09.11.2016, 10:29 Uhr | 0 |

Intelligente Banknoten Fälschungssicher: Geldscheine sollen künftig einen Lebenslauf bei sich tragen

Forscher in Lemgo entwickeln Geldscheine, die mit optischen Speichern ausgestattet sind. Darin sind die Lebensläufe aufgelistet, die Lesegeräte an den Kassen auslesen. Gefälschte Banknoten haben keinen Lebenslauf.

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Banknoten sollen smart werden. Lemgoer Forscher arbeiten daran, Geldscheine mit chemischen Substanzen auszustatten, die optisch veränderbar sind und als Datenspeicher genutzt werden können.

Foto: Jens Wolf/dpa

Mit Bargeld bezahlen ist beliebt. Während Scheckkarten gesperrt werden können, wenn der Besitzer seine Kreditwürdigkeit verloren hat, kann er mit Scheinen und Münzen weiterhin einkaufen. „Banknoten sind anonyme Zahlungsmittel und diskriminierungsfrei“, sagt Professor Volker Lohweg vom Institut für industrielle Informationstechnik der Fachhochschule Ostwestfalen-Lippe in Lemgo. Er leitet ein Team aus Wissenschaftlern und Industrieforschern, die ein ehrgeiziges Ziel haben: Die Entwicklung einer intelligenten Banknote.

Die smarte Banknote wird am Point of Sale, etwa der Kasse eines Supermarktes, mit dem Lesegerät kommunizieren. Sie sagt ihm, wenn sie gerade ausgegeben worden ist, dass sie frisch aus der Druckerei kommt, also keine Fälschung ist. Hat sie schon einige Zahlungsvorgänge auf dem Buckel teilt sie auch das mit. „Das ist eine Art Lebensscheckheft“, sagt Lohweg. Man könne sich das vorstellen wie das Scheckheft eines Autos, in dem die Inspektionen aufgelistet sind. Gefälschte Banknoten haben keinen Lebenslauf.

Biophotonische und optische Methoden

Wie genau die Informationen auf den Banknoten gespeichert und ausgelesen werden ist noch offen. „Auf jeden Fall wenden wir biophotonische und optische Methoden an“, sagt Lohweg. Denkbar wären Farbänderungen, hinter denen sich die Informationen verbergen. Doch das allein wäre bei weitem zu unsicher, weil Fälscher leichtes Spiel hätten. „In drei Jahren kann ich ihnen sagen, wie wir es gemacht haben“, sagt Lohweg. „Es ist schließlich ein Forschungsprojekt.“

intelligenten Banknote. Sie wird am Point of Sale, etwa der Kasse eines Supermarktes, mit dem Lesegerät kommunizieren fach eifacDas Geldfach einer Ladenkasse ist am 13.05.2015 in Lützow (Mecklenburg-Vorpommern) zu sehen. Das statistische Bundesamt veröffentlicht am 13.05.2015 Daten zum deutschen Bruttoinlandsprodukt (BIP) im 1. Quartal 2015. Foto: Jens Büttner/dpa (zu dpa "Deutsche Wirtschaft im 1. Quartal um 0,3 Prozent gewachsen" vom 13.05.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Die intelligente Banknote der Zukunft soll beim Bezahlen mit dem Lesegerät an der Kasse kommunizieren und ihren Werdegang offen legen.

Foto: Jens Büttner/dpa

Auch aus patentrechtlichen Gründe nennt er keine Details. Professor Hans-Jürgen Danneel vom OWL-Institut für Lebensmitteltechnologie, der ebenfalls an dem Projekt beteiligt ist, formuliert es so: „Chemische Substanzen werden so auf die Banknote aufgebracht, dass sie optisch veränderbar sind und wie ein Speicher verwendet werden können.“

Strom spielt keine Rolle

Klar ist nur, dass die Banknote ganz ohne Strom auskommt, also weder eine ultraflache Batterie hat noch ein Empfangsgerät für die drahtlose Stromübertragung. Diese Geräte würden den Stress nicht aushalten, dem ein Geldschein ausgesetzt ist, etwa wenn er einfach in die Hosentasche gesteckt wird.

Intelligenter Schutz im Zahlungsverkehr durch smarte Banknoten, kurz SmartBN, heißt das Forschungsprojekt, an dem industrieseitig der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer beteiligt ist. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert die Entwicklung mit rund 800.000 Euro.

Aber auch beim bargeldlosen Zahlungsverkehr gibt es stetig Neuerungen, um die Sicherheit zu verbessern – beim Bezahlen mit dem Smartphone zum Beispiel eine Gesichtserkennungssoftware.

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Von Wolfgang Kempkens
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