23.05.2013, 12:55 Uhr | 0 |

Gefahr durch Asteroiden ESA startet Frühwarnsystem für Himmelskörper auf Kollisionskurs

Die Europäische Weltraumagentur ESA hat in Italien ein Frühwarnsystem in Betrieb genommen, um Asteroiden zu beobachten. Das „Koordinierungszentrum für erdnahe Objekte“ soll die Bahnen von Asteroiden, die mit der Erde kollidieren könnten, berechnen.

Künstlerische Darstellung eines Asteroiden, der an der Erde vorbeifliegt.
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Künstlerische Darstellung eines Asteroiden, der an der Erde vorbeifliegt. 

Foto: ESA/P. Carril

NEOs nennen die Weltraumforscher die erdnahen Objekte (Near-Earth Objects), die auf ihrem Orbit um die Sonne auch die Erdumlaufbahn kreuzen. Von den über 600.000 uns bekannten Asteroiden in unserem Sonnensystem sind etwa 10.000 NEOs. Ihre Größe reicht von einem Meter bis zu Dutzenden von Kilometern. Das neue Koordinationszentrum in Frascati südlich von Rom soll nun die Beobachtung der NEOs koordinieren und frühzeitig Alarm schlagen, wenn einer der Himmelskörper auf Kollisionskurs mit der Erde ist.

Asteroideneinschlag in Russland richtete großen Schaden an

Der Einschlag von Gesteinsbrocken auf der Erde ist an sich nichts Ungewöhnliches. Meistens bekommen wir davon gar nichts mit, denn die Objekte sind so klein, dass sie in der Erdatmosphäre verglühen. Wie dramatisch die Auswirkungen aber sein können, wenn ein größerer Asteroid uns zu nahe kommt, zeigte sich erst vor wenigen Monaten, im Februar 2013. Ein unbekanntes Objekt mit einem geschätzten Durchmesser von 17 bis 20 Metern und einer Geschwindigkeit von 66.000 Kilometern pro Stunde explodierte hoch über der russischen Stadt Tscheljabinsk. Die Energie dieses Asteroiden war 20 bis 30 Mal so groß wie die der Hiroshima-Bombe. Die Schockwelle verursachte weitreichende Schäden.


„Es ist wichtig, dass wir uns über die derzeitigen und zukünftigen Positionen von NEOs zu unserem Planeten bewusst werden, Schätzungen zu Einschlagswahrscheinlichkeiten entwickeln und die möglichen Folgen bewerten“, sagt Dr. Detlef Koschny. Er leitet die NEO-Aktivitäten im Rahmen des ESA-Programms für Space Situational Awareness (SSA), wozu auch das neue Koordinierungszentrum gehört. „Noch wichtiger ist es, dass wir darüber nachdenken, wie Warn-, Risikobegrenzungs- und mögliche Umlenkaktionen umgesetzt werden können. Dies ist nicht nur für Europa entscheidend, sondern für den ganzen Planeten.“

Mögliche Abwehrmodelle für Asteroiden sind bis jetzt rein theoretisch

Das SSA-Programm der ESA startete vor vier Jahren. In diesem Programm soll ein integriertes System entwickelt werden, das den Himmel jede Nacht nach bisher unentdeckten NEOs absucht. Außerdem wollen die Wissenschaftler Methoden untersuchen, wie größere NEOs mit einem ernsthaften Bedrohungspotenzial für unseren Planeten umgelenkt werden können.

Die von den Wissenschaftlern durchgespielten Abwehrmodelle für einen auf die Erde zusteuernden Asteroiden sind vorerst noch rein theoretischer Natur. Falls die Zeit ausreicht und die Kollisionsgefahr Jahre bis Jahrzehnte vorher bekannt ist, wäre es denkbar, eine Raumsonde ins All zu schicken. Sie würde gezielt einen „Auffahrunfall“ mit dem Asteroiden verursachen und ihn so von seiner Bahn ablenken. Möglicherweise könnte die Sonde den Himmelskörper auch, statt ihn direkt zu treffen, über einen längeren Zeitraum begleiten und ihn mit ihrer Anziehungskraft von seiner Richtung abbringen. Im Gespräch ist auch eine nukleare Explosion in der Nähe des Asteroiden, um ihn aus der Bahn zu werfen.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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