20.11.2013, 15:02 Uhr | 0 |

UNTERSCHIEDE IN HIRNAKTIVITÄT Frühaufsteher und Nachtmenschen ticken wirklich anders

Die einen gehen gerade ins Bett, da schnüren sich die anderen schon die Joggingschuhe für den erfrischenden Morgenlauf. Der Grund dafür liegt nicht im Lebenswandel, sondern im Gehirn.

Morgenmuffel
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Morgenmuffel oder Frühaufsteher: Nach einer aktuellen Studie des Forschungszentrums Jülich lässt sich dies anhand der Signalübertragung in der weißen Hirnsubstanz erkennen.  

Foto: dpa

Ist ein weiteres Rätsel der Menschheit gelöst? Wissen wir endlich, warum manche Menschen die Nacht zum Tag machen, während andere bei der Tagesschau schon einschlafen? Beinahe. Klar ist jedenfalls nach der neuesten Studie des Forschungszentrums Jülich, dass Nachteulen und Frühaufsteher wirklich unterschiedlich ticken. Wissenschaftlich gesagt: Die Signalübertragung in der weißen Hirnsubstanz zeigt deutliche Differenzen.

Die Jülicher Wissenschaftler haben das bei speziellen Untersuchungen im Kernspintomografen herausgefunden. Die weiße Hirnsubstanz besteht vor allem aus Nervenfasern, die vorrangig für die Übertragung von Informationen zuständig sind. Sie sorgen unter anderem dafür, dass wir sprechen und uns erinnern können.

Tipp: Lange ausschlafen

Von „Störungen“ sprechen die Forscher nicht – die Abläufe sind einfach unterschiedlich. Dennoch: Die Nachteulen haben weitaus häufiger als die Frühaufsteher und die normalen „Chronotypen“ Depressionen. Sie rauchen und trinken auch öfter. Meistens kollidiert ihre innere Uhr mit den gesellschaftlichen Konventionen, etwa vorgegebenen Arbeitszeiten. „Das dauernde Schlafdefizit eines extrem späten Chronotypen lässt sich mit einem chronischen Jetlag vergleichen“, sagt Dr. Jessica Rosenberg vom Institut für Neurowissenschaften und Medizin des FZ Jülich.

Auf den Experten-Tipp für den Ausgleich dieses Dauer-Jetlags, den die Wissenschaftlerin zitiert, ist so mancher Betroffene sicher schon selbst gekommen: Langes Ausschlafen an freien Tagen. Da stellt sich die Frage, ob man dem Problem nicht grundlegender beikommen kann. Dafür müsste aber noch eine entscheidende Frage geklärt werden: Sind die Unterschiede in der Hirnaktivität die Ursache oder vielmehr die Folge der verschiedenen Schlafrhythmen?

Verein der Spätmenschen

Die Jülicher können darüber keine Aussage treffen. Dafür seien weitere Studien notwendig, sagt Jessica Rosenberg. Wer extrem unter Schlafmangel leide, dem könne womöglich eine professionelle Lichttherapie helfen. Damit können die individuellen Schlaf- und Wachphasen künstlich verschoben werden.

Mehr als 80 Prozent der Menschen haben einen normalen, gesunden Tag/Nacht-Rhythmus. Der Rest beschreibt sich entweder als Frühaufsteher oder Spätschläfer – wobei die Frühaufsteher als die glücklicheren Menschen gelten. Allerdings sollen nach einer in der Süddeutschen Zeitung zitierten Studie die Nachteulen im Durchschnitt wohlhabender sein. Manche von ihnen sind sogar organisiert: Seit 20 Jahren gibt es in Deutschland den Verein „Delta T – Verein für Zweitnormalität e.V.“ Der Klub „für Spätmenschen und Langschläfer“ setzt sich durchaus seriös für wissenschaftliche Untersuchungen zu dem Phänomen ein – und für gesellschaftliche Akzeptanz, weil es eben keine bloße Frage des guten Willens sei, morgens rechtzeitig fit zu sein. Eine Auffassung, die die neue Jülicher Studie stützt. Das Motto des Vereins: „Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, sind wir da, wo’s schöner ist!“

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Von Werner Grosch
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