11.12.2013, 13:45 Uhr | 0 |

HALO startet zu seinem ersten Flug Forschungsflugzeug untersucht Wolkenbildung aus unmittelbarer Nähe

Es fliegt von Bayern nach Barbados. An Bord hat das Flugzeug HALO aber keine sonnenhungrigen Urlauber, sondern vor allem Messgeräte. Für die Wolken unterwegs. Klimaforscher wollen an ihnen zum ersten Mal Messungen von oben vornehmen.

Forschungsflugzeug HALO
Á

Das Forschungsflugzeug HALO basiert auf dem Ultra-Long Range Business Jet G 550 der Firma Gulfstream Aerospace. Mit einer Reichweite von weit mehr als 8000 Kilometern sind mit HALO erstmals Messungen auf der Skala von Kontinenten möglich: Alle Regionen von den Polen bis zu den Tropen und den abgelegenen Gebieten des Pazifiks kann das Forschungsflugzeug erreichen. Die maximale Flughöhe von über 15 Kilometern ermöglicht auch Messungen in der unteren Stratosphäre, außerhalb der Tropen. Unter dem Rumpf sowie unter den Tragflächen von HALO können zusätzlich Behälter für wissenschaftliche Instrumente befestigt werden.

Foto: DLR

Die Wissenschaftler erwarten von den HALO-Flügen genauere Informationen über die Beschaffenheit der tropischen Bewölkung. Wolken spielen eine besondere Rolle im globalen Klimaprozess – viele Faktoren zur Wolkenbildung sind aber bislang unbekannt. Die Forschungen dazu wurden bislang entweder von Messstationen vom Boden aus oder von Satelliten aus dem Weltraum betrieben. Mit HALO kommen die Forscher zum ersten Mal wirklich nah an die Wolken ran.

Fliegende Messstation

HALO (High Altitude and Long Range Research Aircraft) verbirgt in seinem Bauch eine Reihe von Messgeräten, unter anderem das „HALO Microwave Package“ (HAMP), das aus einem Wolkenradar und passiven Mikrowellenradiometern besteht. HAMP kann beispielsweise den Gesamtwassergehalt der Wolke und die Niederschlagsrate bestimmen.

„Mit HALO können wir erstmals über weite Distanzen und aus sehr großer Höhe vertikale Profile von Wasser, Wasserdampf und Eis in der Atmosphäre messen, Wolken und Niederschlag erfassen, gleichzeitig aber auch Aerosolpartikel, um die herum sich neue Wolkentröpfchen bilden“, erläutert Bjorn Stevens vom Max-Planck-Institut für Meteorologie (MPI-M). Für ihn beginnt mit dem ersten HALO-Flug eine neue Ära in der flugzeuggestützten Atmosphärenforschung. Der Flieger ist eine Gemeinschaftsinitiative deutscher Umwelt- und Klimaforschungseinrichtungen und wird vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betrieben.

Dropsonden untersuchen von oben nach unten

Während des Fluges werden vertikale Profile von Temperatur und Feuchtigkeit sowie die Verteilung von Wolkentröpfchen und Schmutzpartikeln untersucht. Radiosonden, die normalerweise mit einem Wetterballon von der Erde in die Atmosphäre geschickt werden, nehmen von HALO aus den umgekehrten Weg nach unten und heißen deshalb „Dropsonden“. Die jeweils zehnstündigen Flüge über den Atlantik vom DLR-Flughafen in Oberpfaffenhofen bis Barbados ergänzen dabei stationäre Messungen am Wolkenobservatorium auf Barbados.

Mehr als fünf Jahre Vorbereitungszeit lagen vor dem ersten Start von HALO. Die Route Oberpfaffenhofen – Barbados und zurück soll im Dezember 2013 insgesamt dreimal geflogen werden.

Beim zweiten Flug ist außerdem ein Lokalflug von Barbados in Richtung Osten durch die Passatbewölkung geplant. Ziel ist es, die Wolken zu erfassen, die direkt auf die Barbados-Messstation zuströmen – und mit den Daten der Messstation an Land abzugleichen. Auf Hin- und Rückflug sollen im Idealfall auch Vergleichsmessungen mit dem Satelliten CloudSat durchgeführt werden. Der Satellit vermisst die atlantische Bewölkung in Bahnen quer zur Flugroute.

Im Januar fliegt HALO die Nordroute

Im Januar beginnt der zweite Teil der Mission. HALO wird auf Island stationiert, um die Rückseiten von Fronten über dem Nordatlantik zu untersuchen. Damit soll ein blinder Fleck auf der Klimakarte der Erde geschlossen werden: Satellitenbeobachtungen und Modellrechnungen machen unterschiedliche Angaben darüber, wie viel Niederschlag dort fällt. „Es fehlen Messwerte, weil in diesen typischen Sturmzonen keine Schiffe fahren“, erläutert Projektleiter Felix Ament vom Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN) der Universität Hamburg. 

Anzeige
Von Andrea Ziech
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
DLR
Klima
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden