18.03.2014, 14:30 Uhr | 0 |

Längste bekannte Überlebenszeit Polar-Moos wächst nach 1500 Jahren im Dauerfrost wieder

Wissenschaftler haben Moos aus der Subantarktis entnommen, wo es 1500 Jahre lang im Winterschlaf lag. Die Pflanze hatte den Stoffwechsel beinahe komplett eingestellt und so die extrem lange Zeit in der Kälte überstanden. Im Labor begann das Moos wieder zu wachsen.

Moosentnahme aus Permafrost
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Im Spätsommer wurden auf der antarktischen Insel Signy Island Moosproben der Art Chorisodontium aciphyllum entnommen. Sie lagen dort etwa einen Meter tief im Permafrostboden. 

Foto: Antarctic Survey/Peter Boelen

Es war Spätsommer auf der antarktischen Insel Signy Island, als Peter Convey und sein Team von der neuseeländischen University of Canterbury in Christchurch im Februar 2003 Moosproben der Art Chorisodontium aciphyllum aus dem gefrorenen Boden entnahmen. Das Moos lag dort etwa einen Meter tief im Permafrostboden. Das Alter der Moospflanze konnten Convey und sein Team mit Hilfe der Radiokarbonmethode feststellen. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, mit dem kohlenstoffhaltige, aber insbesondere organische Materialien radiometrisch datiert werden. Es können Zeiten zwischen 300 und etwa 60.000 Jahren bestimmt werden. Für das Moos aus dem Permafrostboden wurde ein Alter zwischen 1530 und 1700 ermittelt.

Dass sich Pflanzen nach zwei Jahrzehnten im Dauerfrost wieder regenerieren können, haben Wissenschaftler bereits nachgewiesen. Der extrem lange Zeitabschnitt von 1500 Jahren stellt jedoch alle bisherigen Untersuchungen in den Schatten. Dass Moos eine extrem widerstandfähige und überlebensfähige Pflanze ist, der Dauerfrost auch über einen solchen Zeitraum nichts ausmacht, zeigen die Untersuchungen der neuseeländischen Forscher, die ihre Ergebnisse im Fachmagazin „Current Biology“ veröffentlichten.

Tagesrhythmus im Labor nachgestellt

Um das Moos aus seinem langen Winterschlaf zu wecken, imitierten die Forscher im Labor einen Tagesrhythmus: Zunächst war es bei 0 Grad acht Stunden lang dunkel. Danach wurde die Temperatur für 16 Stunden auf 20 Grad erhöht und es wurde hell.

Nach 55 Tagen im Labor begann das Moos plötzlich zu sprießen, war wieder vollständig zum Leben erwacht. Damit übertraf es alle bisher gemachten Erfahrungen. Die Forscher vermuten, dass Moos sogar noch längere Zeit im gefrorenen Boden überleben kann.

Moose sind einfach gestrickt. Sie zählen zu den Niederen Pflanzen, haben nur eine geringe Anzahl verschiedener Zelltypen. 

Moos stellte Stoffwechsel nahezu ein

Moose können kein Wasser speichern, sondern geben es bei Trockenheit sehr schnell wieder ab. Daher schadet ihnen Frost auch nicht. Seinen Stoffwechselprozess hatte das uralte tiefgefrorene Moos aus der Antarktis nahezu gestoppt. Dieser Zustand wird auch Trockenscheintod genannt und das Moos kann sich jahrelang darin befinden. Nach den neuesten Erkenntnissen sogar mindestens 15 Jahrhunderte lang. 

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Von Petra Funk
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