04.11.2015, 11:10 Uhr | 1 |

RUSSISCHE MASCHINE ÜBER SINAI War der Absturz Folge eines alten Unfalls?

Noch ist die Ursache des Absturzes einer russischen Maschine mit 224 Menschen an Bord über dem Sinai unklar. Ein Raketenabschuss gilt als sehr unwahrscheinlich, aber eine Bombe wäre denkbar. Es könnte aber auch ein vor Jahren entstandener Schaden an der Maschine zum Auseinanderbrechen in der Luft geführt haben.

Wrackteil des Airbus A321-200
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Ein Wrackteil des Airbus A321-200. Die 18 Jahre alte russische Maschine stürzte über dem Sinai ab. Die Unfallursache ist immer noch unkar. 

Foto: Maxim Grigoriev/Russian Emergency Ministry/dpa

Ein „Tailstrike“ ist bei Piloten gefürchtet. Zieht der Flugkapitän die Maschine beim Start zu steil hoch oder setzt das Heck bei der Landung zu hart auf, dann kann es dazu kommen, dass der hintere Teil des Rumpfes den Boden berührt. Je nach Heftigkeit dieser Berührung kann ein erheblicher Schaden am Flugzeug entstehen. Und wenn der nicht absolut sachgemäß und vollständig behoben wird, kann der Rumpf noch Jahre später und völlig unerwartet in der Luft explodieren.

Der Grund dafür ist einfach: Im hinteren Teil des Flugzeuges liegt ein Schott, das dem Innendruck der Passagierkabine standhalten muss. Wenn es durch einen unerkannten Schaden irgendwann nicht mehr hält, fliegt praktisch der Deckel weg: Die Schotten sind nicht mehr dicht.

epa05007510 A handout picture provided by the Russian Emergency Ministry press service on 02 November 2015 shows a piece of an engine of Russian MetroJet Airbus A321 at the site of the crash in Sinai, Egypt, 01 November 2015. The A321 plane of Metrojet en route from Sharm-el-Sheikh, to St. Petersburg crashed in the Sinai, Egypt on 31 October 2015, killing all 224 people on board. EPA/MAXIM GRIGORIEV / RUSSIAN EMERGENCY MINISTRY / HANDOUT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Am 31. Oktober stürzte der russische Airbus A321-200 in Ägypten ab. Die Auswertung der beiden Flugschreiber dauert noch an. Ob technisches Versagen oder ein Attentat das Unglück auslösten, ist noch offen. 

Foto: Maxim Grigoriev/Russian Emergency Ministy/dpa

Ein Horrorszenario. Aber eines, das es nicht nur im Film gibt. Mindestens zwei schwere Unglücke mit vielen Toten in den vergangenen 30 Jahren werden auf solche Spätfolgen eines eigentlich kleineren Unfalls zurückgeführt. Und genau einen Unfall dieser Art soll die jüngst über dem Sinai abgestürzte russische Maschine vor 14 Jahren gehabt haben.

Belastung an der Obergrenze

Medien berichten jedenfalls, dass der Airbus A321-200 im Jahr 2001 auf dem Flughafen von Kairo mit dem Heck über den Boden geschlittert sei. Hinzu kommt, dass die Maschine bei ihrem Flug in Richtung Sankt Petersburg voll betankt und maximal beladen gewesen ist – die mechanische Belastung war demnach nahe der Obergrenze. Außerdem war der Airbus schon seit mehr als 18 Jahren im Einsatz.

Andererseits gilt: Das schiere Alter eines Flugzeugs gilt in der Luftfahrt nicht als Risikofaktor. Bei sachgemäßer Wartung sind für Maschinen dieses Typs noch deutlich mehr als die bis zum Unglück absolvierten 56.000 Flugstunden möglich.

Bilder zeigen einen Feuerball

Solange die beiden Flugschreiber, die derzeit in Moskau analysiert werden, nicht ausgewertet sind, wird es wohl bei Spekulationen über die Ursache bleiben. Als äußerst unwahrscheinlich gilt indes ein Raketenabschuss, wie ihn der IS für sich proklamiert. Und zwar deshalb, weil es bei der Flughöhe von über 9000 Metern schwer vorstellbar ist, dass die Terrormiliz dies technisch und strategisch schaffen könnte.

epa05007517 A handout picture provided by the Russian Emergency Ministry press service on 02 November 2015 shows Egyptian servicemen at the site of crash of Russian MetroJet Airbus A321 in Sinai, Egypt, 01 November 2015. The A321 plane of Metrojet en route from Sharm-el-Sheikh, to St. Petersburg crashed in the Sinai, Egypt on 31 October 2015, killing all 224 people on board. EPA/MAXIM GRIGORIEV / RUSSIAN EMERGENCY MINISTRY / HANDOUT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES +++(c) dpa - Bildfunk+++
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240 Menschen starben bei dem Absturz der russischen Maschine. 

Foto: Maxim Grigoriev/Russian Emergency Ministry/dpa

Wohl aber kann eine Bombe an Bord nicht ausgeschlossen werden. Für diese Theorie scheint derzeit auch die Tatsache zu sprechen, dass Satellitenaufnahmen offenbar eine Art Feuerball zeigen. Der muss aber nicht von einer Sprengstoffattacke stammen, sondern könnte auch von einem explodierenden Triebwerk ausgelöst worden sein.

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Von Werner Grosch
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kommentare
06.11.2015, 09:08 Uhr bork
Die Aussage "Solange die beiden Flugschreiber, die derzeit in Moskau analysiert werden" deckt sich nicht mit den Aussagen des MAK vom 4.11.:"Данные бортового параметрического регистратора (FDR) были успешно скопированы и переданы в комиссию по расследованию для расшифровки, обработки и анализа. Бортовой речевой регистратор (CVR) получил серьёзные механические повреждения и в настоящий момент в Египте, с участием экспертов МАК и BEA Франции, проводятся подготовительные работы по копированию записанной информации с соблюдением всех возможных мер предосторожности."

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