17.09.2015, 10:42 Uhr | 0 |

NEUE PISA-STUDIE Ein Computer macht noch keinen besseren Schüler

Ob Mathe, Naturwissenschaften oder Lesekompetenz – die Länder, die massiv in die Computerausstattung der Schulen investiert haben, konnten damit allein noch keine besseren Leistungen bei den Schülern erreichen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Pisa-Studie. Trotzdem soll Deutschland in diesem Punkt endlich aufholen.

Tablet im Unterricht
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Rein statistisch müssen sich in Deutschland 4,2 Schüler einen Computer teilen. 

Foto: Arne Dedert/dpa

Rein statistisch müssen sich in Deutschland 4,2 Schüler einen Computer teilen. Das jedenfalls ist der Stand des Jahres 2012, auf dem die neue PISA-Untersuchung basiert. Und weil Deutschland damit nur auf Platz 28 unter 34 OECD-Mitgliedsstaaten liegt, wird der Ruf nach besserer Ausstattung für die Schulen natürlich wieder laut. Ein Rang hinter Ländern wie Kasachstan und Kolumbien macht sich eben nie gut.

Allerdings wäre mit mehr Rechnern pro Kind das Problem noch nicht gelöst – genau das ist die Kernaussage des neuen Reports. Denn selbst die Länder, die massiv in die Computerausstattung investiert und eine deutlich bessere Quote erreicht haben, konnten damit das Leistungsniveau ihrer Schüler in Mathe, Naturwissenschaften oder Lesen nicht spürbar heben. Ein Beispiel dafür ist Norwegen, wo das Verhältnis doppelt so gut ist. In Australien soll es der Untersuchung zufolge sogar mehr für den Unterricht verfügbare Rechner geben als Schüler. An die Spitze der Bildungsnationen hat das die Australier noch nicht gespült.

Hohe digitale Kompetenz fast ohne Computer

Ein weiterer Beleg dafür, dass die Computerquote in Schulen allein noch nichts über die digitalen Kompetenzen, die vermitteln werden, aussagt, ist dieser: Bei genau diesen Fähigkeiten liegen im OECD-Vergleich Korea und Schanghai-China (China wurde in verschiedene Regionen unterteilt) vorne. Zwei Länder, in denen jeweils nur gut ein Drittel der Schüler überhaupt Computer in der Schule nutzen kann. Dennoch schnitten sie besonders gut dabei ab, Informationsquellen im Internet zu selektieren und zu bewerten und damit zu guten Ergebnissen zu kommen.

ARCHIV - Eine Schülerin hält am 20.05.2015 in einem Klassenzimmer im Theodor-Heuss-Gymnasium in Esslingen (Baden-Württemberg) während des Englischunterrichts der Klasse 5e einen Rotstift in der Hand. Foto: Marijan Murat/dpa (zu dpa-Berichterstattung über Schulanfang vom 14.09.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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In vielen deutschen Schulen mangelt es an Computern. Was das anbelangt belegt die Bundesrepublik nur Platz 28 unter 34 OECD-Mitgliedsstaaten.

Foto: Marijan Murat/dpa

Für die OECD-Experten wie den deutschen Bildungskoordinator Andreas Schleicher ist die Interpretation dieser Ergebnisse klar: Ein Computer macht noch keinen digital native. Entscheidend ist eben vielmehr, wie die digitale Technik im Bildungssystem integriert und eingesetzt wird.

Computereinsatz im Unterricht: Qualität entscheidend

Ein besonders interessantes Ergebnis ist, dass moderne Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) vor allem in solchen Ländern eingesetzt wird, wo der Unterricht beispielsweise in Mathematik besonders praxisnah gestaltet wird. „Dort, wo es um Probleme der realen Welt geht, ob in Ingenieursdisziplinen, Biologie oder dem Finanzwesen, werden Computer häufiger eingesetzt“, heißt es in der Studie.

Nur da, wo Computer und Internet gezielt genutzt werden, um die Lernzeit und -intensität zu steigern, bringe sie auch Erfolge, resümieren die Autoren. Qualität kommt also vor Quantität. Eine solche Erkenntnis, wenig überraschend, erstaunt umso weniger, wenn man sich eine weitere Kernaussage der Untersuchung anschaut: Sozial benachteiligte Schüler verbringen bei der Internetnutzung besonders viel Zeit mit Videos, Spielen und in Chatforen, während besser gestellte Schüler öfter nach Informationen suchen. Letztere sind dann auch in der Schule besser. Und das war in der vordigitalen Zeit mit Büchern und Fernsehen schon so ähnlich.

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Von Werner Grosch
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