05.08.2014, 08:13 Uhr | 0 |

380 Millionen Euro Briten kämpfen gegen Krebs mit Genforschungsprogramm

Den genetischen Code von 75.000 Erkrankten will die britische Gesundheitsbehörde in den nächsten Jahren analysieren – mit einem Budget von 380 Millionen Euro. Die Datenbank soll Wissenschaftler und Pharmaindustrie dabei unterstützen, Krebs und seltene Krankheiten zu besiegen. 

Forscherin der Universität Mainz
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In den nächsten vier Jahren wollen die Forscher insgesamt 100.000 DNA-Proben von 75.000 Menschen nehmen. Ziel ist es, Krebserkrankungen noch besser zu verstehen und alternative Behandlungsmöglichkeiten zur aggressiven Chemotherapie zu finden. 

Foto: Universität Mainz

Der Aufwand ist enorm, aber er könnte zu einer Revolution im Kampf gegen Krebs und seltene Krankheiten führen. Das jedenfalls erhofft sich die britische Regierung, wenn sie bis Ende 2017 die Genome, also die gesamten persönlichen vererbbaren Informationen, von insgesamt 75.000 Menschen analysiert haben will.

Für dieses gigantische Gen-Forschungsprojekt sagte der britische Premierminister James Cameron jetzt umgerechnet knapp 380 Millionen Euro zu. Damit, so Cameron, werde Großbritannien in den kommenden Jahren an die Spitze der weltweiten Gen-Forschung rücken.

Forscher wollen 100.000 DNA-Proben sammeln

Das britische Gesundheitsministerium hat die neue Institution Genomics England gegründet, die das Projekt koordiniert. Von hier aus werden rund 40.000 Patienten, die entweder an Krebs oder einer seltenen Krankheit leiden, eingeladen, bei dem Projekt auf freiwilliger Basis mitzumachen. Die eine Gruppe, deren Erbinformationen analysiert werden sollen, sind Kinder mit seltenen Krankheiten. Weil der allergrößte Teil dieser Krankheiten, mindestens 80 Prozent, weitervererbt wird, soll auch die DNA der Eltern untersucht werden.

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Auf der Bildschirmdarstellung einer Magnetresonanz-(MR)-Mammographie ist ein winziger Tumor in der Brust einer Patientin zu sehen. Das Genprogramm der Briten soll die Entwicklung neuer Medikamente und Diagnosetechniken unterstützen. 

Foto: dpa

Die zweite Gruppe im Genom-Projekt besteht aus Krebspatienten. Hier liegt der Fokus auf Darm-, Brust-, Lungen- und Prostatakrebs. Von diesen Patienten werden zwei Proben entnommen: Eine DNA-Probe stammt aus dem Tumor und eine weitere aus gesundem Gewebe. Insgesamt sollen in den nächsten vier Jahren 75.000 Menschen insgesamt 100.000 DNA-Proben liefern. Bis jetzt liegen nach Angaben von Genomics England bereits mehrere Hundert Proben vor, bis zum Ende des Jahres sollen es rund 10.000 werden.

Forschung zu einer personalisierten Krebstherapie

Von dem Projekt erhoffen sich die Wissenschaftler ein besseres Verständnis von den winzigen genetischen Veränderungen, die im menschlichen Genom stattfinden, wenn es zu einer Krebserkrankung oder einer seltenen genetischen Erkrankung kommt. Durch den Vergleich von vielen Tausend Genomen, von Patienten und deren Angehörigen, von gesundem und verändertem Gewebe, sollen diejenigen Abweichungen in den Genen bestimmt werden, die zum Ausbruch der Krankheit führen.

Das wäre ein wesentlicher Schritt hin zu einer personalisierten und deutlich effektiveren Behandlung. „Wenn wir in 20 Jahren zurückschauen, werden all die Chemotherapie-Medikamente mit ihren hässlichen Nebenwirkungen Geschichte sein“, sagt Jeremy Farrar, Leiter der beteiligten Wohlfahrtsorganisation Wellcome Trust.

Die Genom-Datenbank steht auch der Pharmaindustrie zur Verfügung

Aber die Genom-Datenbank der Briten ist nicht nur ein reines Projekt der Grundlagenforschung. Die britische Regierung hat von Anfang an klargestellt, dass sie beabsichtigt, die gesammelten Daten nicht nur Wissenschaftlern unter strengen Auflagen, sondern auch der Pharmaindustrie zur Verfügung zu stellen. Genomics England verhandele derzeit mit entsprechenden Unternehmen und werde die strikte Vertraulichkeit der Patientendaten auf jeden Fall gewährleisten.

Wenn innovative Behandlungsmethoden, die Leben verlängern oder retten, gefunden werden sollen, müssen kommerzielle Firmen in die Forschung und Entwicklung neuer Medikamente und Diagnosetechniken investieren, heißt es bei Genomics England. Das könne die Regierung oder die nationale Gesundheitsbehörde nicht leisten, sondern sei immer Aufgabe der Industrie gewesen.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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