20.03.2014, 12:03 Uhr | 0 |

Nachahmungsversuche scheitern Forscher zweifeln an revolutionärer japanischer Methode zur Stammzellenerzeugung

Immer mehr Forscher scheitern am angeblich revolutionären Verfahren zur Stammzellenerzeugung aus Japan. Die Wissenschaftlerin Haruko Obokata hatte behauptet, aus Blutzellen von Mäusen im einfachen Säurebad Stammzellen hergestellt zu haben. Jetzt rechtfertigt sie ihren Durchbruch und veröffentlicht im Internet eine genaue Versuchsanleitung. 

Embryo einer Maus
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Die japanischen Wissenschaftler veröffentlichten diese Fotos eines Mäuseembryos. Angeblich haben sie ihn aus Stammzellen gezüchtet, die sie mit der neuen Methode gewonnen hatten. 

Foto: Riken Research

Die neue Methode zur Erzeugung von Stammzellen aus Japan erregte vor allem deshalb Aufsehen, weil sie im Gegensatz zu früheren Vorgehensweisen einen sehr viel einfacheren und effizienteren Prozess beschrieb. Um Stammzellen zu erzeugen, tauchten Forscher Blutzellen von Mäusen eine gute halbe Stunde in ein Bad aus Zitronensäure. Das ergab eine besonders große Zahl an pluripotenten Stammzellen.

Dabei kamen sofort zwei Fragen auf. Erstens, warum diese einfache Methode nicht schon früher entdeckt wurde, und zweitens, warum diese Entdeckung ausgerechnet einer Frau aus Japan im Alleingang gelang. Haruko Obokata hatte bereits im April 2012 in einer Arbeit über die Produktion dieser sogenannten STAP-Zellen berichtet. Das britische Magazin Nature lehnte damals die Veröffentlichung mit der Begründung ab, dass sich ihre einfache Herstellung von Stammzellen über ein Jahrzehnt der Zellbiologie lustig mache. So gelang ihr die Publikation auch erst im zweiten Anlauf gemeinsam mit ihrem Professor.

Internationale Zellforscher zweifeln am Wahrheitsgehalt der Methode

Viele internationale Forscher, die diesen auf den ersten Blick einfachen Prozess nachahmen wollten, sind bislang erfolglos geblieben. Das führt jetzt zu heftiger Kritik und Zweifel der Zellforscher an der Alternativ-Methode.

Inzwischen hat das Zentrum für Entwicklungsbiologie des Forschungsinstituts Riken im japanischen Kobe auf den Schwall an Kritik mit der Veröffentlichung einer genauen Anleitung für den Laborprozess reagiert und neue Tipps für die Verfahrensweise bei der Erzeugung von Stammzellen mittels Säureschock gegeben. Die Anleitungen sind auf dem Online Protocol Exchange des britischen Journals Nature zu finden, eine PDF-Version steht auch auf der Website des Riken Institutes zur Verfügung. Gleichzeitig bereiten die Riken-Forscher einen noch sehr viel umfangreicheren Report mit Schritt-für-Schritt Anleitungen vor.

Japaner sehen Fehler im Versuchsaufbau der Kollegen 

Wie aus der zehnseitigen Anleitung deutlich wird, ist der Prozess nicht so einfach, wie viele Forscher anfangs erwartet hatten. So lässt sich das japanische Ergebnis im Labor nicht dadurch erzielen, dass Mäusezellen einfach in Zitronensäure getaucht werden. Vielmehr muss dabei ein strenges Protokoll eingehalten werden. Unter anderem muss darauf geachtet werden, dass die Zellen beim Waschen nicht kontaminiert werden. Hinzu kommt, dass die Zellen vorzugsweise von weniger als eine Woche alten männlichen Mäusen stammen sollten.

Keiner der Zellforscher hat in den jüngsten Versuchen den gleichen Zelltyp wie Obokata benutzt. Qi Zhou, ein Klon-Spezialist am Institute of Zoology in Beijing, sieht bislang dabei noch kein Problem. „Die Einrichtung des Systems ist aber trickreich“, so Qi Zhou.

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Von Peter Odrich
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