10.07.2013, 10:00 Uhr | 0 |

Norm bietet keinen optimalen Schutz Arbeit mit Gefahrstoffen: Wasserstrom in Notduschen untersucht

Fraunhofer-Forscher haben erstmals die Effektivität von Notduschen in Laboren in Verbindung mit dem Wasserstrom untersucht. In ihren Tests stellten sie fest, dass die Duschen mit einem engeren Wasserstrahl, die von der Norm abweichen, am besten abgeschnitten haben. Sie spülen die Gefahrenstoffe am effektivsten ab. 

Arbeiten mit Gefahrenstoffen
Á

Beim Arbeiten mit Gefahrenstoffen wie hier an der Universität Hamburg gelangen auch schon einmal ätzende Sübstanzen auf die Kleidung. Eine Notdusche muss vorgenommen werden.  

Foto: Universität Hamburg

Labormitarbeiter sind während ihrer Arbeit gefährlichen Stoffen ausgesetzt. Kommt versehentlich eine gefährliche Substanz auf deren Körper oder Kleidung, muss diese mit einer Notdusche sofort beseitigt werden. Wie effektiv diese Duschen gefährliche Säuren oder Laugen wieder abwaschen, hat die Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie mit Forschern des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen untersucht. Dazu testeten sie 15 verschiedene Duschköpfe, durch die zwischen 20 und 110 Liter Wasser pro Minute fließen.

Effektivste Duschen sind abseits der Norm

Duschen mit einem engeren Wasserstrahl, der von der festgelegten deutschen und europäischen Norm abweicht, schnitten in den Tests am besten ab. Zudem kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass eine höhere Wassermenge nicht effektiver wirkt. Viel hilft also nicht immer viel. Auch die Art der Wasserverteilung – also wie der Wasserstrahl aufgefächert ist – spiele dabei keine große Rolle, erklärte UMSICHT-Forscher Dr. Ulrich Seifert. Nach deutscher und europäischer Norm sollen Notduschen gewisse Vorgaben erfüllen. Beispielsweise wird darin die Wassermenge pro Minute festgelegt und die Form des Wasserkegels.

„Wie gut die Abspülwirkung der Dusche ist, kann man besser an anderen Merkmalen ablesen, insbesondere am Benetzungsgrad“ erklärt Seifert. Dabei wird berücksichtigt, wie gut die Dusche die Körperoberfläche der verletzten Person mit Wasser versorgt. „Dieser Punkt ist in den Normen bisher nicht berücksichtigt“, so Seifert.

Tests an Schaufensterpuppe vorgenommen

Für die Untersuchungen befestigten die Forscher 34 Sensoren an einer Schaufensterpuppe, in dem sie kleine Löcher in die Puppe bohrten und die Sensoren dort hineinsteckten. Dann kontaminierten sie die Puppe mit verschiedenen Salzlösungen. Diese hatten unterschiedliche Konsistenzen: eine dünnflüssig, die andere zäh wie Honig.

Anschließend wurde die Puppe unter die Dusche gestellt. Dann kamen die Sensoren zum Einsatz. Sie messen an unterschiedlichen Körperstellen, wie schnell die Salzlösung abgespült wird. Eine elektrische Leitfähigkeit im Sensor macht dies möglich. Dafür sind zwei dünne Golddrähte angebracht, an denen eine kleine Wechselspannung liegt. Kommt Wasser oder die Salzlösung auf den Sensor, wird die Flüssigkeit weitergeleitet. Dabei gibt die Höhe des Stromflusses Informationen über die Verdünnung der Salzlösung.

Die Tests sollten so realitätsgetreu durchgeführt werden wie möglich. „Niemand, der seinen Bauch schnellstmöglich abspülen will, steht stocksteif und kerzengerade unter der Dusche. Man hält den betroffenen Körperteil in den Wasserstrahl und bewegt sich ein wenig. Wir haben die Bewegung der Person im Duschwasserstrahl nachgestellt, indem wir den Duschkopf über der Puppe hin und her bewegten“, erklärt Seifert.

Gut zu wissen: Meistens war die Substanz in weniger als einer Minute so verdünnt, das im Falle einer echten Säure oder Lauge kein Verätzungsrisiko mehr bestehen würde. Die Ergebnisse wurden kürzlich veröffentlicht und fanden bereits großes Interesse bei Experten aus Industrie und Normung. 

Anzeige
Von Petra Funk
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden