26.02.2015, 11:32 Uhr | 0 |

Drei-Eltern-Babys Künstliche Befruchtung: Großbritannien erlaubt als erstes Land neue umstrittene Methode

Schon 2016 könnten die ersten Drei-Eltern-Babys in Großbritannien geboren werden. Dies hat jetzt das britische Oberhaus entschieden. Frauen mit schweren Erbkrankheiten soll es damit ermöglicht werden, gesunden Nachwuchs zur Welt bringen. In keinem anderen Land ist die umstrittene Befruchtungsmethode bisher erlaubt. 

Mutter hebt Baby vor Abendhimmel in die Luft
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Drei-Eltern-Babys: In Großbritannien darf künftig bei der künstlichen Befruchtung das Kernerbgut der Mutter in das Ei einer Spenderin eingesetzt werden. Erst dann wird das präparierte Ei mit den Spermien des Mannes befruchtet. So soll es Frauen mit einer schweren Erbkrankheit ermöglicht werden, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen.  

Foto: Patrick Pleul/dpa

Mutter, Vater, Eizellenspenderin – die ersten Babys mit dem Erbgut von drei Elternteilen können wohl schon im kommenden Sommer auf die Welt kommen. Aber nur in Großbritannien. Diesem Weg stimmte jetzt das Oberhaus des britischen Parlaments mit 280 Ja-Stimmen zu.

Nur 48 Stimmen waren gegen das neue gentechnische Befruchtungsverfahren, das britische Forscher entwickelten. Anfang Februar hatte sich bereits das Unterhaus für das Verfahren ausgesprochen. Mit der Freigabe durch das Parlament kann die britische Aufsichtsbehörde HFEA  jetzt den Kliniken das Verfahren erlauben. Erste Eizellen können somit schon im Herbst behandelt und befruchtet werden.

Mit der neuen – jedoch umstrittenen – Methode wollen Mediziner verhindern, dass Erbkrankheiten wie Muskelschwund, die auf einem Defekt der Mitochondrien-DNA beruhen, bei einer künstlichen Befruchtung weitergegeben werden.

Defekte DNA gegen gesunde DNA austauschen

Bei der jetzt in Großbritannien erlaubten Methode tauschen Mediziner die kranke Eizelle gegen eine gesunde Eizelle einer nicht erblich belasteten Spenderin aus. Dafür entnehmen sie zunächst eine Eizelle der an einer mitochondrialen Krankheit leidenden Frau. Das Kern-Erbgut der Zelle wird im Labor isoliert.

auf einem Defekt der Mitochondrien-DNA
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Im Labor wird eine von einer Patientin bei einer Operation entnommenen Flüssigkeit auf vorhandene Eizellen für eine künstliche Befruchtung untersucht. 

Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa

Im nächsten Schritt spendet eine gesunde Frau Eizellen. Diese werden entkernt: Das im Zellkern vorhandene Erbgut wird herausgenommen. Dann wird der Zellkern der kranken Frau in die Eizelle der Spenderin gesetzt und mit dem Spermium des Vaters befruchtet. Schließlich wird der Embryo der Mutter eingepflanzt – wie bei jeder anderen künstlichen Befruchtung.

Gendefekt wird nur  von der Mutter vererbt

Beschädigte mitochondriale DNA kann unter anderem zu Diabetes, Herzerkrankungen oder Epilepsie führen. Inzwischen leiden sogar mehr Kinder an Erkrankungen dieser Art als an Krebs. Dabei gibt allein die Mutter diesen Gendefekt automatisch an ihr Kind weiter.

Der Bauplan eines jeden Menschen liegt zu 99 Prozent in der Zellkern-DNA, die sich in jeder einzelnen Zelle des Körpers befindet. Nur der Rest von einem Prozent wird in der mitochondrialen DNA festgelegt. 

Keine Behandlungsmöglichkeiten

Laut Medienberichten wird jedes 200. Baby in Großbritannien mit einem Mitochondrien-Defekt geboren. Diese Kinder leiden später unter Muskelkrankheiten, neurodegenerativen Krankheiten sowie bestimmten Formen von Diabetes und Krebs. Sogar Alzheimer, Parkinson und Chorea Huntington könnten aufgrund der Mitochondrien-Defekte entstehen. Meist sind Körperteile betroffen, die besonders viel Energie benötigen wie Herz, Gehirn oder Leber. Heilung ist nicht möglich, nur die Symptome sind behandelbar.

In Deutschland ist die umstrittene Befruchtungsmethode derzeit kein Thema. Eizellspenden sind generell verboten und auch sonst sind die Gesetze strenger. Kritiker halten diese Befruchtungstechnik für unethisch. 

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Von Petra Funk
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