02.04.2014, 08:30 Uhr | 0 |

Wetter- und 3D-Geodaten als Basis Software findet den optimalen Platz für Kleinwindanlagen

Aus Wetter- und 3D-Geodaten ermittelt ein Programm besonders windstarke und damit ertragreiche Standorte. Schon wenige Meter entscheiden über die Wirtschaftlichkeit einer Kleinwindanlage.

Kleinwindanlage am Haus
Á

Wichtige Standortwahl: Schon wenige Meter können den Ausschlag geben, ob eine Kleinwindanlage sich lohnt oder nicht. Die Windgeschwindigkeit in Bodennähe hängt sehr stark von der Umgebung ab.

Foto: Bundesverband Kleinwindanlagen

Angesichts von Strompreisen, die sich der 30-Cent-pro-Kilowattstunde-Marke nähern, rücken Kleinwindanlagen ins Visier. Die Zahl der Angebote ist kaum überschaubar, die Strommenge, die sie produzieren, schon. Ein 3,5-Kilowatt-Generator etwa schafft pro Jahr zwischen 1000 und 10.000 Kilowattstunden. Das entspricht einer Stromkostenersparnis von 300 bis 3000 Euro pro Jahr –  vorausgesetzt, der erzeugte Strom fließt nur ins eigene Haus. Generatoren auf Masten, die nicht höher sind als zehn Meter, müssen nicht genehmigt werden.

Bei 300 Euro lohnt sich die Investition von einigen 1000 Euro nicht, bei 3000 Euro schon. Wie viel tatsächlich erzeugt wird hängt natürlich davon ab, wie heftig und häufig der Wind am geplanten Standort weht. Genau das entscheidet über die Wirtschaftlichkeit des windigen Stromerzeugers. Wer auf Nummer Sicher gehen will braucht eine teure Langzeitmessung.

Software ermittelt Windströmung und ihre Stärke am geplanten Standort

Mit einem Programm, das an der Fachhochschule Frankfurt am Main entwickelt wurde, geht es einfacher und vermutlich auch billiger. Martina Klärle, Professorin für Landmanagement an der FH, nutzt kommerziell erhältliche 3D-Geodaten, also digitalisierte dreidimensionale Karten der Oberfläche des Gebiets, das auf Windnutzungsmöglichkeiten untersucht werden soll, und die lokalen Wetterdaten. Daraus ermittelt die Software die Windströmung und ihre Stärke am geplanten Standort. Diese Größen hängen von der Bebauung, Büschen und Bäumen in der Nachbarschaft und der Oberflächenbeschaffenheit ab. Hügeliges Gelände wirkt sich auf den Wind anders aus als Flachland, Wiesen anders als asphaltierte Flächen.

Drei Windkarten sind schon fertig

Klärle und ihr Team haben bisher Windkarten für den Frankfurter Stadtteil Höchst sowie die Dörfer Lautertal in Hessen und Waldaschaff in Bayern erstellt. Dabei zeigte sich, dass es bei der Auswahl des Standorts auf wenige Meter ankommt, weil die Windgeschwindigkeit in Bodennähe sehr stark von der Umgebung abhängt. Eine Verdoppelung lässt den Stromertrag bereits auf das Achtfache hochschnellen.

„Kleinwindanlagen werden bisher nur in sehr begrenztem Umfang eingesetzt“, so Klärles Erkenntnis. Das liege nicht nur daran, dass es kaum überschaubar viele unterschiedliche Systeme gebe, sondern auch an fehlenden Grundlagen für die Auswahl optimaler Standorte. Das könnte sich mit der Software vom Main ändern. Allerdings ist noch offen, ob sie kommerzialisiert wird.

Anzeige
Von Wolfgang Kempkens
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden