24.03.2014, 13:31 Uhr | 0 |

Tiefseefahrzeug „Abyss“ einsatzbereit Deutsches Tauchboot könnte bei Suche nach MH370 helfen

Die Suche nach dem seit über zwei Wochen verschollenen Flug MH370 wollen Kieler Forscher mit ihrem Tauchboot „Abyss“ unterstützen. Es ist eines von weltweit nur drei Tiefseefahrzeugen, die unterhalb 3000 Metern tauchen können. 

Das unbemannte U-Boot Abyss im Einsatz
Á

Das unbemannte U-Boot Abyss hat schon 2011 bei der Suche nach der abgestürzten Air-France-Maschine AF447 im Atlantik zwischen Brasilien und Afrika geholfen.

Foto: GEOMAR

Die Suche nach dem Flug MH370 mit 239 Menschen an Bord, der seit dem 8. März auf seinem Weg von Kuala Lumpur nach Peking spurlos verschwunden ist, geht weiter. Die Zeit drängt, weil es immer noch die Hoffnung gibt, dass eventuell Überlebende nach einem möglichen Absturz der Maschine gerettet werden könnten. Auch die Blackbox, die wichtige Daten des Fluges und die letzten Gespräche im Cockpit aufzeichnet, sendet nur 30 Tage lang Ortungssignale. Danach ist die Batterie leer.

Seit dem Wochenende konzentriert sich die Suche nach Wrackteilen der Boeing 777 auf ein Gebiet rund 2600 Kilometer südöstlich der australischen Stadt Perth. Auf Satellitenbildern waren dort Objekte zu sehen, bei denen es sich um Trümmerteile handeln könnte. Jetzt wurde das Suchgebiet auf insgesamt 36 000 Quadratkilometer ausgeweitet und Verstärkung wird aus Japan und China erwartet.

„Abyss“ kann in der Tiefe bis zu 22 Stunden lang autonom tauchen und messen

Auch die Wissenschaftler des Kieler Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung halten sich bereit. Einen offiziellen Auftrag haben sie zwar noch nicht, rechnen aber fest damit, ebenfalls bei der Suche involviert zu werden. Ihr Einsatz käme allerdings erst dann, wenn sich die Hinweise, dass es sich tatsächlich um Wrackteile der verschollenen Boeing handelt, verdichten und das Suchgebiet eingegrenzt werden kann.

Dann würden der Direktor des Zentrums für Ozeanforschung, Peter Herzig, und Klas Lackschewitz ihr Tauchboot „Abyss“ einsatzbereit machen. Lackschewitz ist der Leiter des Projektes „Autonomous Underwater Vehicle“ (AUV), also dem autonomen Unterwasserfahrzeug.

Haupteinsatzgebiet für das U-Boot ist der Meeresboden zwischen 2000 und 6000 Metern Tiefe. Dieses sogenannte Abyssal hat dem U-Boot auch seinen Namen gegeben. „Abyss“ wird mit Lithium-Batterien angetrieben und kann bis zu 22 Stunden lang tauchen und messen. Zu Beginn des Einsatzes würde das torpedo-ähnliche System mit den Missionsparametern programmiert und dann auf die Reise in die Tiefe geschickt.

Wie ein Rasenmäher fährt der Roboter den vorgegebenen Kurs ab und untersucht die Umgebung mit den unterschiedlichen an Bord installierten Messsystemen. Zur Ausstattung gehören eine Leitfähigkeits-, Temperatur- und Drucksonde, ein Partikelsensor, ein hochauflösendes Echolot, verschiedene Sonare und eine Fotokamera zur Kartierung und Dokumentation des Meeresbodens.

Kieler Forscher wollen gemeinsam mit amerikanischen Kollegen suchen

Für die Kieler Forscher wäre es nicht der erste Einsatz, mit dem sie nach einem Flugzeugunglück zu Hilfe kommen. Bereits 2011 war das Tauchboot auf der Suche nach der abgestürzten Air-France-Maschine AF447 im Atlantik zwischen Brasilien und Afrika unterwegs. Damals konnte das Wrack in 4000 Metern Tiefe aufgespürt werden.

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel wollen die deutschen Ozeanologen mit ihren amerikanischen Kollegen vom „Woods Hole Oceanographic Institution“ (WHOI) zusammenarbeiten. Denn dort, im kleinen Hafenort Woods Hole an der Südwestspitze von Cape Cod in Massachusetts, gibt es die beiden einzigen anderen autonomen Tiefseefahrzeuge. Das Institut hatte erst kürzlich Aufsehen erregt, weil die Forscher vor Vancouver eine radioaktive Belastung des Meerwassers mit Partikeln aus dem Reaktorunglück in Fukushima festgestellt hatten.

„Wir haben uns mit den amerikanischen Kollegen bereits abgesprochen, dass wir die Suche wieder gemeinsam machen", sagte Herzig dem Spiegel. Das vier Meter lange U-Boot werde derzeit am Kieler Hafen gewartet und die Batterien ausgetauscht. „Mit dem Sonar von drei U-Booten lässt sich simultan eine viel größere Fläche absuchen.“

Anzeige
Von Gudrun von Schoenebeck
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden