16.07.2013, 11:12 Uhr | 0 |

EU-Projekt Verkehrsflugzeuge mit nur einem Piloten

Künftig soll es technisch möglich und rechtlich zulässig werden, Verkehrsflugzeuge nur noch mit einem statt wie bisher zwei Flugzeugführern fliegen zu lassen: Unter dem Namen ACROSS hat die Europäische Union (EU) ein Forschungs- und Entwicklungsprogramm ins Leben gerufen, in dem 26 Unternehmen und akademische Forschungseinrichtungen daran arbeiten, ein dafür geeignetes elektronisches Cockpit-System zu entwickeln. 

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Gemeinsam arbeiten Industrie und Wissenschaft im EU-Projekt ACROSS an einem absolut sicheren elektronischen Cockpit-System. Ziel ist es, Verkehrsflugzeuge langfristig nur noch mit einem statt wie bisher zwei Flugzeugführern fliegen zu lassen.

Foto: Airbus/P. Masclet

ACROSS ist die Kurzfassung für den englischsprachigen Programmnamen Advanced Cockpit for the Reduction of Stress and Workload. Industrieller Programmführer ist Thales Avionics. Aus Deutschland ist unter anderem das auf Satelliten-Kommunikationstechnik spezialisierte Münchener Unternehmen TriaGnoSys mit von der Partie. Bekanntester amerikanischer Entwicklungspartner ist Boeing.

Zu den Entwicklungsarbeiten zählt vor allem, die Zuverlässigkeit aller elektronischen Cockpit-Systeme so stark zu erhöhen, dass es keine Geräte-Ausfälle mehr während des Fluges gibt und somit ein Pilot das Flugzeug allein führen kann. Parallel zu diesen Arbeiten geht es darum, die für den Luftverkehr zuständigen Behörden und Regulatoren davon zu überzeugen, dass ein technisch sicherer Ein-Piloten-Betrieb wirklich möglich ist. Wenn das gelingt, müssten dann die Flugunternehmen und ihre Gewerkschaften für den Ein-Piloten-Betrieb gewonnen werden. Die Kostenvorteile des Ein-Piloten-Betriebs wären allerdings ganz erheblich, da jede auch nur mittelgroße Fluggesellschaft gegenwärtig meist mehrere tausend Piloten benötigt um jeden Flug mit zwei Flugzeugführern abwickeln zu können. Bei Langstreckenflügen sind es vielfach sogar vier Piloten, die unterwegs in Schichten die einzelne Maschine fliegen.

Das derzeitige elektronische Cockpit-System sieht im Übrigen vor, dass sich die beiden Piloten eines Flugzeugs unterwegs gegenseitig auf Fehler kontrollieren, um so die Flugsicherheit zu erhöhen. Auch diese Funktion der Fehlerkontrolle (des einen Piloten) soll zukünftig ausdrücklich von der Cockpit-Elektronik übernommen werden. Letztere soll dann auch in der Lage sein, bei Ausfall des einen Piloten das Flugzeug dennoch sicher vollautomatisch zu landen.

Sollten die ACROSS-Zielsetzungen erreicht werden, dann ist davon auszugehen, dass der Ein-Piloten-Betrieb nur langsam und schrittweise eingeführt wird. So könnte beispielsweise die Zahl der Piloten auf Langstreckenflügen von derzeit vier auf zwei reduziert werden. Als nächstes wäre dann zunächst der Ein-Piloten-Betrieb im extremen Kurzstreckenverkehr mit kleinen Flugzeugen denkbar. Finanziert wird das ACROSS-Programm von allen EU-Mitgliedsländern. 

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Von Peter Odrich
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