11.11.2014, 12:30 Uhr | 0 |

Klinische Studien beginnen Impfstoff gegen Ebola steht kurz vor der Marktreife

In Hamburg startet gerade die klinische Studie eines Ebola-Impfstoffs an 30 Freiwilligen. Ist der Test erfolgreich, soll das Medikament im Herbst auf den Markt kommen. Parallel laufen weltweit ähnliche Studien: Die Impfungen sollen so bald wie möglich auch direkt in den Krisengebieten getestet werden. In Deutschland rechnet man demnächst ebenfalls mit ersten Verdachtsfällen – nicht zuletzt wegen der beginnenden Grippe-Saison.

Ebola-Impfstoff wird getestet
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Ein Ebola-Impfstoff wird derzeit in Hamburg in einer klinischen Studie an 30 freiwilligen gesunden Menschen getestet. Läuft alles nach Plan, soll das Medikament im Herbst auf den Markt kommen. Parallel laufen weltweit ähnliche Studien.

Foto: dpa/Keystone

Im Kampf gegen die Infektionskrankheit Ebola, die derzeit in Westafrika wütet, stehen die Forscher gerade vor einem wichtigen Schritt. Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) beginnt die klinische Prüfung eines Impfstoffes mit der Bezeichnung rVSV- ZEBOV gegen die Krankheit. 30 gesunden Erwachsenen soll das Mittel gespritzt werden, um so die Sicherheit und Verträglichkeit des Stoffes zu überprüfen. Zuvor hatte es eine Reihe von prä- und nichtklinischen Studien unter anderem an Labortieren gegeben. Dabei hatte der Stoff tatsächlich zum Schutz vor der Infektion mit dem Ebola-Virus beigetragen.

Immunsystem bildet Antikörper

Der zu testende Impfstoff ist von der Weltgesundheitsorganisation WHO zur Verfügung gestellt worden. Bei rVSV- ZEBOV handelt es sich um ein abgeschwächtes, gentechnisch verändertes Vesikuläres Stomatitis-Virus (VSV). Es trägt einen Teil des Ebola-Virus, genauer gesagt ein Oberflächenprotein. Dieses steckt den Geimpften nicht mit Ebola an, bringt das Immunsystem aber dazu, Antikörper zu bilden, die dann vor der Krankheit schützen. Bisherige Erkenntnisse zeigen, dass dieser Schutz rasch eintritt und eine einzige Dosis des Impfstoffs ausreicht. Möglicherweise hilft der Wirkstoff auch noch, wenn er unmittelbar nach einer Infektion verabreicht wird.

Geleitet wird die Studie von der Infektionsmedizinerin Prof. Marylyn Addo, die für das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) am UKE tätig ist. Mit im Boot ist Prof. Stephan Becker, Direktor des Instituts für Virologie der Philipps-Universität Marburg und Koordinator des DZIF-Schwerpunkts „Neu auftretende Infektionskrankheiten“. Bei der Planung und Begleitung der Studie, die vom DZIF und vom Bundesministerium für Gesundheit sowie vom britischen Wellcome Trust finanziell unterstützt wird, arbeiten DZIF und das Studienzentrum North am UKE eng zusammen. Die Hamburger Studie ist eine von mehreren – andere Impfstoffe werden zurzeit in den USA, Kenia, Gabun und anderen europäischen Ländern getestet.

Tests so bald wie möglich auch in Afrika

Die Teams um Addo und Becker sind Teilnehmer eines unter Führung der WHO gegründeten internationalen Experten-Konsortiums (VEBCON), das einen möglichst frühzeitigen Test des Impfstoffs in Afrika anstrebt. Die Studie in Deutschland wird voraussichtlich etwa ein halbes Jahr dauern. Wenn die Verträglichkeit gewährleistet ist, kann der Stoff in großen Mengen produziert werden.

Dutzende Gummistiefel werden in Gueckedou (Guinea) im Ebola-Behandlungszentrum nach dem Desinfizieren getrocknet. Überlebende der Ebola-Erkrankung, nun immun, organisieren in Guinea Hilfe zur Selbsthilfe. Während einige von ihnen die Kinder von Erkrankten betreuen, kämpfen andere gegen Stigmatisierung, beteiligen sich an Aufklärungskampagnen oder pflegen Patienten. Foto: Kristin Palitza/dpa (zu dpa «Der Mut der Überlebenden - Geheilte Ebola-Patienten helfen Erkrankten» vom 04.11.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Dutzende Gummistiefel werden in Gueckedou (Guinea) im Ebola-Behandlungszentrum nach dem Desinfizieren getrocknet. Überlebende der Ebola-Erkrankung, nun immun, organisieren in Guinea Hilfe zur Selbsthilfe. 

