19.04.2013, 11:00 Uhr | 0 |

PC-Markt stürzt ab Geräte werden länger genutzt

Den schlechtesten PC-Absatz seit Jahren konstatierten die Marktforscher von Gartner und IDC im 1. Quartal 2013. Einen Schuldigen hat zumindest IDC auch ausgemacht: das neue Windows 8. Doch das ist als Erklärung vielleicht etwas zu kurz gegriffen.

Verschiedene Tablet-Computer mit dem Betriebssystem Windows 8.
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Das Microsoft-Betriebssystem Windows 8 hat dem PC-Markt keinen Schub verliehen.

Foto: dpa/Sebastian Kahnert

„Die Gerüchte über meinen Tod sind eine Übertreibung.“ Dieses Zitat von Samuel Langhorne Clemens, besser bekannt als Mark Twain, passt zu den Meldungen, die Ende vergangener Woche nach Bekanntwerden der PC-Verkaufszahlen im 1. Quartal 2013 weltweit erschienen sind. Der PC-Absatz ist weltweit dramatisch gesunken. Aber daraus gleich den Tod des PCs als Geräteklasse herzuleiten, scheint ein wenig verfrüht.
Laut Gartner gingen in den ersten drei Monaten des Jahres 79,2 Mio. PCs über die Ladentheken, so wenige wie seit dem 1. Quartal 2009 nicht mehr. Gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang von mehr als 11 %. Die Marktforscher von IDC malen noch etwas schwärzer: 76,3 Mio. verkaufte PCs zählten sie, einen Rückgang von knapp 14 % gegen Vorjahr und damit den größten Absturz seit 1994.

Absturz der PC-Stückzahlen größer als erwartet

Trotz leichter Verbesserungen der gesamtwirtschaftlichen Lage, trotz neuer PC-Modelle und des neuen Windows 8 sei der Absturz der PC-Stückzahlen größer als erwartet, meldete IDC. Und legt noch einen drauf: „An diesem Punkt scheint es unglücklicherweise klar, dass Win- dows 8 nicht nur keinen Schub geben konnte, es hat den Markt anscheinend auch geschwächt“, sagte Bob O'Donnell, bei IDC zuständig für Clients und Displays.
Windows 8 also als Sündenbock? „Obwohl manche Kunden die neuen Formfaktoren und Touch-Möglichkeiten, die mit Windows 8 gekommen sind, schätzen“, erläuterte O'Donnell, hätten radikale Änderungen der Benutzerführung wie der Wegfall des Start-Buttons und höhere PC-Preise aufgrund der Touch-Funktionalität den PC gegenüber Tablets und Smartphones unattraktiver gemacht. Und diese gehen nicht in die Verkaufsstatistik der PCs ein.

Windows 8 nicht als Heilsbringer gedacht

Entwickelt wurde Windows 8, um eine durchgängige Benutzerführung über alle Geräteklassen – vom Smartphone bis zum PC – zu schaffen. Für Microsoft ein ehrgeiziges Projekt mit großen Risiken, denn die neue Benutzerführung ist gewöhnungsbedürftig, manches Detail im ersten Anlauf noch verbesserungswürdig. Als Heilsbringer für den geplagten PC-Markt war Windows 8 aber sicher nicht gedacht.
Bis hin zu Windows Vista schien das anders: Jedes neue Windows stellte höhere Anforderungen an die Hardware, denen Intel & Co. mit neuen, leistungsfähigeren Chips antworteten. Die Gleichung, neues Windows gleich neuer PC, ging lange auf und alle profitierten.
Doch die Hardwarelieferanten haben aufgehört, immer neue Rekorde bei Taktfrequenzen zum Maßstab ihres Tuns zu machen, und auch die Windows-Varianten 7 und 8 glänzen eher durch moderate Anforderungen an die Hardware, sollen sie doch auch auf Mini-Notebooks und Tablets eine vernünftige Performance bringen.
Das hat Folgen: „Die Kunden müssen heute nicht mehr unbedingt einen neuen PC kaufen, wenn sie die neueste Software einsetzen wollen“, schreibt Ted Schadler, Analyst bei Forrester, in seinem Blog. Ein neuer Computer werde erst dann gekauft, wenn man mit dem alten nicht mehr sinnvoll arbeiten könne. Das könnte dann künftig nur noch alle sechs Jahre der Fall sein, nicht mehr alle vier. Der PC stirbt also nicht, „er wird nur nicht mehr so häufig erneuert wie früher“, meint Schadler.

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Von Jens Billerbeck | Präsentiert von VDI Logo
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