15.04.2013, 13:58 Uhr | 0 |

Stromverbrauch explodiert Mobile Datennetze: Forscher erwarten bis 2015 vierfachen Energiebedarf

Australische Forscher warnen vor einem weiteren Anstieg des Stromverbrauchs bei den mobilen Datennetzen. Der hohe Bedarf könne die Informationsgesellschaft gefährden. Sie fordern von der Industrie deshalb energiesparende Systeme.

Telefonierende Menschenmenge
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Menschenmenge: Fast jeder hat ein Handy am Ohr und telefoniert.

Foto: dpa

Millionen Sende- und Empfangsstationen müssen für mobile Dienste auf den neuen Standard LTE (Long Term Evolution) umgerüstet werden. Er macht ein superschnelles Surfen im Internet möglich. Bis zu 300 Megabit pro Sekunde sind drin. Da sieht der stationäre Standard DSL mit maximal 16 und selbst der längst nicht überall verfügbare Standard VDSL mit maximal 50 Megabit pro Sekunde ganz schön alt aus.

Woran kaum einer denkt: Die Stationen sind äußerst gierige Stromschlucker. Im Jahr 2015 werden sie nach Berechnungen der Wissenschaftler weltweit zwischen 18 und 25 Milliarden Kilowattstunden verbrauchen. Heute sind es etwa fünf Milliarden Kilowattstunden. Dazu kommt noch eine ebenso bestürzende Zunahme des Stromverbrauchs von drahtlosen Datennetzen in Unternehmen, Hotspots etwa in Hotels und Bahnhöfen sowie privaten Haushalten.  Nach der Studie „The Power of Wireless Cloud“ werden sie 2015 zwischen elf und 15 Milliarden Kilowattstunden schlucken, mehr als fünfmal so viel wie heute. Die als Energieschleudern verschrieenen Rechenzentren schneiden vergleichsweise günstig ab. Heute verbrauchen sie rund 1,5 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr. Bis 2015 soll sich ihr Verbrauch auf 3,3 bis vier Milliarden Kilowattstunden erhöhen. Insgesamt kommen so bis zu 43 Milliarden Kilowattstunden zusammen – rund viermal so viel wie heute. Das ist die Jahresproduktion von vier bis sechs Kernkraftwerken oder knapp drei Prozent des weltweiten Stromverbrauchs.

Die Prognose erstellte das Centre for Energy Efficient Telecommunications (CEET) der Universität Melbourne. Wenn sich am Tempo der Zunahme des Stromverbrauchs nichts ändere, könnte der Anteil bis zum Jahr 2020 auf zehn Prozent ansteigen, befürchten die Wissenschaftler des CEET. Vor einigen Jahren hatte das Technologieberatungsunternehmen Gartner den Anteil von Mobilfunk, WLAN und Rechenzentren am weltweiten Stromverbrauch noch auf zwei Prozent geschätzt.

2014 ist die Milliardenschwelle in Sicht

Projektleiter Kerry Hinton forderte die Industrie auf, Komponenten für Sende- und Empfangsanlagen zu entwickeln, die erheblich weniger Strom verbrauchen. Sonst, so seine Warnung, könnte das Wachstum des weltweiten Datenverkehrs empfindlich gestört werden. Derzeit geht man noch davon aus, dass die Zahl der Nutzer mobiler Datendienste sehr schnell ansteigt. 2008 waren es weltweit noch rund 43 Millionen. 2014 soll die Milliardenschwelle schon in Sicht sein, schätzt das New Yorker Marktforschungsunternehmen ABI Research.

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Von Wolfgang Kempkens
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