Foto: dpa/Kristin Palitza

So lange will VEBCON aber nicht warten: Die Tests sollen so schnell wie möglich auch in Afrika begonnen werden. „Wir rechnen damit, dass wir wenige Monate nach Studienbeginn alle notwendigen Daten zusammen haben, um zu beurteilen, ob die klinische Entwicklung fortgeführt und ausgeweitet werden kann und dann auch Menschen in den Epidemie-Gebieten geimpft werden können“, erklärt Stephan Becker.

Ebola-Epidemie hat bereits über 5000 Opfer gefordert

Für Afrika ist es höchste Zeit, dass ein wirksames Mittel gegen Ebola gefunden wird. Die Infektion verläuft häufig tödlich – eine Therapie gibt es noch nicht, von der Linderung einzelner Symptome einmal abgesehen. Übertragen wird die Krankheit über Körperflüssigkeiten, über den Verzehr infizierter Tiere und über kontaminierte Gegenstände, nicht aber über die Luft. Die Inkubationszeit ist mit bis zu 21 Tagen relativ lang – bis zum Ausbruch der Krankheit sind die Infizierten jedoch nicht ansteckend.  

Trotz des hohen Tempos, das VEBCON und alle anderen Beteiligten im Kampf gegen die Seuche nun vorlegen, kommt der Impfstoff für viele Menschen zu spät: Die Epidemie hat bereits über 5000 Opfer vor allem in Sierra Leone, Nigeria, Liberia, Guinea gefordert. Die Hoffnung ist nun, ein weiteres Ausbreiten zu verhindern: „Ein Impfstoff gegen Ebola wäre auf längere Sicht ein Segen für die Menschen in den betroffenen Regionen“, betont Becker.

Schulungsbedarf in deutschen Notaufnahmen

Doch auch in Deutschland und anderen nichtafrikanischen Ländern könnte es Bedarf geben – zumindest wird wohl die Zahl an Verdachtsfällen steigen. So kommen demnächst vermehrt Helfer von Einsätzen in afrikanischen Ebola-Gebieten zurück, die zumindest theoretisch infiziert sein könnten. Zudem beginnt gerade die Grippe-Saison – und die Symptome wie zum Beispiel erhöhte Temperatur, Erbrechen und Durchfall ähneln denen von Ebola.

Die Laborassistentin Erna Fleischmann (l-r), der Oberfeldwebel Philipp Vette und der Hauptbootsmann Stephan Motzkus üben am 31.10.2014 in München (Bayern) im Trainingsbereich im Mikrobiologischen Institut der Bundeswehr die Arbeitsabläufe beim Test von Blutproben auf Ebolaviren. Derzeit werden acht Soldatinnen und Soldaten im Umgang mit der verlegbaren Laborausstattung der Bundeswehr für den Einsatz in Ebola-Gebieten geschult. Foto: Tobias Hase/dpa (zu dpa Korr: "In 48 Stunden einsatzbereit: Mobiles Labor im Kampf gegen Ebola" am 01.11.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Mobiles Ebola-Labor der Bundeswehr: Seit Anfang November werden acht Soldatinnen und Soldaten im Umgang mit der verlegbaren Laborausstattung der Bundeswehr für den Einsatz in Ebola-Gebieten geschult. 

Foto: dpa-tmn

Sieben Behandlungszentren gibt es in ganz Deutschland, die auf insgesamt 50 tatsächliche Fälle eingestellt sind – für das Screening und für die Isolation von Verdachtsfällen sind sie allerdings nicht vorgesehen. Schulungs- und Regelungsbedarf sehen Experten daher in Notaufnahmen und bei Laborpersonal: Hier müsse es klare Regelungen geben, wie mit potenziell ansteckenden Verdachtsfällen umzugehen sei – von der vorsorglichen Isolation der Patienten bis hin zur diagnostischen Blutuntersuchung. 

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Von Judith Bexten
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