wir speichern nichts, wir verarbeiten das in Echtzeit“, sagte er nach der Präsentation.

Gleichzeitig mit seiner neuartigen Kamerasteuerung präsentierte Intel den Minicomputer Edison. Der ist so klein und so geformt wie eine SD-Speicherkarte. Edison ist ausgestattet mit zwei x86-Kernen sowie ein Modul für WLAN und Bluetooth. Er soll einen eigenen Appstore bekommen. Gedacht ist der auf Linux basierende Computerzwerg für den Einsatz zum Beispiel in Haushaltsgeräten mit Internetverbindung. Edison soll somit dem Internet der Dinge, von dem auf der CES ohnehin alle reden, auf die Sprünge helfen.

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Von Detlef Stoller
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