17.06.2013, 12:32 Uhr | 0 |

Windenergie mit Drachenflug Saubere Energie aus großen Höhen

Ein neu entwickelter Flugdrache steigt bis zu 300 Metern auf, wo permanent starke Winde herrschen. Der „TwingKite“ wandelt die Windenergie effektiv in Strom um. Das Konzept der Schweizer Ingenieure könnte eine bahnbrechende Methode zur Energiegewinnung werden.

Der TwingKite in Aktion.
Á

Der TwingKite fängt die Windenergie in luftiger Höhe ein. Am Boden wird sie mithilfe eines Generators in elektrische Energie umgewandelt. 

Foto: SwissKitePower

Nicht selten entstehen die besten Ideen, wenn berufliche und private Interessen aufeinander treffen. So geschehen beim Entwicklungsprojekt „TwingTec“, das ein Forscherteam der Empa, der Fachhochschule Nordwestschweiz, der ETH Zürich und des Polytechnikums in Lausanne vom Labor in die Praxis brachte.

Einige der jungen Ingenieure, die am Empa anwendungsorientiert im Bereich der Materialwissenschaften und Technologieentwicklung forschen, sind in ihrer Freizeit begeisterte Drachenflieger. Daraus entwickelte sich die Fragestellung, ob es möglich ist, mit einem Kite die starke Windenergie in großen Höhen anzuzapfen und daraus Strom zu erzeugen.

„Kitepower“ nutzt die starken und dauerhaften Winde in großen Höhen

Strom aus Wind ist zwar keine neue Idee, aber die „Kitepower“ soll effektiver und flexibler sein als die bisher eingesetzten Windräder. Denn die erreichen nur eine Höhe von bis zu 100 Metern, wo der Wind sehr unregelmäßig weht. Mit dem neuen Hightech-Drachen können die Ingenieure in 300 Meter Höhe aufsteigen und dort die wesentlich stärkeren und dauerhaften Winde nutzen.

Nach ersten vielversprechenden Versuchen, die das Team mit einigen Sport-Kites durchführte, haben die Forscher inzwischen einen eigenen effizienten Drachen gebaut. Der „TwingKite“, eine Mischung aus einem leichten Sport-Kite und einem aerodynamischen Segelflugzeug, kann den extremen Winden in 300 Metern standhalten. Ein wichtiger Bestandteil dazu liefert die „Tensairity-Struktur“, die ebenfalls am Empa entwickelt wurde. Ein extrem leichter Stützbalken, der „Tensairity-Balken“, bringt durch eine zylinderförmige aufgeblasene Hülle Stabilität in die Konstruktion, ohne das Gewicht wesentlich zu erhöhen.

Auch mit dem „TwingKite“ fanden bereits Versuche im Berner Jura statt. Das Funktionsprinzip ist ebenso einfach wie innovativ. Der Kite ist über ein Seil mit einer Spule verbunden. Steigt der Drache auf, wickelt sich das Seil ab und treibt dadurch einen Generator an. Der wandelt mittels elektromagnetischer Induktion die Bewegungsenergie in elektrischen Strom um. Hat der Kite seine maximale Höhe erreicht, zieht ihn die Spule wieder nach unten und er kann erneut aufsteigen. Das wiederholt sich alle ein bis zwei Minuten.

Die Geschäftsidee „TwingTec“ wird mit 10.000 Franken gefördert

Bisher musste der „TwingKite“ während seines Aufstieges noch per Hand in exakt berechneten Achter-Bahnen gesteuert werden. Ziel ist es, eine vollautomatische Steuerung zu entwickeln, die standortunabhängig in Höhen von 1.000 Metern, wo permanenter Wind herrscht, eingesetzt werden kann. So eine Anlage könnte den Strom für 40 Haushalte generieren.

Die Chancen, dass die neue Technologie tatsächlich wirtschaftlich bestehen kann, stehen nicht schlecht. Ihre Geschäftsidee „TwingTec“, mit der sich das Ingenieurteam bei „venture kick“ beworben hat, überzeugte eine Jury aus Fachleuten. Das Programm „venture kick“ unterstützt Spin-off Projekte aus Schweizer Hochschulen mit Startkapital, Beratung und Zugang zu einem professionellen Netzwerk aus Investoren und Industrieexperten.

Die erste von drei Jury-Runden hat „TwingTec“ erfolgreich bestanden und dafür 10 000 Schweizer Franken bekommen. Maximal kann das Projekt mit 130 000 Franken gefördert werden. Dafür wollen die Ingenieure nun ihre Idee „mit tatkräftiger Unterstützung von erfahrenen Unternehmern“ weiterentwickeln.

Anzeige
Von Gudrun von Schoenebeck
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden