23.01.2014, 12:28 Uhr | 0 |

IT im Dienste der Gesundheit Datensammlung hilft beim Kampf gegen Epidemien und Umweltkrankheiten

Ugandische Ärzte können schon jetzt die Ausbreitung einer Cholera-Epidemie auf digitalen Landkarten präzise verfolgen. Künftig sollen zum Beispiel Asthma-Patienten per App die Luftqualität in ihrer Umgebung einsehen können – Informationstechnologie im Dienste der Gesundheit.

Frühwarnsystem für Gesundheitsrisiken
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Sensorik, Datenauswertungen und Risikoanalysen sollen zukünftig Krankenhäusern und Gesundheitsbehörden rechtzeitige Entscheidungshilfen im Falle einer drohenden Epidemie zur Verfügung stellen.

Foto: Stefan Riel/ Jerzy Sawluk

Das EU-Projekt EO2HEAVEN verfolgt ein ehrgeiziges Ziel: Epidemien sollen schneller und effizienter bekämpft, Umweltauswirkungen auf die Gesundheit präziser erfasst werden. Die Informationstechnologie dafür liefern Dr. Kym Watson und sein Team vom Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) in Karlsruhe.

Im Rahmen des europäischen Projekts wurden drei Fallstudien untersucht: in Dresden der Zusammenhang zwischen Luftqualität und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, im südafrikanischen Durban der Zusammenhang von Luftverschmutzung in einem Industriegebiet mit Asthma sowie in Uganda der Einfluss diverser Umweltfaktoren auf Cholera-Epidemien. Dafür entwickelten die Forscher am IOSB eine Softwarearchitektur für Frühwarnsysteme, die Umwelt- und Gesundheitsdaten abgleicht und grafisch darstellt. „Die Zusammenhänge zwischen diesen Faktoren konnten wir damit erstmals in Gefahrenkarten visualisieren und damit ein besseres Verständnis der komplexen Zusammenhänge schaffen“, erklärt Watson.

Persönliches Gesundheitsprofil möglich

Beispiel Cholera: Diese bakterielle Krankheit wird in erster Linie durch Wasser übertragen. Daten wie Niederschlag und Sonneneinstrahlung werden in dem Projekt erfasst, auch Wetterprognosen fließen ein. Zum anderen ermittelten die Forscher in Krankenhäusern und bei Ärzten mit mobilen Anwendungen Gesundheitsdaten zu Cholerafällen: Welche Symptome treten auf? Wo hat sich der Patient aufgehalten? Diese Daten werden anonymisiert auf einen zentralen Server übertragen. Ergebnis ist eine digitale Landkarte, die die Wechselbeziehung mit den Umweltdaten deutlich zeigt. Damit können die medizinischen Ressourcen gezielter eingesetzt und Krankenhäuser vorgewarnt werden.

Die Software soll in Zukunft aber auch Privatpersonen helfen. So sei vorstellbar, dass zum Beispiel Asthmatiker über eine App ihr persönliches Profil anlegen. Watson: „Dort können sie definieren, ab welchen Schwellenwerten sie etwa allergisch auf Pollenflug oder Luftqualitätswerte reagieren. Werden diese hinterlegten Daten dann mit gemessenen Umweltdaten abgeglichen, kann jeder seine ganz persönliche Gefahrenkarte einsehen oder wird gar von der App gewarnt, wenn die Schwellenwerte überschritten sind.“

Daten sollen anonymisiert werden

Eine solche praktische Nutzung ist allerdings noch weit entfernt. Dem steht entgegen, dass die Krankenkassen die notwendigen Daten kaum herauszugeben bereit sind. Die Fraunhofer-Forscher fordern deshalb, die Daten anonymisiert aufzubereiten. Die Grenzen der neu entwickelten Technik beschreiben sie selbst: „Unsere IT-Lösung bietet ,nur‘ ein Werkzeug für weitere Entscheidungen. Ob Choleraausbrüche in Uganda tatsächlich eingedämmt werden können, ist natürlich vor allem abhängig von den ergriffenen Maßnahmen, der Qualität des Trinkwassers, dem hygienischen Umgang und auch den medizinischen Ressourcen.“

Bis das Cholera-Frühwarnsystem systematisch angewandt wird, würden wohl noch bis zu fünf Jahre vergehen, sagt Watson. Dies sei schließlich auch eine Frage des Geldes. Ihr System präsentieren die Wissenschaftler im März in Hannover auf der weltweit größten Messe für Informationstechnik CeBIT.

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Von Werner Grosch
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