02.07.2013, 14:30 Uhr | 0 |

Service für Genominformatiker Digitale Erbgutdatenbank in Bielefeld installiert: „Ein phantastischer Moment“

Europas Wissenschaftler haben dank eines neuen Servers in Bielefeld jetzt einen schnelleren Zugang zum gespeicherten Erbgut des Menschen.

Server mit Daten des menschlichen Genoms
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Professor Dr. Jens Stoye (links) und Dr. Alexander Goesmann vom Centrum für Biotechnologie (CeBiTec) haben den Server mit den Daten des menschlichen Genoms in Betrieb genommen.

Foto: Universität Bielefeld

Seit dem 26. Juni findet sich unter der Internet-Adresse genome.ucsc.edu das Erbgut des Menschen und einiger Tiere. Für Laien interessant: Auch der Neandertaler, der vor 45 000 Jahren lebte, ist dort zu bewundern. Der zugehörige Server befindet sich in der Universität Bielefeld. Abrufbereit ist dort das Wissen, das bisher ausschließlich vom „UCSC Genome Browser“ der University of California in Santa Cruz zur Verfügung gestellt wurde. Genetiker und Molekularbiologen haben diesen Computer so eifrig angezapft, dass die transatlantischen Datenverbindungen an ihre Kapazitätsgrenze stießen. Deshalb entschlossen sich die Kalifornier, einen Rechner in Europa zu installieren, der exakt die gleichen Daten zur Verfügung stellt wie der in Kalifornien. Den Zuschlag für den europäischen Knotenpunkt des Genom-Servers erhielt das Centrum für Biotechnologie (CeBiTec) der westfälischen Hochschule.

„Das war ein phantastischer Moment, als die University of California sagte, dass sie die Bielefelder Bioinformatik für den besten Standort für den Server hält“, schwärmt Professor Jens Stoye, im CeBiTec Spezialist für Genominformatik. Die Bielefelder kommen für die Betriebskosten des Servers auf, die Kalifornier haben die Anschaffung finanziert und sind auch für die Wartung zuständig.

Die internationale Wissenschaftlergemeinde nutzt die digitale Erbgutdatenbank, um sich über den Aufbau und die Funktion der einzelnen Gene zu informieren. Der Browser stellt das menschliche Genom grafisch dar. Die Nutzer können die Chromosomen, also die Erbgutträger, am Bildschirm erkunden, können sie vergrößern und verkleinern und lesen, was Forscherkollegen aus aller Welt an Erkenntnissen gewonnen haben. Sie können auf der Seite eigene Gen-Sequenzen hochladen und sie mit den Genom-Daten vergleichen. Die kostenlose Datenbank wird auch im Studium von Naturwissenschaftlern und Medizinern genutzt.

Bakterien geben ihr Erbgut preis

Das Institut für Bioinformatik am CeBiTec trägt mit seiner Arbeit zum Forschungsschwerpunkt „Molekular- und Nanowissenschaften“ der Universität Bielefeld bei. In diesem breiten Feld hat sich die Universität an der Schnittstelle zwischen Physik, Chemie, Biologie und Bioinformatik national und international positioniert. Die aktuellen Arbeiten reichen von der Erforschung von Nanoschichten und Einzelmolekülen bis hin zur Analyse des Erbguts von Hefen, Pilzen und Bakterien. Die Bielefelder Forscher haben dazu Technologien entwickelt, die es ermöglichen, das Genom jedes biotechnologisch interessanten Bakterienstamms sehr schnell zu entschlüsseln – interessant beispielsweise für die Landwirtschaft.

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Von Wolfgang Kempkens
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