02.01.2014, 07:00 Uhr | 0 |

Erkenntnisse für Reha-Medizin Arbeit mit Computermaus verbessert Fähigkeit zur Verallgemeinerung

Beim Arbeiten mit der Maus muss das Gehirn kontinuierlich Hand- und Zeigerbewegung abgleichen. Das stärkt die Fähigkeit zur Verallgemeinerung. Eine Erkenntnis, die die Rehabilitationsmedizin revolutionieren könnte.

Arbeit mit der Maus verbessert Fähigkeit zur Verallgemeinerung
Á

Der Mensch selbst merkt es nicht: Sein Gehirn muss kontinuierlich die Bewegungen von Hand und Mauszeiger abgleichen. Das verbessert schnell die Fähigkeit, Zusammenhänge zu verallgemeinern.

Foto: Fujitsu Siemens

Das Zusammenspiel zwischen Mensch und Maus am Computer ist so selbstverständlich, dass die meisten überhaupt nicht darüber nachdenken. Tatsächlich aber verändert sich die Bewegungsverarbeitung im Gehirn, wie Forscher aus den USA und China jetzt belegen konnten.

Das Gehirn muss kontinuierlich kleine Handbewegungen mit größeren des Mauszeigers abgleichen. Diese sogenannte visuomotorische Transformation erleichtert es sich, indem es Bewegungszusammenhänge in den Neuronen speichert. Diese angelegten Datenautobahnen überstehen auch den Wechsel zwischen unterschiedlich großen Monitoren, erklärt Konrad Kording von der Northwestern University: „Wenn man das gut verallgemeinern kann, muss man die Maus später nur einmal bewegen und ist wieder kalibriert.“

Computerneulinge können Zeigerbewegungen schlechter verallgemeinern

Um dieses Phänomen zu beweisen, haben Forscher der amerikanischen Northwestern University in Evanstone und Chicago sowie der Universität von Beijing in China ein Experiment durchgeführt: Personengruppen mit unterschiedlicher Computererfahrung sollten dabei mit verdeckter Hand einen Mauszeiger in eine vorgegebene Richtung bewegen. Zwar begriffen Neulinge das Verhältnis zwischen Hand- und Zeigerbewegung fast genauso schnell wie die Erfahrenen. Doch hatten sie Schwierigkeiten damit, das Gelernte auf andere Bewegungsrichtungen zu übertragen.

Die Forscher folgerten: Der Umgang mit der Maus hat bei erfahrenen Nutzern die Fähigkeit zur Verallgemeinerung verbessert. In einem weiteren Test konnten die Forscher beweisen, dass Neulinge ihr Defizit recht schnell aufholen können. Sie trainierten zwei Wochen lang jeden Tag ein motorisches Geschicklichkeitsspiel am Computer. Danach zeigte sich, dass ihre Lerngeschwindigkeit für neue Bewegungsrichtungen in etwa der geübter Computernutzer entsprach.

Erkenntnisse sollen der Reha zugutekommen

Die neuen Erkenntnisse könnten längerfristig für die so genannte Rehabilitationsmedizin von erheblicher Bedeutung sein. „Verallgemeinerung muss gelernt werden“, erklärt Kunlin Wei von der Peking University. „Wir sollten nicht erwarten, dass sie automatisch passiert. Wenn wir Patienten dazu bringen könnten, vom roboterhaften Training in der Klinik zum Teetrinken zuhause zu verallgemeinern, dann würde das Krankenhaustraining den Alltag maximal verbessern.“

Anzeige
Von Peter Odrich / Patrick Schroeder
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden