29.07.2016, 07:19 Uhr | 0 |

Studie: Dollys Schwestern sind fit Auch geklonte Schafe können gesund alt werden

Vor 20 Jahren war es die Sensation schlechthin: Dolly, das erste Klontier, kam zur Welt. Doch das Klonschaf wurde nicht sehr alt. Offenbar hat das aber nichts mit der Zeugungsmethode zu tun. Denn laut einer aktuellen Studie sind Dollys Klon-Schwestern auch im Alter gesund. Dolly hatte wohl einfach nur Pech.

Klonschafe
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Dollys Schwestern: Diese Klonschafe hatten mehr Glück als ihre berühmte Artgenossin. Sie alterten ganz normal. 

Foto: The University of Nottingham/dpa

Dolly war der erste Klon eines erwachsenen Säugetiers. Doch das Wundertier aus Schottland wurde nur sechseinhalb Jahre alt. Dabei werden die wolligen Vierbeiner normalerweise zehn bis zwölf Jahre alt. Manche noch älter. Doch das berühmteste Schaf der Welt hatte schon mit fünf Jahren nicht nur Wehwehen, sondern ziemlich ausgeprägte Alterserscheinungen. Vor allem eine fortgeschrittene Arthritis der Gelenke machte dem Tier zu schaffen. 2003 war dann die letzte Stunde gekommen: Dolly musste wegen einer unheilbaren Lungeninfektion eingeschläfert werden.

Schadet Klonprozess dem Tier?

Analysen ergaben, dass ihre Telomere – das sind für die Zellalterung wichtige Endstücke der Chromosomen – extrem verkürzt waren. Unter anderem das nährte folgenden Verdacht: Geklonte Säuger altern vorzeitig und entwickeln rascher altersbedingte Krankheiten. Man mutmaßte auch: Womöglich ist der Klon bei der Geburt schon so alt sind wie das Tier, aus dem der Zellkern stammt. Oder die technische Prozedur richtet Schäden an.

Klonschafe durchgecheckt

Jetzt erst sind Forscher dieser Frage systematisch nachgegangen. Die Ergebnisse hat das britische Team von der Universität Nottingham im Fachjournal Nature Communications veröffentlicht. Der Studienleiter Kevin Sinclair hat mit seinen Kollegen in Schottland 13 Klonschafe durchgecheckt. Vier der sieben bis neun Jahre alten Tiere haben sogar das gleiche Genmaterial wie Dolly – sie stammen aus derselben Zelllinie. Die Forscher machten unter anderem Röntgenaufnahmen von ihren Gelenken, untersuchten Blutwerte, Blutdruck und Stoffwechsel. Diese Werte verglichen sie mit einer Kontrollgruppe. Das Ergebnis der Wissenschaftler: „Wir konnten keine Belege für langfristige negative Folgen des Klonens finden.“

Klontechnik noch lange nicht ausgereift

Den Klon-Schwestern und Artgenossen des berühmten Vorgängers geht es demnach gut. Trotz ihres reiferen Alters waren die Schafdamen gesund, der Blutdruck und Stoffwechsel altersgerecht. Einige hatten leichte Gelenkprobleme. Doch das ist mit neuen Jahren bei Schafen normal. Kurz gesagt: Auch Klonschafe können gesund alt werden. Dolly hatte offenbar einfach nur Pech, meinen die Forscher. Der Klonprozess sei nicht schuld an ihrem frühen Altern.

ARCHIV - Das Klonschaf Dolly zeigt im Roslin-Institut bei Edinburgh seine Zähne (Archivfoto vom 4.1.2002). Der 05. Juli 1996 gilt vielen Forschern als der Beginn des Klonzeitalters. An diesem Tag wurde in einem Stall in Schottland ein Schaf geboren, das in die Geschichtsbücher eingehen sollte: Dolly - der erste Klon eines erwachsenen Säugetiers. Doch Dolly kränkelte, hatte ein für Schafe relativ kurzes Leben und starb vor zehn Jahren am 14. Februar 2003. Heute steht das Schaf ausgestopft in einer Glasvitrine im Royal Museum in Edinburgh. Foto: Curtis dpa (zu dpa "Einzigartig - und doch nicht: Vor zehn Jahren starb Klonschaf Dolly" am 08.02.2013) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Klonschaf Dolly: Der 5. Juli 1996 gilt vielen Forschern als der Beginn des Klonzeitalters. An diesem Tag wurde in einem Stall in Schottland ein Schaf geboren, das in die Geschichtsbücher eingehen sollte: Dolly – der erste Klon eines erwachsenen Säugetiers. Doch Dolly kränkelte, hatte ein für Schafe relativ kurzes Leben und starb vor 13 Jahren am 14. Februar 2003. Heute steht das Schaf ausgestopft in einer Glasvitrine im Royal Museum in Edinburgh. 

Foto: Curtis/dpa

Trotzdem sei es noch ein langer Weg, bis das Reproduzieren mit Hilfe des sogenannten somatischen Zellkerntransfers (SCNT) ausgereift sei. Bei dieser reproduktiven Methode wird aus einer Eizelle der Kern ausgehöhlt und durch den Kern einer Körperzelle ersetzt. Um Dolly zu „zeugen“, wurde das Erbgut aus der Euterzelle eines erwachsenen Schafes in eine entkernte Eizelle eines anderen Tiers eingeschleust. Ein drittes Schaf trug Dolly dann aus. Inzwischen haben Forscher mit ähnlichen Verfahren mehr als 20 Säugetierarten geklont, darunter sogar menschliche Embryonen aus Hautzellen.

Zwei Jahre nach Dolly hat in Deutschland Eckhard Wolf als erster Wissenschaftler ein Säugetier geklont. 1998 kam Klonkalb Uschi zur Welt. Wolf arbeitet am Genzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Die aktuelle britische Studie über Klonschafe bewertet er zurückhaltend. Der Augsburger Allgemeinen sagte Wolf: „Die Studie beinhaltet umfangreiche Untersuchungen und ist zweifellos sehr sauber durchgeführt, eine generalisierte Aussage über den Gesundheitszustand von Klontieren erlaubt sie meines Erachtens aber nicht.“

Übrigens steht Dolly jetzt in einer Glasvitrine im Royal Museum in Edinburgh. Sie wurde nach ihrem Tod ausgestopft.

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Von Lisa von Prondzinski
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