29.05.2017, 15:20 Uhr | 0 |

Jugend forscht 2017 Diese Schüler nehmen es mit Segway, Parrot & Co. auf

Erfindergeist kennt kein Alter. Das zeigte am Wochenende das Bundesfinale Jugend forscht, das Jugendliche für ihre Erfindungen und Forschungen auszeichnete.

Die Forscher von morgen möchte die Stiftung Jugend forscht mit ihrem alljährlichen Wettbewerb finden und fördern. Und Jahr für Jahr gibt es Entwicklungen, die uns staunen lassen. Ob Umweltschutz oder Tierliebe, ein Alltagsproblem aus der Fabrik oder dem Flugbetrieb – die Schüler und Auszubildenden sind kreativ und sie erschaffen neue Lösungen. "Wenn es um die Gestaltung der Welt von morgen geht, kommt es auf Sie als kluge Köpfe“, rief Bundesforschungsministerin Johanna Wanka den Teilnehmern des 52. Bundesfinales Jugend forscht am Wochenende zu. „Sie werden die Chance haben, Verantwortung zu übernehmen, sich für eine nachhaltige Entwicklung einzusetzen und gute Ideen zu verwirklichen.“

Mittlerweile gibt es viele Vorbilder

Tatsächlich sind viele ehemalige Jugend-forscht-Teilnehmer heute in verantwortungsvollen Positionen in Wirtschaft und Wissenschaft. So auch der diesjährige Bundespatenbeauftragte Frank Anton, der als Leiter eAircraft bei Siemens arbeitet. Mit einem selbstgebauten Gerät zur digitalen Erkennung und Decodierung von Morsesignalen hatte Anton 1975 den Bundessieg Technik abgeräumt.

In seine Fußstapfen traten in diesem Jahr 178 junge Problemlöser, 55 von ihnen als Einzelgänger, die ihr Projekt alleine vorangetrieben haben. Alleine bedeutet in diesem Fall ohne gleichaltrige Unterstützer, denn der Wettbewerb Jugend forscht wird üblicherweise von engagierten Lehrerinnen und Lehrern sowie außerschulischen Pädagogen begleitet. Wer die Statistiken ansieht, kann deutliche Hotspots der Nachwuchsförderung auf der deutschen Landkarte erkennen. Aber letztlich ist es der Wille der Teilnehmer, der über den Erfolg eines Projekts entscheidet und die Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis ins Bundesfinale bringt.

Konkurrenz für Segways und Üo‘s

Luca Fäth aus Bayern hat es verstanden, aus der Not eine Tugend zu machen. Weil ihm Segways und Hoverborads zu teuer erschienen und das auf einem Ball balancierende Üo noch nicht auf dem Markt ist, baute er sich selbst ein solches Gefährt. Das „self-balancing Unicycle“, wie er es nannte, fährt mit dem Rad eines Motorrollers und wird angetrieben durch einen Elektromotor. Der Clou aber: Über ausgefeilte Sensorik und einen Minicomputer, der irgendwo unter dem Sitz im Holzgehäuse steckt, sorgt das Unicycle selbst für sein Gleichgewicht.

Die Jury war überzeugt von dem bezahlbaren sowie kreativen Gefährt und zeichnete den 17-Jährigen mit dem ersten Preis in der Kategorie Technik aus. Der Preis ist mit 2500 Euro dotiert und wird wie alle Technikpreise vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) gestiftet.

Ein Mini-Helikopter mit Drehwurm

Einem Trendgerät nahm sich auch Frederik Dunschen aus Münster an. Der 18-Jährige entwickelte einen Monokopter, eine Drohnenart, die mit nur einem Rotorblatt auskommt. Davon gibt es viele auf dem Markt und das Konzept ist uralt – es soll erstmals von zwei Franzosen Anfang des 20. Jahrhunderts entworfen worden sein. Ihre Inspiration damals: ein Ahornblatt.

Der Münsteraner Jungforscher entwickelte seinen Monokopter aber weiter. Indem er das Rotorblatt mit zwei winzigen Propellern in Rotation versetzt, verleiht er seinem „roflCopter“ Auftrieb. Einmal in der Luft sorgt ein speziell entwickelter Algorithmus für eine stabile Lage. Die Lösung dieser komplexen Aufgabe, ein winziges Flugobjekt nicht nur senkrecht abheben, sondern auch stabil fliegen zu lassen, hat Dunschen den zweiten Platz in der Kategorie Technik sowie den Preis für Luft- und Raumfahrt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) eingebracht.

Mit einem Silberlack gegen Vereisung

Bei den derzeitigen Temperaturen ist es nur schwer vorstellbar, woran genau die beiden Baden-Württemberger Fabian Albrecht und Felix Haag geforscht haben: einer adaptiven Enteisung. Für kleinere Fluggeräte wie Drohnen ist Eis auf den Propellern aber eine echt Gefahr, es kann sogar zum Absturz führen. Die beiden Jungforscher aus dem Schülerforschungszentrum Südwürttemberg nahmen sich des Problems an und implementierten einen Silberlack in die Rotoroberfläche, der sich mit Strom erwärmen lässt. Um den Verbrauch gering zu halten, schlagen integrierte Sensoren bei kritischen Temperaturen Alarm und lösen damit die Heizleistung aus.

Diese Entwicklung macht Drohnen unabhängiger von Temperaturschwankungen und brachte Albrecht und Haag den dritten Technikpreis des diesjährigen Bundesfinales Jugend forscht und zusätzlich ein Stipendium für einen Studienplatz an der Universität der Bundeswehr ein. Ob sich die großen Drohnenhersteller dieser Welt, das chinesische Unternehmen DJI oder die französische Firma Parrot SA, schon bei den beiden gemeldet haben, ist uns leider nicht bekannt.

Sehen Sie die Technik- und weitere Bundessieger des diesjährigen Jugend-forscht-Finales, etwa den Entwickler eines umweltschonenden Triebwerks oder den jungen Wuppertaler, der die Schadstoffemissionen seiner Stadt messen lernte, in unserer Bildergalerie.

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Von Lisa Schneider
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