15.08.2016, 07:12 Uhr | 0 |

30 % weniger Infektionen Solarbetriebene Moskito-Falle ist wirksame Waffe gegen Malaria

Alle 30 Sekunden stirbt ein Kind auf der Erde an Malaria. Ein Impfstoff gegen die vor allem in den Tropen wütende und von der Anopheles-Stechmücke übertragene Fieber-Erkrankung ist nicht in Sicht. Jetzt hat ein internationales Forscherteam erstmals gezeigt, dass Moskito-Fallen die Übertragung der Malaria wirksam eindämmen können.

Solar-Moskitofalle
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Solar-Moskitofalle: Montage der Solarpanel an einem Hausdach auf der Insel Rusinga in Kenya.

Foto: Alexandra Hiscox/Swiss TPH

Sie ist die schlechte Luft, die „Mal'aria“, die vor allem aus den Sümpfen aufsteigt. Denn dort brütet die Überträgerin der tödlichen Krankheit, die weibliche Anopheles-Stechmücke. Und sie benötigt  nach einer Befruchtung durch Männchen eine Blutmahlzeit zur Proteinaufnahme, damit sich die Eierstöcke entwickeln.

Alle 30 Sekunden stirbt ein Kind an Malaria

Die Malaria wütet vor allen in den Tropen und Subtropen immer noch ungebrochen. Alle 30 Sekunden stirbt ein Kind daran. Bis heute gibt es keinen Impfstoff gegen das Sumpffieber. Zudem verursacht es enorme Kosten in Afrika: Die Gesundheitskosten und Produktionseinbußen im Landwirtschaftssektor beziffern sich auf 12 Milliarden Dollar Jahr um Jahr.

Malaria-Infektionen um 30 % reduziert

Jetzt aber gibt es einen Lichtblick: Forscher der Universität Wageningen, des Kenyan International Centre of Insect Physiology and Ecology (ICIPE) und des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts (Swiss TPH) haben erfolgreich gezeigt, dass Moskito-Fallen die Übertragung der Malaria eindämmen können: Eine mit Solarenergie betriebene Moskito-Falle hat auf der Insel Rusinga im kenianischen Viktoriasee die Mücken-Population um 70 % dezimiert. In der Folge gingen die Malaria-Infektionen um 30 % zurück. Ihre Resulate haben die Forscher jetzt im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlicht.

Der Trick: Ein nach Mensch riechender Duftstoff

„Die Falle tötet die Tiere ganz ohne den Einsatz von Insektiziden“, betont Studienleiter Willem Takken von der Universität Wageningen. Das hat einen ganz entscheidenden Vorteil: Die Moskitos haben nicht den Hauch einer Chance, Resistenzen gegen ein Insektizid auszubilden.

Zudem wird die Umwelt nicht belastet. Der Trick der Falle: Sie ködert die Stechmücken mit einem verlockend nach Mensch riechenden Duftstoff. Ein Gemisch aus Milchsäure und anderer über die menschliche Haut ausgeschiedenen Stoffe lockt die gierigen Moskitos hin zur Falle. Dort erzeugt ein mit Solarenergie betriebener Ventilator einen Luftstrom, der die Tiere in die Falle einsaugt.

Genug Strom für Deckenbeleuchtung im Haus

Die Forscher haben für ihre Studie den Zufall ausgeschaltet. Alle Haushalte auf Rusinga wurden schrittweise mit den so verführerisch nach Mensch duftenden Moskito-Fallen ausgestattet. Das Team aus der Schweiz um Tom Smith überwachte die statistische Analyse und Modellierung der Studie. Insgesamt wurden 4.500 Moskito-Fallen installiert.

Die sehr hohe Akzeptanz der Moskito-Fallen lag offenbar auch an einem ganz praktischen Zusatznutzen für die Inselbewohner: Das zum Betrieb der Falle eingesetzte Solarpanel erzeugt genügend Strom für eine Deckenbeleuchtung im Inneren des Hauses. Und an einer Batterie können Mobiltelefone aufgeladen werden.

Falle auch gegen Zika und Dengue-Epidemien geeignet

Die neue hochwirksame Moskito-Falle wird wohl nicht nur auf Rusinga eingesetzt. Denn sie lockt nicht nur die Anopheles an. „Auch die Aedes aegypti, Überträgerin des Zika-Virus oder des Dengue-Fiebers werden von menschlichen Gerüchten angezogen und lasen sich mit dieser Falle wirksam bekämpfen“, sagt Tom Smith vom Swiss TPH. So könnte die lichtspendende Moskito-Falle auch einen Beitrag dazu leisten, Zika und Dengue-Epidemien einzugrenzen.

Und im westafrikanischen Burkina Faso haben junge Ingenieure eine Seife entwickelt, die Moskitos mindestens sechs Stunden lang davon abhält zuzustechen. 

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Von Detlef Stoller
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