16.06.2016, 13:01 Uhr | 0 |

Einstein würde jubeln Forscher weisen erneut Gravitationswellen nach

Innerhalb von nur vier Monaten haben Forscher erneut Gravitationswellen aus den Tiefen des Weltalls aufgespürt. Im Februar 2016 gelang erstmals der letzte Beweis für die Gültigkeit der allgemeinen Relativitätstheorie. Jetzt legten Astronomen noch einmal nach. Bestätigten Albert Einstein erneut, der persönlich 100 Jahre zuvor die Existenz dieser geheimnisvollen Wellen vorhergesagt hat.

Erneut Gravitationswellen entdeckt
Á

Erneut konnten jetzt Gravitationswellen nachgewiesen werden – und damit die Relativitätstheorie von Einstein zum zweiten Mal bestätigt werden.

Foto: S. Ossokine/A. Buonanno/ T. Dietrich/R. Haas/Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik/dpa

Kurioserweise hatte die weltweite Gilde der Gravitationswellenjäger bei der Verkündung im Februar 2016 schon deutliche Hinweise auf ein weiteres ähnlich spektakuläres kosmisches Ereignis. Doch sie beschlossen, dieses noch geheim zu halten – bis die Messergebnisse ausgewertet waren. Nun haben sie ihre Ergebnisse gestern anlässlich der Jahrestagung der Amerikanischen Astronomischen Gesellschaft in San Diego vorgestellt. 

Kosmisches Weihnachtsgeschenk

Es geschah am 26. Dezember 2015 um 04:38:53 Uhr MEZ: Exakt in dieser Sekunde erzitterte in Livingstone im amerikanischen Bundesstaat Louisiana die Raumzeit, nur 1,1 Millisekunden später kräuselte sich im 3000 Kilometer nordwestlich gelegenen Hanford im Bundesstaat Washington die Raumzeit.

An diesen beiden Orten stehen die beiden Ligo-Detektoren. Das sind jeweils vier Kilometer lange Vakuum-Röhren, die im rechten Winkel zueinander im Boden liegen. Treffen Gravitationswellen auf die Erde, so verändern sie die Längen dieser beiden Röhren um den Bruchteil eines Atom-Durchmessers. Und diese winzige Veränderung können die Forscher mit Laserlicht erfassen.

27 Umkreisungen gemessen

Es waren zwei schwarze Löcher von 8 und 14 Sonnenmassen, die vor etwa 1,5 Milliarden Jahren ineinander gekracht sind. Insgesamt sind sie 27 Mal umeinander gekreist, ehe sie endgültig miteinander verschmolzen. Eine volle Sekunde konnten die Astro-Forscher den spektakulären kosmischen Tanz verfolgen. Die Masse einer ganzen Sonne wurde bei diesem kosmischen Crash in Form von Gravitationswellen-Energie ins All abgestrahlt.

„Wegen ihrer gegenüber der ersten Beobachtung geringeren Masse verbrachten sie mehr Zeit im empfindlichen Bereich der Detektoren, etwa eine Sekunde“, berichtet die wissenschaftliche Ligo-Sprecherin Prof. Gabriela González von der Louisiana State University. „Es ist ein vielversprechender Anfang, um die Populationen Schwarzer Löcher in unserem Universum zu kartieren.“ 

Das erste entscheidende Signal war den Astroforschern am 14. September 2015 ins Netz gegangen. Es war der Nachhall eines gewaltigen Crashs vor rund 1,3 Milliarden Jahren im Universum. Ein schwarzes Loch, so schwer wie 29 Sonnen, kollidierte mit einem anderen schwarzen Loch mit 36-facher Sonnenmasse.

„Auf dem Weg zur echten Gravitations-Astronomie“ 

Nun also gibt es die nächste Sensation zu feiern: „Mit dieser zweiten Beobachtung sind wir wirklich auf dem Weg zur echten Gravitations-Astronomie“, betont auch der am Ligo beteiligte deutsche Gravitationswellen-Pionier Prof. Karsten Danzmann, Direktor am Albert-Einstein-Institut (AEI) der Max-Planck-Gesellschaft in Hannover.

Videoquelle: MaxPlanckSociety

„Wir können nun anfangen, eine Vielzahl von Quellen auf der unbekannten dunklen Seite des Universums zu erforschen“, unterstreicht Danzmann, der auch das Institut für Gravitationsforschung der Leibniz-Universität Hannover leitet. Die Jagd nach Gravitationswellen – sie geht weiter.

Anzeige
Von Detlef Stoller
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden