05.05.2015, 13:19 Uhr | 0 |

Öffentlicher Druck zu hoch Tübinger Max-Planck-Institut stellt Versuche an Affen ein

Der Direktor des Tübinger Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik Nikos Logothetis will künftig keine Primatenforschung mehr betreiben, sondern nur noch mit Nagetieren experimentieren. Logothetis reagiert damit auf öffentliche Proteste gegen Versuche an Affen, die zu Beginn des Jahres darin gipfelten, dass die Staatsanwaltschaft wegen des Anfangsverdachts der Tierquälerei im Institut vorstellig wurde. 

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Keine Primatenforschung mehr: Der Direktor des Tübinger Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik Nikos Logothetis will künftig nur noch mit Nagetieren experimentieren. Die Tierschutzorganisation Soko Tierschutz feiert dies als großen Erfolg.

Foto: BUAV/SOKO-TS

Die Versuche an Affen sollen am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik nach Beendigung der laufenden Experimente eingestellt werden. Das wird in zwei bis drei Jahren der Fall sein. Tübingens Oberbürgermeister und Grünen-Politiker Boris Palmer bedauert die Entscheidung von Nikos Logothetis und nannte sie einen „schweren Rückschlag für die Forschung“. Vor allem die Verarbeitung von Signalen und Informationen im Gehirn werden in Tübingen erforscht.

Versuche nur noch an Nagetieren

Der Entscheidung des Direktors gehen monatelange Drohungen und Beschimpfungen von Tierschützern voraus. Nach einem Fernsehbericht im September 2014 wurden die Experimente mit Affen stark angeprangert. Gezeigt wurden unter anderem Bilder, die Tierschützer der Organisation Soko Tierschutz mit versteckter Kamera undercover im Institut aufgenommen hatten. Auf dem Video der Soko Tierschutz waren verletzte, blutverschmierte Affen mit am Kopf eingesetzten Implantaten zu sehen.

Max-Planck-Gesellschaft kritisiert Beschimpfungen

"Die immer wieder aufkeimenden Anfeindungen, die Vielzahl an Drohmails und Beschimpfungen über die vergangenen Monate hinweg waren eine große Belastung für alle Beteiligten", hieß es jetzt in einer Erklärung der Max-Planck-Gesellschaft (MPG). „Hier ist ein Wissenschaftler an die Grenzen seiner physischen und psychischen Belastbarkeit getrieben worden", kritisierte MPG-Präsident Martin Stratmann. Er bedauere die Entscheidung von Logothetis, seine Forschungsarbeit aufzugeben, außerordentlich.

Die Max-Planck-Gesellschaft selbst werde weiterhin Tierversuche an Affen vornehmen, informierte die Forschungsorganisation. „Dies ist nach wie vor der einzige Weg, um Behandlungsansätze zu entwickeln für neurologische Gehirnerkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson und psychiatrische wie Schizophrenie."

Im Herbst wird über Zukunft des Tübinger MPG-Instituts beraten

Tierschützer hingegen stellen die Grundlagenforschung an Rhesus- und Javaneraffen grundsätzlich in Frage. Oftmals wird sie von ihnen als zweckfreie Forschung bezeichnet, da allein das Wissen erweitert werden soll – sich damit aber keine Krankheit heilen lasse. Etwa 40 Prozent der Tierversuche in der Europäischen Union werden innerhalb der Grundlagenforschung durchgeführt und mit öffentlichen Geldern finanziert.

Im Herbst will die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) über die Zukunft des Instituts für biologische Kybernetik in Tübingen beraten. „Diese Beratungen sind völlig unabhängig davon, was bisher dort geforscht wurde und frei von den Debatten im Bezug auf die Primatenforschung“, sagte MPG-Sprecherin Christina Beck. Weitere Versuche an Affen seien ebenso möglich wie eine neue Ausrichtung des Instituts.

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Von Petra Funk
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