22.03.2013, 15:45 Uhr | 0 |

„Strahlende“ Himmelskarte Weltraumteleskop Planck „sieht“ die Geburtsstunde des Alls

Knapp vier Jahre nach dem Start des Weltraumteleskops „Planck“ ziehen die Wissenschaftler Bilanz. Sie haben einen weiteren Schritt auf dem Weg zu einer Dokumentation der Geschehnisse seit dem Urknall gemacht.

Plancks erste Aufnahme der kosmischen Hintergrundstrahlung.
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Plancks erste Aufnahme der kosmischen Hintergrundstrahlung.

Foto: DLR

Einerseits sind Kosmologen in aller Welt enttäuscht über die jüngsten Messergebnisse, die das europäische Weltraumteleskop Planck jetzt geliefert hat. Eine Sensation ist nicht dabei. Andererseits sind sie beruhigt. Die Daten werfen neue Fragen auf, sodass die Wissenschaftler nicht arbeitslos werden.

Planck hat mit einem Hochfrequenzinstrument (HFI) und einem Niederfrequenzinstrument (LFI) den gesamten Weltraum fünfmal  gescannt. Die beiden Geräte registrierten die kosmische Hintergrundstrahlung, die nach dem Urknall, also nach der Geburt des Weltraums entstand. Diese wurde allerdings erst nach rund 380.000 Jahren sichtbar, was bei 13,82 Milliarden Jahren – so alt ist das Weltall – allerdings einem Wimpernschlag gleicht. „Die Ergebnisse stellen eine direkte Verbindung zur Geburtsstunde des Kosmos dar. Sie zeigen das älteste Licht des Universums“, sagt Christian Gritzner, Kosmologe beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, das maßgeblich an den Experimenten beteiligt war. Das Ergebnis ist die erste vollständige Himmelskarte dieser Hintergrundstrahlung.

Dass es nach irdischen Maßstäben so lange dauerte, bis die Strahlung sichtbar wurde, liegt an den höllischen Bedingungen direkt nach dem Urknall. Es herrschten Temperaturen von mehreren Millionen Grad. Nach 380.000 Jahren war die Temperatur auf beinahe schon gemütliche 2700 Grad Celsius gesunken – die Hintergrundstrahlung wurde für Messgeräte sichtbar. Heute herrscht im All eine Temperatur von rund drei Grad über dem absoluten Nullpunkt (minus 273 Grad Celsius).

Normale Materie unter ferner liefen

Ein paar Korrekturen bisheriger Annahmen sind mit den Ergebnissen der Mission möglich. So ist das Weltall etwas älter als bisher vermutet, weil es langsamer expandiert. Die Unsicherheit liegt bei gerade mal 50 Millionen Jahren. Der Anteil der Dunklen Materie beträgt 26,8 statt 22,7 Prozent. Dunkle Energie macht 68,3 statt 72,8 Prozent aus. Normale Materie, also die Erde und alle anderen Himmelskörper, fällt kaum ins Gewicht. Sie macht gerade mal 4,9 statt 4,5 Prozent aus.

Zu klären haben die Wissenschaftler noch eine Menge, ehe sie ihr Ziel, eine lückenlose Dokumentation der Ereignisse im All seit dem Urknall zu erstellen, erreichen. Da gibt es rätselhafte Temperaturunterschiede in unterschiedlichen Regionen, obwohl die Theorie sagt, dass die Durchschnittstemperaturen überall gleich sein müssen.

Allzu viel Neues wird Planck jetzt nicht mehr liefern. HFI ist mangels Kühlmittel im Januar ausgefallen, LFI misst noch weiter bis in den Sommer hinein.

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Von Wolfgang Kempkens
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